{"id":15288,"date":"2021-11-09T15:49:04","date_gmt":"2021-11-09T14:49:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.euroakademie.de\/magazin\/?p=15288"},"modified":"2024-12-04T15:14:10","modified_gmt":"2024-12-04T14:14:10","slug":"hospizarbeit-leben-bis-zum-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euroakademie.de\/magazin\/hospizarbeit-leben-bis-zum-tod\/","title":{"rendered":"Hospizarbeit \u2013 leben bis zum Tod"},"content":{"rendered":"<p><![CDATA[\n<\/p>\n\n\n<p><strong>Der Tod geh\u00f6rt zum Leben wie die Geburt, das wissen wir alle. Die Tage, die dazwischen liegen, sind kostbar. Das wird uns immer dann blitzartig klar, wenn wir selbst erkranken oder ein geliebter Mensch stirbt. G\u00e4ste eines Hospizes, die Angeh\u00f6rigen und Mitarbeiter*innen sind Abschiednehmende. Diese Zeit wird aber dort nicht als das Warten auf den Tod begriffen, sondern als ein ganz eigenst\u00e4ndiger Lebensabschnitt \u2013 f\u00fcr ein Leben in W\u00fcrde bis zum letzten Tag. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen haben Angst vor dem Besuch im Hospiz. Und das ist erstmal verst\u00e4ndlich, denn die Konfrontation mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens ist dort unausweichlich. Trotzdem ist ein Hospiz alles andere als ein furchtbarer oder trostloser Ort. An meine Besuche als Physiotherapeutin im Hospiz erinnere ich mich gerne \u2013 obwohl es ohne Frage auch sehr traurige Momente dort gab. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Konzert zum Abschied  <\/h2>\n\n\n\n<p>Ich denke zum Beispiel mit einem L\u00e4cheln an eine leidenschaftliche S\u00e4ngerin, deren Wunsch es war, ein letztes Konzert zu geben. Ich erinnere mich noch sehr genau an die unglaubliche Energie, mit der diese junge Frau ihr Abschiedskonzert gemeinsam mit Mitarbeiter*innen des Hospizes, Angeh\u00f6rigen und Freund*innen vorbereitet hat \u2013 voller Freude und Enthusiasmus. Ja, sie musste sich zwischendurch immer wieder hinlegen, ihre Stimme war nicht mehr so stark und klar, es kamen Zweifel auf, ob sie das alles noch schaffen w\u00fcrde. Sie hat es geschafft. Ein unvergessliches Erlebnis, eine sch\u00f6ne Erinnerung und ein emotionaler Abschied.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Familie und Freund*innen immer dabei<\/h2>\n\n\n\n<p>In seinem Zimmer war immer was los \u2013 mit seinen griechischen Wurzeln und s\u00fcdl\u00e4ndischem Temperament ausgestattet, waren Freunde und Familie tagt\u00e4glich an seiner Seite. Nicht selten waren Zimmer und Terrasse voller Menschen \u2013 so, wie er es gerne mochte. Er liebte es, Geschichten von der Zeit auf dem Bau zu erz\u00e4hlen, immerhin hatte er rund 30 Jahre seines Berufslebens auf Baustellen verbracht. Die Beziehungen zu Frauen waren nicht immer einfach und seine Kinder waren sein ganzer Stolz. Zu seinem Geburtstag plante er eine gro\u00dfe Feier im Hospiz. In den Wochen, in denen ich ihn dort begleiten durfte, ging er mit Freunden zum Essen, in den Biergarten, machte Ausfl\u00fcge \u2013 er kostete das Leben aus, soweit es ihm m\u00f6glich war. Zu den geliebten Olivenhainen seines Onkels hat er es nicht mehr geschafft. Die Dose mit gef\u00fcllten Weinbl\u00e4ttern, die er mir geschenkt hatte, stand lange noch in meinem K\u00fcchenschrank.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-font-size has-regular-font-size\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color has-background has-link-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.euroakademie.de\/bildungsangebote\/gesundheit-pflege\" style=\"background-color:#95c11f;padding-top:var(--wp--preset--spacing--30);padding-right:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--30);padding-left:var(--wp--preset--spacing--20)\">Der Tod ist f\u00fcr Sie kein Tabuthema? Das ist die beste Voraussetzung f\u00fcr einen Beruf im Bereich Gesundheit &amp; Pflege &#8211; denn hier hei\u00dft es \u00f6fters: Abschied nehmen. Hier finden Sie alle Ausbildungen in diesem Bereich.<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein gro\u00dfer Tisch, ein Klavier, der Kater und frischgebackener Kuchen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn ich das Hospiz betrat, kam mir meist zuerst der Geruch leckeren frischgebackenen Kuchens in die Nase, der Kater lag auf der Couch und verbreitete eine unglaubliche Ruhe. Eine Zeit lang kam einmal in der Woche ein Pianist und spielte auf dem Klavier im Gemeinschaftsraum, in dem sich auch der gro\u00dfe Esstisch f\u00fcr mindestens 10 Personen und die K\u00fcche befand.  Die gute Seele des Hospizes, die die irref\u00fchrende Bezeichnung \u201eHauswirtschafterin\u201c trug, versuchte, alle W\u00fcnsche, besonders was das Essen betraf, zu erf\u00fcllen. Da gab es am sp\u00e4ten Abend noch eine Bratwurst, zum Nachmittag die ersehnte k\u00fchle Orange oder ein besonderes Eis. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Hospiz geht es darum, auf den Gast (so werden Bewohner*innen im Hospiz genannt) einzugehen und ihm oder ihr eine m\u00f6glichst angenehme Zeit zu schenken. Hier gibt es keine vorgegebenen Essenszeiten, keine sturen Tagesabl\u00e4ufe oder Schlafens- und Wachzeiten. Hier steht der Mensch mit all seinen Bed\u00fcrfnissen, W\u00fcnschen und \u00c4ngsten im Mittelpunkt. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hand in Hand &#8211; mit Ruhe und Wertsch\u00e4tzung <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Pflegekr\u00e4fte, \u00c4rzt*innen, Therapeut*innen, Sozialp\u00e4dagog*innen, Seelsorger*innen und ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen arbeiten hier Hand in Hand. Hierarchien gibt es hier nicht. Jede*r erf\u00fcllt seine Aufgabe, so gut er*sie kann \u2013 zum Wohle der G\u00e4ste. Nat\u00fcrlich gibt es auch Tage, an denen nicht alles reibungslos l\u00e4uft, an denen es Meinungsverschiedenheiten gibt. Dadurch, dass die Pflegekr\u00e4fte nur wenige G\u00e4ste zu versorgen haben \u2013 diese aber intensiv \u2013 herrscht aber kein reges Treiben und Umherrennen auf den G\u00e4ngen, sondern eine ruhige und wertsch\u00e4tzende Atmosph\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Angeh\u00f6rige d\u00fcrfen bei ihren Lieben \u00fcbernachten, die Zimmer sind so geschnitten, dass ein G\u00e4stebett hineinpasst. In dem Hospiz, in dem ich arbeitete, gibt es zus\u00e4tzlich ein eigenes Zimmer f\u00fcr G\u00e4ste. Hier bekommen auch Angeh\u00f6rige eine warme Mahlzeit und treffen fast immer auf ein offenes Ohr, wenn sie ein Gespr\u00e4ch suchen.   <\/p>\n\n\n\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.euroakademie.de\/magazin\/physiotherapeutin-im-interview\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Arbeiten als Physiotherapeutin (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Arbeiten als Physiotherapeutin<\/a> im Hospiz ist anders als in einem Krankenhaus oder in einer freien Praxis. Die Behandlungen sind zu 100 Prozent auf den*die Patient*in ausgerichtet. Hier geht es vor allem darum, den Menschen etwas Gutes zu tun \u2013 das zu tun, was sie gerade in diesem Moment brauchen. Das kann eine sanfte Lymphdrainage sein, die die gestaute Fl\u00fcssigkeit aus den Beinen transportiert, eine entspannende Massage oder die Bewegung an der frischen Luft. Wenn die Beweglichkeit und die Kraft nachlassen, ist die Ber\u00fchrung etwas, worauf sich fast alle G\u00e4ste sehr freuen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe das Hospiz als einen Ort der Begegnung erlebt. Freude, Dankbarkeit, Wehmut und Trauer sind hier ganz eng miteinander verbunden.    <\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, im Hospiz zu arbeiten? Weitere Informationen zur Hospizarbeit finden Sie auf der Seite des <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Deutschen Hospiz- und Palliativ Verbandes (DHPV) (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.dhpv.de\/start.html\" target=\"_blank\">Deutschen Hospiz- und Palliativ Verbandes (DHPV)<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Bildquelle Beitragsbild: \u00a9 Neil Bussey \/ shutterstock.com<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00e4ste eines Hospizes, die Angeh\u00f6rigen und Mitarbeiter*innen sind Abschiednehmende. 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