Alumni im Gespräch: Interview mit Jule Roth
Jule Roth ist Absolventin der Euro Akademie Aschaffenburg und arbeitet nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondentin heute als Ein-Fach-Fachlehrerin für Englisch an verschiedenen Grund- und Mittelschulen in Bayern.
Besonders bemerkenswert: Trotz „nur“ eines Realschulabschlusses ermöglichte ihr die Ausbildung an der Euro Akademie den direkten Einstieg in den Schuldienst – ganz ohne anschließendes Pädagogikstudium.
Die Ausbildung qualifiziert sie dazu, Englisch zu unterrichten, da für den Fremdsprachenunterricht eine entsprechende sprachliche Ausbildung erforderlich ist. Eine zusätzliche Top-up-Ausbildung wäre lediglich nötig, um weitere Fächer unterrichten zu dürfen. Nach dem Abschluss erfolgt die Bewerbung über das Schulamt, das die Lehrkräfte an passende Schulen vermittelt.
Im Interview erzählt sie unter anderem, wie sie zu diesem Berufsweg gekommen ist und welche Kompetenzen aus ihrer Ausbildung ihr heute im Schulalltag besonders helfen. Viel Spaß beim Lesen!
I. Einstieg & Werdegang
1. Könntest du dich bitte kurz vorstellen?
„Hallo, mein Name ist Jule Roth. Ich habe in Aschaffenburg an der Euro Akademie die Ausbildung zur staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondentin erfolgreich im September 2025 abgeschlossen.“
2. Was hat dich damals dazu bewogen, an der Euro Akademie deine Ausbildung zu absolvieren?
„Das war tatsächlich ganz spontan. Ich habe mich schon immer sehr für Sprachen interessiert, und die Euro Akademie war tatsächlich die erste Schule, die angezeigt wurde, wenn man online nach einer Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in sucht. Daraufhin habe ich mich einfach spontan beworben. Außerdem hat meine Mutter mir die Ausbildung empfohlen, weil eine Freundin von ihr als Fremdsprachenkorrespondentin in Schweden arbeitet."
3. Wie bist du dazu gekommen, nach der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin Lehrerin zu werden?
„An der Euro Akademie gab es einmal einen Vortrag von einem ehemaligen Fremdsprachenkorrespondenten. Er hat damals die Möglichkeit vorgestellt, als Lehrkraft zu arbeiten, und das hat mich sofort angesprochen. Ich habe schon immer gerne mit Kindern gearbeitet, zum Beispiel als Schwimmlehrerin. Es erfüllt mich, Fremdsprachen nicht nur selbst anwenden zu können, sondern sie auch anderen Menschen zu vermitteln. Außerdem ist der Beruf sehr sozial – und genau das gefällt mir besonders daran.“
II. Ausbildung & Einfluss auf den Karriereweg
4. Inwiefern hat dich die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin auf deinen jetzigen Beruf als Ein-Fach-Fachlehrerin vorbereitet?
„Vor allem auf viele Alltagssituationen. Beispielsweise auf den Umgang mit alltäglichem Wortschatz oder darauf, wie man Texte strukturiert und bearbeitet. Genau solche Dinge begegnen einem auch im Schulalltag. Vieles aus der Ausbildung kann ich heute als Lehrerin direkt anwenden.“
5. Gab es bestimmte Kurse, Projekte oder Lehrkräfte, die dich besonders geprägt haben?
„Eigentlich alle. An der Euro Akademie herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Man konnte nach dem Unterricht noch bleiben und über alles sprechen, was einem auf dem Herzen lag. Auch im Unterricht selbst wurde einem alles sehr herzlich und persönlich vermittelt. Dieses familiäre Umfeld hat mich besonders geprägt.“
6. Welche Kompetenzen oder Soft Skills aus deiner Ausbildung helfen dir heute am meisten?
„Vor allem Spontanität. Dieses spontane Übersetzen aus dem Unterricht – zum Beispiel schnell zu überlegen: ‚Wie würde ich diesen Satz übersetzen?‘ – hilft mir heute enorm. Außerdem habe ich gelernt, geduldig mit mir selbst zu sein. Nicht alles klappt sofort beim ersten Versuch, und genau deshalb ist es wichtig, sich selbst Zeit zu geben.“
7. Wolltest du schon während deiner Ausbildung Lehrerin werden oder hat sich das erst später entwickelt?
„Der Wunsch entstand tatsächlich erst im zweiten Ausbildungsjahr – nach diesem Vortrag. Er fand im Sommer, kurz vor den Abschlussprüfungen, statt, und da wusste ich: Das möchte ich machen. Heute unterrichte ich an einer Grund- und Mittelschule. In der Grundschule betreue ich alle dritten und vierten Klassen, an der Mittelschule eine fünfte und eine sechste Klasse sowie eine Deutschklasse. Dort sprechen die Kinder anfangs überhaupt kein Deutsch, und trotzdem unterrichte ich Englisch. Das kann durchaus anspruchsvoll sein, weil es keine gemeinsame Referenzsprache gibt, aber es macht mir auch unglaublich viel Spaß.“
III. Herausforderungen & Erfolge
8. Was waren die größten Herausforderungen auf deinem Karriereweg und wie hast du diese gemeistert?
„Die größte Umstellung war für mich der Wechsel von einem eher gehobenen, erwachsenen Umfeld hin zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Kinder beschäftigen ganz andere Themen und Probleme, und auch sprachlich ist das natürlich eine enorme Veränderung. In der Ausbildung arbeitet man viel mit Handelskorrespondenz und Business-Englisch, während man sich im Unterricht mit Kindern an deren Sprachniveau und Alltag anpassen muss.
Die Schülerinnen und Schüler hatten oft erst ein oder zwei Jahre Englischunterricht oder manchmal sogar noch gar keinen. Deshalb kann man nicht mit kompliziertem Fachvokabular arbeiten. Man muss die eigenen Erwartungen anpassen, geduldig sein und sich auf das Lerntempo der Gruppe einstellen. Genau das habe ich mit der Zeit gelernt.“
IV. Rückblick & Tipps
9. Wenn du zurückblickst: Was würdest du deinem jüngeren Ich während der Ausbildung raten?
„Ich würde mir raten, geduldiger mit mir selbst zu sein und nicht zu erwarten, dass sofort alles perfekt klappt. Fehler zu machen gehört dazu. Außerdem würde ich mir sagen, dass man sich Hilfe holen darf und nicht alles alleine schaffen muss. Gerade der Austausch mit anderen ist unglaublich wertvoll, weil jede Person neue Ideen und Perspektiven mitbringt. Und vor allem würde ich mir sagen: Dranbleiben – denn die Ausbildung macht wirklich Spaß und eröffnet viele Türen.“
Übrigens: Hier kannst du auch das Interview mit dem ehemaligen Fremdsprachenkorrespondenten lesen, der Jule zu ihrem Karriereweg als Lehrerin inspiriert hat.
Das Interview führte Jill Semidei
Beitragsbild: Jule Roth