„Das Tagebuch der Anne Frank“ als eindrucksvolles Figurentheater
Am 13. Oktober 2026 besuchten insgesamt 70 Schüler*innen der Klassen der angehenden Erzieher*innen, Sozialassistent*innen sowie der Kinderpfleger*innen das Anhaltische Theater in Dessau. Auf dem Programm stand die Figurentheater-Adaption nach dem Tagebuch der Anne Frank in der Fassung von Cordula Jung.
Intensive Inszenierung
Die Schauspielerin und Puppenspielerin Nastasja Raböse präsentierte auf der Bühne einen Ausschnitt aus den Aufzeichnungen der Anne Frank. Mit großer Intensität interagierte sie nicht nur mit den Puppen, sondern bezog die gesamten Requisiten des Bühnenbilds dynamisch in ihr Spiel ein.
Durch ihr facettenreiches Spiel und ihre eigene Inszenierung verwandelte sie sich förmlich in ein Abbild der jungen Anne. Dabei gelang es ihr meisterhaft, die gesamte Palette der menschlichen Emotionen erlebbar zu machen. Angst, Beklemmung und Verzweiflung, aber auch Momente der Freude und Hoffnung, die Anne einst ihrem geliebten Tagebuch Kitty anvertraute, konnte Raböse den Zuschauer*innen hier näherbringen. Besonders beeindruckend war dabei Raböses müheloser Rollenwechsel auf der Bühne.
Zwischen Angst, Hoffnung und Verzweiflung
Das feinfühlig inszenierte Stück beleuchtete einen prägenden Ausschnitt aus Annes Leben. Es erzählte von den Umständen, die Familie Frank und vier weitere Mitbewohner*innen in das Versteck im Hinterhaus der väterlichen Fabrik zwangen. Eindrücklich wurde dargestellt, wie sich das Zusammenleben in dieser extremen Ausnahmesituation gestaltete. Zwischen alltäglichen Reibereien, der ständigen Furcht um das eigene Leben sowie der Angst um Freunde und Bekannte.
Doch das Stück zeigte auch die lichten Momente, wie Anne sich trotz der bedrückenden Lage zum ersten Mal verliebte, wie Hoffnung verloren ging und wieder neu geschöpft wurde. Im Zentrum stand der sehnlichste Wunsch aller Versteckten: „Dass dieser grauenhafte Krieg endlich ein Ende finden möge.” Immer wieder schwebten die existenziellen Fragen durch den Raum: „Wird es jemals wieder ein normales Leben geben?“ und „Wie könnte es nach dem Krieg aussehen?“
Erinnern und Verantwortung übernehmen
Den Figuren waren die Schwermut sowie der Unmut über den Terrorismus des Nationalsozialismus in jeder Minute anzumerken. Das Stück ist eine Mahnung für die Gegenwart. Die tragische Geschichte der Familie Frank berührt zutiefst. Sie führt uns einmal mehr vor Augen, wie unzählige Menschen, Frauen, Männer, Großeltern und Kinder der fanatischen Ideologie des Nationalsozialismus zum Opfer fielen.
Dieser dunkle Teil der deutschen Geschichte darf niemals in Vergessenheit geraten. Er muss uns stets daran erinnern, dass Kinder wie Margot, Peter, Anne und Millionen andere ihr ganzes Leben noch vor sich hatten und nicht erwachsen werden durften. Der Theaterbesuch regt nachhaltig zum Nachdenken an und lässt nur einen Schluss zu: Nie wieder ist jetzt!
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