Mitten ins Herz Irlands – eine Fremdsprachenkorrespondentin berichtet von ihrem Top-Up-Studium
Mein Name ist Oona-Mila, ich bin 22 Jahre alt und habe an der Euro Akademie Berlin die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin (August 2023 – Juli 2025) durchlaufen und danach die Chance ergriffen, das sogenannte Top-Up-Programm zu nutzen. Dieses ermöglicht es Absolventen und Absolventinnen wie mir, an einer ausländischen Partnerhochschule innerhalb eines akademischen Jahres einen Bachelorabschluss zu erhalten.
Ich entschied mich dafür, meinen Lebensmittelpunkt für diesen Karriereschritt nach Athlone, eine Stadt im Herzen von Irland, zu verlegen und schrieb mich dort an der Technological University of the Shannon (kurz: TUS) für den Studiengang „International Business Management“ ein. Derzeit befinde ich mich im zweiten Semester. Ziel des Top-Up-Programms ist es, an das während der Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin erworbene Wissen anzuknüpfen und dieses im Rahmen eines Bachelorstudiums weiter zu vertiefen.
Meine Wahl fiel bewusst auf Irland, da ich hier die Möglichkeit habe, meine Englischkenntnisse deutlich zu verbessern. Gleichzeitig motivierte mich der Gedanke, in einem anderen Land zu leben, in dessen Kultur einzutauchen und internationale Kontakte zu knüpfen. Irland bietet zudem durch die offene und freundliche Art der Menschen hervorragende Möglichkeiten, ein gutes soziales Netzwerk aufzubauen und auch berufliche Perspektiven aufgezeigt zu bekommen.
Die Module der TUS knüpfen sehr gut an die Inhalte der Ausbildung an der Euro Akademie an. Besonders die Wahlmodule „Economic Policy & Analysis“ sowie „Business English“ erweitern das in den beiden Ausbildungsjahren angeeignete Wissen und ergänzen es um irische und internationale Perspektiven. Im ersten Semester belegt man neben „Managerial Finance“ und den Wahlmodulen auch „Business Modelling & Enterprise“, in dem ein eigenes Produkt entwickelt und am Ende präsentiert wird. Im zweiten Semester wird dieses Modul durch „International Marketing“ ersetzt.
In den Modulen wird der Austausch unter den Studierenden angeregt, zum Beispiel durch Gruppenarbeiten, bei denen Präsentationen auf die Beine zu stellen sind. Vor den Prüfungen findet in jedem Semester eine sogenannte „Reading Week“ statt, die gezielt zum Lernen genutzt werden kann. Insgesamt gibt es pro Semester zwei Reading Weeks. Abgaben und Fristen werden in Irland etwas entspannter und flexibler gehandhabt als in Deutschland, was anfangs ungewohnt sein kann, wo „Deadlines“ zwingend einzuhalten sind.
An der TUS lernt man sehr viele Menschen verschiedener Nationalitäten kennen, was die Verbesserung der eigenen Englischkenntnisse zusätzlich fördert. Die Studierenden kommen unter anderem aus China, Indien, Frankreich und Italien. Das Englisch der Professorinnen und Professoren ist gut verständlich, sodass man dem Unterricht jederzeit problemlos folgen kann – die Lehrkräfte sind darüber hinaus jederzeit sehr hilfsbereit.
Die größte Herausforderung bei den Vorbereitungen auf das Auslandsjahr war die Wohnungssuche. Irland befindet sich derzeit in einer Wohnungskrise, was sich auch deutlich in den Mietpreisen widerspiegelt. In Athlone gibt es zwar mehrere Studentenwohnheime, doch sollte man auf den Zustand der Zimmer ganz besonders achten. Viele Studierende leben in untervermieteten Häusern oder mieten ein Zimmer bei einer irischen Familie. Bei größeren Problemen kann man sich jederzeit an die „Student‘s Union“ der TUS wenden, die unterstützend zur Seite steht.
Wichtig ist außerdem, sich bewusst zu machen, dass in Irland ein sehr feuchtes Klima herrscht, eine Regenjacke sollte man daher immer griffbereit haben. In Wohnungen ist Schimmel keine Seltenheit und kann bei mangelnder Belüftung leider schnell entstehen.
Das erste Semester der TUS war ziemlich anspruchsvoll, da der Stundenplan reichlich bestückt war und die letzten Seminare häufig erst um 18 Uhr endeten. Im zweiten Semester ist der Stundenplan jedoch deutlich entspannter, aktuell habe ich beispielsweise eine Vier-Tage-Woche, was längere Wochenendausflüge ermöglicht.
Besonders beeindruckend sind die Natur und Sehenswürdigkeiten Irlands. Von Küstenlandschaften bis hin zu weiten, grünen Wiesen bietet das Land eine große Vielfalt. Athlone ist dabei ein idealer Standort, da die Stadt praktisch exakt in der Mitte der Insel liegt und viele Orte von hier aus bequem mit Bus oder Bahn erreichbar sind. Zwar teilen Iren mit uns Deutschen die Leidenschaft fürs Autofahren, dennoch ist das öffentliche Verkehrsnetz sehr gut ausgebaut.
Die TUS bietet außerdem zahlreiche „Clubs“ und „Societies“ an. Clubs umfassen sportliche Aktivitäten wie Volleyball, Fußball und Tanzen, während in den Societies kulturelle und kreative Angebote wie Musik, Kunst oder Animation im Vordergrund stehen. Hier sollte man sich vor Ort gut informieren, da es insbesondere im ersten Semester vereinzelt zu Problemen bei der Anmeldung für bestimmte Societies gekommen ist.
Vor Beginn des ersten Semesters finden „Orientation Days“ statt, die sehr empfehlenswert sind, da man so zum frühestmöglichen Zeitpunkt seine Kommilitonen kennenlernt. Für internationale Studierende wurden im ersten Semester zudem kostengünstige Wochenendausflüge angeboten, beispielsweise zu den Cliffs of Moher, die einen tollen Blick auf den Atlantischen Ozean ermöglichen.
Insgesamt kann ich das Top-Up Programm in Athlone allen angehenden Fremdsprachenkorrespondentinnen und Fremdsprachenkorrespondenten nur wärmstens empfehlen. Die Wohnungssuche und der Umzug in ein fremdes Land sind zwar herausfordernd, doch die Erfahrungen und Erinnerungen, die man sammelt, und die Menschen, die man kennenlernt, sowie das Wissen, das man erwirbt, wiegen die Strapazen mehr als auf. Irland ist ein sehr offenes und freundliches Land, in dem man sich schnell wohlfühlt.
Text: Oona-Mila Kerwien (Absolventin der Klasse FSK 23 im Ausbildungsgang Fremdsprachenkorrespondent*in an der Euro Akademie Berlin)
Beitragsbild: Shutterstock/NayaDadara