Alumni im Gespräch: Interview mit Kerstin Schraps
Kerstin Schraps ist Absolventin der Euro Akademie Hohenstein-Ernstthal. Erfahrt im Interview unter anderem, wie ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin sie auf ihren jetzigen Beruf vorbereitet hat, und wie ihr Karriereweg nach dem erfolgreichen Abschluss aussah. Viel Spaß beim Lesen!
I. Einstieg & Werdegang
1. Könntest du dich bitte kurz vorstellen?
„Mein Name ist Kerstin Schraps und ich habe an der Euro Akademie Hohenstein-Ernstthal meine Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin 2022 erfolgreich abgeschlossen.”
2. Was hat dich damals dazu bewogen, an der Euro Akademie deine Ausbildung zu absolvieren?
„Ich habe ursprünglich den Beruf der Augenoptikerin gelernt, aber durch die Erziehung meiner fünf Kinder nur wenig in diesem Beruf gearbeitet. Danach war ich viele Jahre aus dem Beruf raus und habe nach einer neuen Aufgabe gesucht.
Eine Zeit lang habe ich an einer evangelischen Montessori-Schule in Erlbach-Kirchberg als Schulbegleiterin gearbeitet und gemerkt, dass mir diese Tätigkeit sehr viel Freude macht.
Leider konnte ich dort nicht weiterarbeiten, da nach zwei Jahren kein Integrativkind mehr nachkam. Also musste ich mich neu orientieren: Was mache ich jetzt?
Da ich unbedingt in diesem Bereich bleiben wollte, habe ich mich entschieden, die Ausbildung zur Erzieherin zu machen, um langfristig und abgesichert in diesem Beruf arbeiten zu können – denn dafür ist in der Regel eine entsprechende Ausbildung erforderlich.
Ich habe mich dann für die Euro Akademie entschieden, weil sie die nächstgelegene Schule von meinem Wohnort in Hohndorf war.“
3. Wie sah dein Karriereweg nach dem erfolgreichen Abschluss aus? Welche Stationen hast du durchlaufen?
„Von Karriere würde ich jetzt nicht unbedingt sprechen (lacht).
Ich habe mich zunächst in Oberlungwitz in einer Kita beworben, da ich ursprünglich in die Krippe gehen wollte. Dort war jedoch leider kein Platz frei.
Da ich nicht lange weitersuchen wollte, wurde mir die Arbeit in einem Jugendheim angeboten. Nach etwas Überlegen habe ich mich entschieden, es einfach auszuprobieren – und so bin ich in der Kinder- und Jugendhilfe gelandet.
Diese Arbeit macht mir sehr viel Freude, ist aber auch sehr herausfordernd und kräftezehrend.“
II. Studium & Einfluss auf den Karriereweg
4. Inwiefern hat deine Ausbildung dich auf deinen jetzigen Beruf vorbereitet?
„Die Ausbildung an der Euro Akademie legt zwar etwas mehr den Schwerpunkt auf den Kita-Bereich, greift aber auch die Jugendarbeit auf.
Daher gab es viele Inhalte, die für mich sehr wertvoll waren. Besonders die Sensibilisierung für psychische Erkrankungen wurde in mehreren Fächern intensiv behandelt. Auch die Einblicke in das Jugendschutzgesetz waren sehr hilfreich.
Insgesamt war es bereichernd, diese Themen bereits in der Ausbildung kennenzulernen.“
5. Gab es bestimmte Kurse, Projekte oder Lehrkräfte, die dich besonders geprägt haben?
„Die kreative Ausbildung hat mir sehr viel Freude gemacht – das hat wirklich Spaß gemacht.
In meiner aktuellen Einrichtung ist es inzwischen so geregelt, dass immer eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in den Ferien für einen Dienst eingeplant wird, in dem kreative Angebote mit den Kindern umgesetzt werden. So wird bewusst Zeit dafür geschaffen.
Im Alltag bleibt dafür leider wenig Raum, da viele organisatorische Aufgaben erledigt werden müssen. Deshalb nutzen wir besonders die Ferien, um kreative Projekte umzusetzen.“
6. Hattest du während deiner Ausbildung ein klares Berufsziel oder hat sich dieses erst später entwickelt?
„Eigentlich wollte ich in die Krippe gehen, aber die Umstände haben dazu geführt, dass ich in der Jugendarbeit gelandet bin.
Zunächst hatte ich etwas Sorge, dass ich dafür vielleicht schon zu alt bin und nicht mehr genau weiß, was Jugendliche heute interessiert. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr ganz up to date zu sein.
Das Schöne ist jedoch die Teamarbeit: Bei uns arbeiten ältere und jüngere Kolleginnen und Kollegen zusammen. Dadurch ergänzen wir uns sehr gut – die einen bringen Lebenserfahrung mit, die anderen aktuelles Wissen über Jugendthemen.
Das habe ich auch schon während der Ausbildung als sehr positiv erlebt. Dieses Miteinander zwischen verschiedenen Generationen war sehr bereichernd.“
III. Herausforderungen & Erfolge
7. Was waren die größten Herausforderungen auf deinem Karriereweg und wie hast du diese gemeistert?
„Es gab vieles, das ich mir direkt vor Ort erst aneignen musste – zum Beispiel Abläufe, die Zusammenarbeit mit Ämtern und dem Jugendamt. Das lernt man in der Theorie nur ansatzweise; wie es in der Praxis wirklich abläuft, erfährt man erst im Alltag.
Ich bin grundsätzlich jemand, der sagt: Was ich anfange, bringe ich auch zu Ende. Mein Tipp ist daher, einfach Schritt für Schritt voranzugehen.“
8. Gibt es ein besonderes Erfolgserlebnis oder einen Meilenstein, auf den du besonders stolz bist?
„Ich bin sehr stolz darauf, dass ich meine Ausbildung mit über 53 Jahren mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen habe – nachdem ich so lange nicht mehr auf der Schulbank gesessen habe.“
IV. Rückblick & Tipps für Studierende
9. Wenn du zurückblickst: Was würdest du deinem jüngeren Ich während der Ausbildung raten?
„Man kann viele Herausforderungen bewältigen, auch wenn man sich das vorher vielleicht nicht vorstellen kann. Es gibt immer einen Weg.“
10. Welche Tipps hast du für aktuelle Studierende und junge Absolvent*innen, die eine ähnliche Karriere anstreben?
„Mit Fleiß und Engagement dranbleiben und immer sein Bestes geben.“
Das Interview führte: Jill Semidei
Foto: Kerstin Schraps