KI im Sprachbereich: Warum menschliche Kompetenz unersetzbar bleibt
Künstliche Intelligenz ist längst ein fester Bestandteil unseres Alltags und gewinnt in unterschiedlichsten Bereichen zunehmend an Bedeutung. Sie wird eingesetzt, um Prozesse effizienter zu gestalten, Informationen schneller zu verarbeiten und Antworten auf verschiedenste Fragestellungen zu liefern. Doch welche Chancen bietet KI trotz aller berechtigten Risiken tatsächlich?
Gerade im Bereich der Fremdsprachen eröffnet künstliche Intelligenz viele neue Möglichkeiten. Sie kann Arbeitsabläufe erleichtern, Recherchen beschleunigen und die internationale Kommunikation unterstützen. Dennoch müssen angehende Fremdsprachenkorrespondent*innen keine Sorge haben, künftig durch KI ersetzt zu werden. Vielmehr wird die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie immer wichtiger.
Denn Sprache bedeutet weit mehr als reine Übersetzung: Kulturelles Verständnis, sprachliches Feingefühl, Kontextbewusstsein und zwischenmenschliche Kommunikation bleiben Fähigkeiten, die KI nicht vollständig ersetzen kann. Zukünftig wird es daher vor allem darum gehen, KI sinnvoll und professionell als unterstützendes Werkzeug einzusetzen, um im internationalen Kontext noch effizienter und erfolgreicher agieren zu können.
Daher haben wir ein Interview mit Marie-Yvonne Kugler, Schulleiterin der Euro Akademie Mainz, geführt, um darüber zu sprechen, wie sie die Entwicklungen in diesem Bereich bewertet und die Zukunft ihrer Absolvent*innen einschätzt.
Viel Spaß beim Lesen!
1. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz deiner Meinung nach aktuell im Bereich der internationalen Kommunikation?
„Eine sehr wichtige, da sie den Arbeitsalltag effizienter gestalten kann. Aber man muss immer prüfen, ob die Antworten keine trojanischen Pferde sind. Die Ergebnisse der KI wirken oft vielversprechend und nutzbar. Geht man aber tiefer, stellt man oft fest, dass die von der KI genutzten Quellen veraltet oder einfach falsch sind. Sowas möchte und kann man nicht als fertiges Arbeitsergebnis verwenden. Hier lernen unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen, wie sie KI als Arbeitsmittel effektiv nutzen können.“
2. Warum müssen angehende Fremdsprachenkorrespondent*innen deiner Meinung nach auch in Zukunft keine Sorge haben, keinen Job zu finden?
„Internationale Unternehmen und Institutionen entscheiden sich weiterhin für Fremdsprachenkorrespondent*innen, weil sie der Allrounder für verschiedene Kulturen und Sprachen mit wirtschaftlichem Bezug sind. Sie verstehen es, komplexe und intensive Sprachsituationen, die auch mal spontan auftreten könne, zu meistern. Wenn zum Beispiel ein neuer Großkunde in Spanien in Aussicht ist und er möchte einen Pitch in zwei Tagen digital sehen, dann sind die Fremdsprachenkorrespondent*innen die ideale Besetzung dafür. Sie sind in der Lage, sich zeitnah alle Informationen zu beschaffen, die für den Pitch wichtig sind, können dies in Spanisch aufbereiten und die Präsentation digital vor dem Kunden halten. Sowas kann die KI nicht. Unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen können aber die KI nutzen, um den Pitch professionell zu gestalten. Das war nur ein Beispiel von vielen.“
3. Was ist aus deinen Absolvent*innen geworden? Welche Jobs haben sie nach der Ausbildung bekommen?
„Unsere Absolvent*innen sind bei ganz unterschiedlichen Unternehmen tätig. Sie waren für große Modellabels in London im Vertrieb tätig. Wurden beim Auswärtigem Amt angestellt. Arbeiten für den größten Freizeitpark Europas im internationalen Tourismusbereich. Auch Wirtschafts- und Großkanzleien in Frankfurt am Main stellen unsere Absolvent*innen ein.“
4. Warum bleibt der Beruf der Fremdsprachenkorrespondent*innen trotz technologischer Entwicklungen weiterhin relevant?
„Weil Fremdsprachenkorrespondent*innen Menschen sind. 😊 Die KI übersetzt Worte, aber unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen verstehen den kulturellen Hintergrund. Internationale Kund*innen und Arbeitgeber erwarten Sensibilität für landestypische Umgangsformen, Mentalitäten und feine Zwischentöne, die der KI oft entgehen oder sie versteht sie nicht oder falsch. Auch zum Thema Datenschutz und KI werden unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen geschult. Interne Daten von Unternehmen, Vertragsentwürfe oder Unternehmensstrategien dürfen nicht bedenkenlos in öffentlich zugängliche KI-Tools eingegeben werden. Unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen verstehen die notwendige Diskretion und IT-Sicherheit. Und sie erfassen nicht nur Texte, sondern sie bewerten anhand kaufmännischer Kenntnisse den Inhalt. Zum Beispiel bei Lieferscheinen, Verträgen oder Zolldokumenten ist sicheres wirtschaftliches Wissen nötig. Die KI interpretiert diese Informationen, ohne menschliche Kontrolle, leicht falsch. Und der Beruf bedeutet nicht Übersetzen. Fremdsprachenkorrespondent*innen verfassen eigenständige Texte, führen internationale Telefonate und Meetings und bereiten internationale Messen oder Konferenzen vor.“
5. Welche Fähigkeiten haben sprachtalentierte Menschen, die dieses Talent für den Beruf nutzen möchten und die die KI nicht vollständig ersetzen kann?
„Diese Menschen besitzen häufig, zu ihrer Sprachausbildung, ein ausgeprägtes, kreatives Denken. Sie haben ein verstärktes Interesse daran, die Kommunikation am Laufen zu halten, z. B. zum Erreichen von Zielen. Genauso sind sie für abwechslungsreiche und neue Herausforderungen zu begeistern, z. B. im Projektmanagement. Das sind Fähigkeiten, die von Arbeitgebern weiterhin mehr als geschätzt werden und die die KI nicht ersetzen kann.“
6. Wo siehst du mögliche Risiken oder Herausforderungen beim Einsatz von KI in Sprachberufen?
„Da möchte ich kurz noch einmal das trojanische Pferd in Erinnerung rufen. KI wirkt wie ein großes Geschenk und innen lauert die Gefahr. Es ist falsch zu sagen, dass die KI die Sprachberufe abschaffen wird. Die Ergebnisse sind oft nicht korrekt, ungenau oder fachlich zu flach. Hier sind Personen gewarnt, die sich ausschließlich auf die KI verlassen. Denn diese Arbeitsergebnisse möchte niemand einer fachlich versierten Person oder einem Kunden präsentieren. Wir nutzten Hammer und Meißel, Schreibmaschine, elektrische Schreibmaschine, heute Computer, Tablets, Notebooks, Smartphones und Apps. Die KI ist wieder ein Tool, dass den Arbeitsalltag erleichtert und effizienter gestalten kann. Man muss aber wissen, wie man sie nutzt. Und hier werden unsere Fremdsprachenkorrespondent*innen entsprechend ausgebildet.
7. Welche Bedeutung haben kulturelles Verständnis und zwischenmenschliche Kommunikation in einer zunehmend digitalen Welt?
„Der Mensch kann allein nicht existieren. Vielfalt bedeutet, meiner Meinung nach, Bereicherung und Weiterentwicklung. Daher sind Menschen mit kulturellem Verständnis, Empathie und zwischenmenschliche Kommunikation unabdingbar, um eine digitale nachhaltige Welt zu gestalten und weiterzuentwickeln.“
8. Wie begleitet die Euro Akademie Mainz Absolvent*innen praxisnah und individuell auf ihrem Karriereweg? Welche Auslandsoptionen sind möglich?
„An der Euro Akademie Mainz führen wir für alle Ausbildungsjahrgänge einmal im Jahr eine Career Week durch. Hier steht alles unter dem Stern Karriere. Die Schüler*innen besuchen Firmen und Unternehmen, die Fremdsprachenkorrespondent*innen einstellen, und stellen sich vor. In den Fremdsprachen werden die Dos and Don’ts im internationalen Bewerbungsmanagement vermittelt.
Auslandsmöglichkeiten bieten wir unseren Schüler*innen durch das Erasmus+ Programm. Hier sind wir akkreditiert und bieten die Möglichkeit an, durch bezuschusste Auslandsaufenthalte das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Dadurch lernen die Fremdsprachenkorrespondent*innen nicht nur in der Praxis, sondern der Auslandsaufenthalt schafft auch neue Perspektiven bei den Schülerinnen und Schülern. Das Programm bestärkt noch einmal, wie man Fremdsprache und Berufliches miteinander verbinden kann.“
Du hast ebenfalls ein Talent für Sprachen? Auf was wartest du noch! Bewirb dich jetzt für die Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in an der Euro Akademie Mainz! Wir freuen uns auf dich.
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