24/7 vor dem Bildschirm: Was macht das so mit uns?

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Morgens kurz vor 8 Uhr in Deutschland: Computer an, los geht es mit der Arbeit und dem Homeschooling. Zwischen 12 und 13 Uhr Mittagspause, danach wieder vor den Bildschirm. Gemeinsam Lernen, Freund*innen treffen, in Videokonferenzen sitzen, Musikunterricht online, abends eine Runde Skribbl mit der besten Freundin. Aber was macht diese ständige Bildschirmschau eigentlich mit uns?

Noch vor einigen Jahren war man sich einig: Wer zu viel vor der Glotze sitzt, bekommt viereckige Augen oder ist ein schräger Nerd – zumindest waren das die Sprüche, die man sich anhören musste, saß man täglich längere Zeit am Tag am PC. Heute ist der Bildschirm zum ständigen Begleiter in Beruf, Schule und Freizeit geworden – Corona macht’s möglich.

Morgens, mittags, abends online – beruflich und privat

Es gibt zwei Dimensionen der ständigen Bildschirmschauerei: die berufliche und die private. Beruflich lässt es sich momentan kaum vermeiden, statt der Treffen im Konferenzraum, bei denen man seinen Kolleg*innen direkt in die Augen schauen konnte, den Blick durch den Raum schweifen ließ, sitzt man wie festgetackert vor dem Bildschirm, die permanente Selbstbespiegelung vor der Nase. Inzwischen gibt es viel mehr solcher geschäftlichen Besprechungen, die einerseits Kolleg*innen aus verschiedenen Abteilungen und Standorten zusammenbringen, andererseits massig Arbeitszeit kosten.

Denn oft sind Besprechungen lange nicht so ergiebig, wie erhofft. Da aber jede*r auch im Privaten schon an Defizit an Kontakten hat, ist Mann und Frau doch schnell bereit, sich zu einem Meeting vor dem Bildschirm zu treffen. Dabei sind Videokonferenzen wesentlich anstrengender als reale Meetings. „Zoom Exhaustion and Fatigue“ nennt Jeffrey Hancock, Professor für Kommunikationswissenschaft der Stanford University, das Phänomen, Erschöpfung und Müdigkeit durch Videokonferenzen. Er befragte mehr als 10.000 Teilnehmende an Videokonferenzen und fand heraus, dass virtuelle Meetings als viel anstrengender wahrgenommen werden als persönliche Treffen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag „Das bin doch ich!“ auf sueddeutsche.de. Außerdem ist die Videokonferenz durch die eingeschränkte Perspektive, die man vor dem Bildschirm hat, wohl wesentlich anstrengender für das Gehirn und besonders Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie sich auf dem Bildschirm die ganze Zeit selbst sehen.

Ab 4,5 Stunden wird Sitzen problematisch

„12.000 bis 33.000 Kopf- und Blickbewegungen und 4.000 bis 17.000 Pupillenreaktionen in acht Stunden – unsere Augen leisten tagtäglich Schwerstarbeit“, ist in dem Beitrag „Bildschirmarbeit: Belastung für die Augen“ auf netdoktor.at zu lesen. Die meisten von uns kommen mit den ganzen Online-Aktivitäten in der Freizeit sicher auf wesentlich mehr Stunden. „Sitzen wir jeden Tag zu lange, schadet das unserer Gesundheit: Eine entscheidende Grenze sind 4,5 Stunden. Ab diesem Zeitmarker können wir gesundheitliche Schäden, die wir über den Tag durch das lange Sitzen angesammelt haben, nicht mehr nachträglich durch Bewegung ausgleichen”, sagt Sportwissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln“, im Beitrag „Sitzen: Ab 4,5 Stunden am Tag wird es kritisch“ auf deutschlandfunknova.de.

Aber was tun, wenn man einen Arbeitstag mit mindestens 8 Stunden hat? Auf keinen Fall die ganze Zeit starr auf dem Schreibtischstuhl sitzen. Kurze aber regelmäßige Bewegungspausen einbauen – nach jeder Stunde konzentrierter Arbeit mindestens 5-10 Minuten weg vom Bildschirm, sich einmal strecken, eine Treppe gehen, eine Runde ums Haus drehen.

Freund*innen online treffen? Das geht auch anders.

Das gilt natürlich umso mehr für die freie Zeit, die man ja selbst gestalten kann. „Besser als nix“, denken sich viele, wenn sie Kontakte momentan fast nur noch online pflegen – was ihre Bildschirmzeit immer weiter nach oben treibt. Kopfschmerzen und Rückenschmerzen gesellen sich dann gerne zu brennenden und tränenden Augen. Also schnappen Sie sich beim nächsten Mal lieber ihr Telefon mit Headset und machen mit Ihrer Freundin an der Strippe einfach einen ausgedehnten Spaziergang. Oder Sie treffen sich mit Freund*innen, die in Ihrer Nähe wohnen – unter Einhaltung der Abstandsregeln – einfach regelmäßig auf einen Spaziergang im nahegelegenen Wald und machen ein schönes Picknick.

Spannend wird es auch, wenn die Einschränkungen – hoffentlich im Sommer – durch den Impffortschritt allmählich aufgehoben werden. Werden wir dann die Uhr wieder zurückdrehen und vielleicht sogar weniger vor dem Bildschirm sitzen als vor Corona? Oder haben sich viele von uns bereits so sehr an die Online-Aktivitäten gewöhnt, dass wir auch dann Vieles vom PC aus tun?

Sie suchen einen Beruf, bei dem Sie nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen? Als Erzieher*in, Pflegefachmann*frau oder Physiotherapeut*in sind Sie immer in Bewegung.

Bildquelle Beitragsbild: © Golubovy /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.