Besonders für sprachbegabte Menschen werfen die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz spannende Fragen auf: Habe ich als Übersetzer*in, Dolmetscher*in oder Fremdsprachenkorrespondent*in noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Oder wird mich die KI bald im Schreiben und Übersetzen von Texten ersetzen? Ist es dann überhaupt sinnvoll, eine Ausbildung in diesen Bereichen zu machen?
Wir zeigen dir, warum du als Mensch mit Sprachtalent auch in Zeiten von KI weiterhin gefragt bleibst und warum eine Ausbildung als Übersetzer*in, Dolmetscher*in oder Fremdsprachenkorrespondent*in sich für dich lohnt. Schließlich förderst du damit nicht nur deine berufliche Karriere, sondern tust dir auch persönlich etwas Gutes. Du verbesserst deine Kommunikationsfähigkeiten und hältst dein Gehirn fit – Studien haben sogar gezeigt, dass Mehrsprachigkeit Alterungsprozesse verlangsamen und Demenz vorbeugen kann.
Während wir bereits die Berufsfelder Diplomatie, Recht und Wirtschaft sowie den Lehrberuf beleuchtet haben, wollen wir dir heute weitere Branchen vorstellen, in denen du mit Sprache arbeiten kannst: die Film- und Gamingbranche sowie Marketing und Content Creation. In diesen Bereichen kannst du viele Fähigkeiten einsetzen, die nur du als Mensch besitzt: Empathie, ein Gespür für Zwischentöne, interkulturelle Kompetenz sowie Humor und Ironie.
Film und Fernsehen: Gefühle, Humor, Barrierefreiheit
Ohne Übersetzung wäre uns die Kunst und Kultur anderer Länder nicht zugänglich. Wie viel ärmer wären etwa unsere Fernsehabende ohne englische Serien wie „Sherlock“, japanische Animes wie die Ghibli-Filme oder französische Komödien wie „Willkommen bei den Sch’tis“? Nicht nur Filme und Serien, sondern auch Werbeclips und Dokumentation werden international ausgestrahlt und müssen entsprechend übersetzt werden.
Während in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Italien, Frankreich und Spanien hauptsächlich synchronisiert wird, sind in Nordeuropa, Großbritannien, den USA und Kanada vorwiegend Untertitel üblich. Beide Formen erfordern zum Teil unterschiedliche Aspekte: Während es bei der Synchronisation wichtig ist, dass der Text zu den Lippenbewegungen der Schauspieler*innen passt, kommt es bei Untertiteln unter anderem darauf an, dass diese nicht zu lang sind und in passenden „Textportionen“ auf dem Bildschirm erscheinen.
Sofern das Drehbuch nicht ebenfalls bereits übersetzt wurde, muss ein Film zunächst transkribiert werden, das heißt, die mündliche Rede muss in schriftlichen Text übertragen werden. Mittlerweile gibt es einige KI-Programme, die eine Sprache-zu-Text-Funktion haben und die Transkription dadurch beschleunigen können. Allerdings bleibt ein*e menschliche*r Übersetzer*in auch dann unverzichtbar, denn bei der Filmübersetzung kommt es auf mehr als Worte an: Die Interpretation von Mimik und Gestik spielt eine zentrale Rolle für die richtige Wirkung eines Films. Schon feinste Gefühlsnuancen, die von der KI nicht bemerkt werden, können den ganzen Eindruck einer Geschichte verändern. Wir Menschen bleiben die Expert*innen für Gefühle.
Anders als die KI können wir zwischen den Zeilen und im Ungesagten lesen. Aufgrund unserer Lebenserfahrungen verstehen wir Anspielungen, zum Beispiel auf andere Filme, Bücher oder kulturelle Phänomene. Wie es die erfahrene Übersetzerin Caroline Elias so treffend formuliert: „Wir Menschen indes kennen das sprachliche und historische Hinterland der Begriffe, wir haben Assoziationstalent, die Maschine nicht.“ Dieses Talent hilft uns auch beim Übertragen von Wortspielen, wie sie etwa in vielen Filmtiteln vorkommen, und natürlich bei Witzen – gerade hier sind dann die Kreativität und das kulturelle Gespür eines Menschen gefragt.
Auch die Audiodeskription ist eine Aufgabe, bei der menschliche Kreativität und Einfühlungsvermögen gebraucht werden. Dabei werden visuelle Inhalte in einen Text übertragen, der dann von einem*r Sprecher*in vorgelesen wird, um Filme auch für blinde und sehbehinderte Menschen erlebbar zu machen. Interessant zu wissen: Audiodeskription ist eine Form der intermedialen Übersetzung, also der Übertragung von einem Medium (Bilder) in ein anderes (Text). Audiodeskription dient der barrierefreien Kommunikation, ebenso wie Untertitel für hörbeeinträchtigte und gehörlose Menschen, bei denen zusätzlich zum gesprochenen Text auch Geräusche und Musik beschrieben werden – das heißt, auch hier geht es um mehr als Worte.
Videospiele und Software: Freude an Technik und Lokalisierung
Über das reine Übertragen von Sprache hinaus geht auch die Tätigkeit von Software-Lokalisierer*innen. Diese Menschen passen eine Software, ein Computerprogramm oder eine Website so an eine Kultur an, dass sich für die Zielgruppe ein natürliches Nutzungserlebnis ergibt. Lokalisierung beinhaltet also neben der Übersetzung von Texten unter anderem auch Änderungen von Layout und Design, Software-Engineering, Projektmanagement und Qualitätssicherung. Diese Vielseitigkeit macht dieses Berufsfeld besonders für technikaffine Menschen interessant.
Wenn du dich ohnehin für Software und Videospiele begeisterst, bringst du vermutlich schon eine gewisse Freude an Technik mit. Genau diese Technikaffinität dient dir auch als Übersetzer*in im Umgang mit KI – wenn du die technischen Feinheiten verstehst, kann ihre Nutzung viel Spaß machen. Tatsächlich arbeiten Übersetzer*innen schon seit Jahrzehnten eng mit Technik, wie etwa CAT-Tools (Computer Aided Translation), die zum Beispiel Termdatenbanken mit Fachvokabular beinhalten. Dadurch sind gerade die menschlichen Übersetzer*innen diejenigen, die aufgrund ihrer Erfahrung darüber entscheiden sollten, wo welche Technologie oder welches Tool am sinnvollsten eingesetzt werden kann – davon ist Simone Scharrer, Leiterin der Würzburger Dolmetscherschule, überzeugt.
Besonders beim Lokalisieren von Videospielen und Games kommt zudem auch wieder die menschliche Fähigkeit für interkulturelle Kompetenz zum Tragen. Um das Nutzungserlebnis so natürlich wie möglich zu gestalten, ist es wichtig, über Gepflogenheiten und Konventionen der Zielkultur Bescheid zu wissen – auch, weil beim Lokalisieren neben der Sprache noch zahlreiche weitere Gestaltungselemente wie zum Beispiel Maßeinheiten und Zahlenangaben oder Textgröße und Silbentrennung zu berücksichtigen sind.
Schließlich helfen Übersetzer*innen dabei, den wichtigsten Erfolgsfaktor von Games sicherzustellen: die Immersion, also das Eintauchen in die Spielewelt. Denn, wie Lea Valder von ACT Translations ausführt: „Erfolgreiche Games punkten mit State-of-the-Art-Grafik, tollem Sound, fehlerfreier Programmierung – und immer öfter mit großartigen Geschichten. Das Storytelling leidet aber, wenn eine schlechte Übersetzung zur Verfügung steht.“ Wenn du also ein Gespür für Technik und den kreativen Geist eines Geschichtenerzählers vereinst, bist du als Übersetzer*in und Lokalisierer*in in der Gamingwelt gut aufgehoben.
Marketing und Content Creation: Texte neu erschaffen
Wie in diesem Artikel immer wieder angedeutet wurde: Übersetzer*innen übertragen Texte nicht einfach nur Wort für Wort, sondern sie schreiben sie nicht selten neu. Das gilt besonders in der Kunst- und Medienwelt, doch ebenso auch im Marketing. Gerade dort muss man oft „eine riesige Kulturbrücke überwinden“, wie Simone Scharrer betont, und wird dadurch vom Übersetzer zum „Transkreator“: Man kreiert Texte neu, damit sie in der Zielkultur die gewünschte Wirkung erzielen.
Dazu muss man die Zielgruppe einordnen und verstehen können – eine Fähigkeit, die vor allem für diejenigen entscheidend ist, die in der Content Creation und im Social Media Management arbeiten wollen. Welche kreativen Kompetenzen diese Berufsfelder noch beinhalten, die du auch als Übersetzer*in erlernst, haben wir in diesem Artikel skizziert. Die Besonderheiten der Werbesprache sind auch Teil der Ausbildung zum*r Übersetzer*in und Dolmetscher*in an der Euro Akademie. Ein Gespür für Humor ist dabei ebenfalls gefragt, wie die Studierenden der Euro Akademie Bamberg beweisen.
Das Einordnen von Zielgruppen, das Gespür für Zwischentöne und sprachliche Nuancen, die interkulturelle Kompetenz, die Kreativität, die Sorgfalt und die Recherchefähigkeit – all diese Qualifikationen, die du in einer Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in oder Übersetzer*in und Dolmetscher*in bei uns an der Euro Akademie vertiefst, sind genau das, was du brauchst, um im Marketing arbeiten zu können.
Das gilt selbst für Jobs, in denen es nicht primär um das Übertragen von Texten von einer Sprache in die andere geht. Auch wenn du vorwiegend in einer Sprache arbeitest, kommen dir all die genannten Fähigkeiten zugute – so erlebt es etwa die Autorin dieses Artikels, die nach dem Übersetzungsstudium in einer Marketingagentur gelandet ist und dort nun als Redakteurin arbeitet. Ihre Erfahrung zeigt: Es lohnt sich immer, das eigene Sprachtalent zu fördern, denn das ermöglicht dir vielfältige berufliche Chancen.
Erweitere auch du deine Karrieremöglichkeiten mit einer Ausbildung an der Euro Akademie im Bereich Fremdsprachen & Internationales.
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