Stell dir vor, du könntest dein kaputtes Handy direkt zuhause reparieren, anstatt gleich ein neues kaufen zu müssen. Stell dir vor, du könntest deinen Kleiderschrank und dein Bücherregal immer wieder mit neuen Stücken füllen, indem du tauschst und mietest. Stell dir vor, die angesagtesten Taschen und Rucksäcke würden aus alten LKW-Planen oder weggeworfenen Fischernetzen bestehen.
All das sind Beispiele für „Circular Economy“, ein Wirtschaftsmodell, das für einen nachhaltigen Konsum sorgt.
Die Schattenseiten unseres Konsums
Überall können wir Anzeichen für Klimawandel, Artensterben, Lebensraumverlust und Umweltverschmutzung beobachten. Es ist heutzutage nicht mehr zu leugnen, dass sich unsere konsumorientierte Lebensweise und unser übermäßiger Ressourcenverbrauch eklatant auf Natur und Umwelt auswirken. Deutschland spielt hierbei eine besonders große Rolle: So „haben wir 2018 rund 13 % mehr Ressourcen verbraucht als der EU-Durchschnitt, global gesehen waren es 2019 sogar 30 % mehr.“ [S. 19] Aktuell liegt in Deutschland der jährliche CO2-Fußabdruck pro Kopf bei 10,4 Tonnen CO2-Äquivalenten und der durchschnittliche Naturverbrauch bei 4,7 gha. Die Abkürzung gha steht für „globale Hektar“, also die biologisch produktive Fläche, die benötigt wird, um alles herzustellen, was eine Person konsumiert.
Der Architekt Thomas Rau und die Unternehmerin Sabine Oberhuber, Vordenker der Circular Economy, bringen es in ihrem Buch Material Matters auf den Punkt: „Die großen globalen Herausforderungen hängen mit unserem Wirtschaftssystem zusammen, das angeblich komplex, aber in Wahrheit unglaublich simpel organisiert ist, nämlich linear. Wir kennen immer nur eine Richtung: Rohstoffe gewinnen, gebrauchen und schließlich wegwerfen.“ [S. 15] Rau und Oberhuber weisen außerdem darauf hin, dass unser „Wirtschaftssystem ein Spiegel unseres Bewusstseins und des diesem zugrunde liegenden Weltbildes ist.“ [S. 19] Das heißt, der Klimawandel erfordert einen Bewusstseinswandel. Um die Welt zu verändern, müssen wir zuerst unser Mindset ändern.
Was Circular Economy bedeutet
Die „Circular Economy“ (CE) bietet uns ein neues wirtschaftliches Mindset. Die wörtliche Übersetzung lautet zwar „Kreislaufwirtschaft“, doch es ist mehr gemeint als herkömmliche Recyclingmodelle, in denen der ursprüngliche Wert eines Materials oft nicht erhalten bleibt. Der Grundgedanke der Circular Economy nach Rau und Oberhuber lautet, „dass jedes Gebäude und jedes Produkt ein Materialdepot ist, also ein Rohstoffvorrat für die Zukunft.“ [S. 12] Die internationale Naturschutzorganisation WWF definiert das ganzheitliche Prinzip der CE in ihrer Broschüre zum „Modell Deutschland Circular Economy“ so: „Sie bedenkt bereits die Rohstofferzeugung, überlegt das Produktdesign und reicht vom sorgsamen, intensiven und langlebigen Gebrauch bis hin zur Rückführung der Materialien am Nutzungsende des Produkts.“ [S. 22]
Nachhaltige Verantwortung
Ein weiteres wesentliches Merkmal der Circular Economy ist, dass die Hersteller*innen weiterhin die Verantwortung für ihre Produkte tragen. In unserem gewohnten Wirtschaftssystem wälzen die Produzent*innen die Verantwortung auf die Konsument*innen ab und schieben ihnen so Entscheidungen zu, die diese gar nicht sinnvoll treffen können. Diese Überforderung führt meist dazu, dass wir Dinge wegwerfen, anstatt sie zu reparieren oder zu recyclen, weil uns Möglichkeiten und Wissen fehlen. So verkürzt sich die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten unnötig – ein Phänomen, das auch als „geplante Obsoleszenz“ bekannt ist. Dadurch wird wiederum die Umwelt erheblich belastet: nicht nur durch den anfallenden Müll, sondern auch, weil immer wieder neue Ressourcen abgebaut werden müssen.
Die Circular Economy bietet dazu ein Gegenmodell, wie Rau und Oberhuber in Material Matters schreiben: „Ein System, in dem Produzenten verantwortlich für ihre Produkte bleiben, verbindet etwas, das im Sinne des Planeten verbunden gehört: die Macht zur Gestaltung des Produkts zum einen und die Verantwortung für das Material zum anderen. […] Wenn [die Hersteller] für den weiteren Lebensweg der Rohstoffe [verantwortlich blieben], dann würden und müssten sie sich überlegen, wie sie mit ihrer Verantwortung umgehen können.“ [S. 17] In so einem System würden wir nicht die Dinge an sich kaufen, sondern nur das Nutzungsrecht an ihnen. Die Hersteller*innen blieben verantwortlich für die nachhaltige Nutzung und Wiederverwendung ihrer Produkte.
Positive Effekte der Circular Economy
Eine flächendeckende Umsetzung der Circular Economy hätte viele positive Auswirkungen. In dem vom WWF für Deutschland entworfenen Modell [S. 15] könnten bis 2045 die globalen Treibhausgasemissionen um 26 % reduziert, der industrielle Energiebedarf um 17 % gesenkt und Stromknappheiten vermieden werden. Auf der anderen Seite gäbe es einen hohen sozialen Nutzen, denn der Arbeitskräftebedarf in der Produktion von Sekundärrohstoffen könnte um 23 % steigen. Auch die EU geht davon aus, dass eine Circular Economy 700.000 neue Jobs bis 2030 schaffen könnte.
So profitieren also nicht nur die Natur, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft von einem ökologischen Bewusstseinswandel.
Dein nachhaltiger Beitrag mit einer Ausbildung an der Euro Akademie
Die Herausforderungen der ökologischen Krise mögen zuweilen überwältigend scheinen, doch jeder und jede einzelne von uns kann etwas tun. Jeder kleine Schritt ist bedeutsam – ob du Kleidung Second-Hand kaufst, Car-Sharing nutzt, an Repair-Cafés teilnimmst oder dein Essen in Mehrwegbehältern transportierst. All das sind kreative Lösungen, die einen Unterschied im großen Ganzen machen.
Mit einer Ausbildung an der Euro Akademie kannst auch du deine immateriellen Ressourcen ausbauen und wertvolle Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Zum Beispiel bei der Ausbildung zum*zur International Administration Manager*in an der Euro Akademie Oldenburg. Dort lernst du nicht nur, wie du Ressourcen im Büroalltag effizient und umweltschonend einsetzt oder wie du durch digitale Zusammenarbeit Emissionen einsparst, sondern auch, wie du im internationalen Kontext professionell über Nachhaltigkeitsthemen kommunizieren kannst.
Wenn du noch einen drauflegen willst, kannst du außerdem die berufsbegleitende Fortbildung in Klima- und Umweltschutzmanagement an der Euro Akademie Hohenstein-Ernstthal absolvieren, die sogar als „Klimaschule“ ausgezeichnet ist. Die Fortbildung vermittelt dir unter anderem Grundlagen in Umwelttechnik, Umweltpolitik, Umweltrecht und Konfliktmanagement.
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Beitragsbild: Shutterstock/Sansoen Saengsakaorat
