Dürfen Kinder raufen? Ja – aber fair!

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Kinder haben einen unbändigen Bewegungsdrang und sehr viel Energie. Das Kräftemessen gehört zum spielerischen Alltag – besonders Jungs sind immer wieder aufs Raufen aus. Damit es fair zugeht und die kleinen Kämpfe nicht in Verletzungen enden, brauchen die Kinder klare Regeln. 

Überschüssige Energie kann zu Aggressionen führen, die in sozial verträgliche Bahnen gelenkt werden muss. Das stellt Erzieher und Eltern im Alltag mit dem Nachwuchs immer wieder vor Herausforderungen. Dabei kann das faire Raufen durchaus positive Effekte auf die Kinder haben. Es dient der Gewaltprävention, fördert die motorischen Fähigkeiten und lehrt einen respektvollen Umgang miteinander.

Raufen – fair und respektvoll

In Kindergärten werden immer häufiger begleitete „Raufstunden“ angeboten. In diesen Stunden lernen die Kinder einen fairen Umgang miteinander beim spielerischen Kräftemessen. Hier werden keine Kampftechniken vermittelt, sondern Spiele angeboten, die überschüssige Energie abbauen und damit letztendlich auch Aggressionen verringern. Die Spiele orientieren sich am Alter und der Entwicklung der Kinder und sind immer absolut gewaltfrei.

Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter erfahren die Welt zum großen Teil über sinnlich-erfahrbare Eindrücke. Diese sind unabhängig von der Sprache und der Kultur, aus der ein Kind kommt. Das faire Raufen bietet einen sicheren Rahmen, in dem die Kinder ihrem Drang nach dem Messen ihrer Kräfte nachgehen dürfen. Durch dieses Training lernen die Kinder auch im Alltag besser mit Konfliktsituationen umzugehen. Dabei steht der Respekt vor dem anderen immer an erster Stelle.

Vorbereitung und Regeln

Vor Einführung der „Raufstunden“ sollte sich das pädagogische Team des Kindergartens aktiv mit der Thematik auseinandersetzen – auch körperlich. Es ist notwendig, dass Erzieher und Lehrer die Übungen einer solchen Stunde vorher einmal selbst ausprobieren, um die Wirkung einschätzen zu können.

Auch ein Elternabend zum Thema „Raufen nach Regeln“ ist im Vorfeld sinnvoll, damit die Erziehungsberechtigten wissen, welche Inhalte eine solche Stunde hat und wie Aggressionen in positive Energie umgewandelt werden können.

Regeln für faires Raufen

  • Kinder, die miteinander Raufen, sind niemals Gegner, sondern immer Partner.
  • Schimpfwörter sind tabu.
  • Keiner tut dem anderen weh.
  • Das Verbeugen vor dem spielerischen Kräftemessen, der Blickkontakt zum Partner und das  Händeschütteln zeigen Respekt und sind ein wertvolles Ritual.
  • Keiner wird zur Teilnahme an einem Spiel gezwungen. Die Berührung findet ausschließlich an Schultern, Armen, Händen, Beinen und Füßen statt. Beißen und Schlagen ist verboten.
  • Das Spiel kann jederzeit durch ein Kind abgebrochen werden. Kinder lernen so, eigene Grenzen aufzuzeigen.
  • Alle Kinder passen auf, dass niemand verletzt wird. Sie tragen gemeinsam die Verantwortung.
  • Die Kinder zeigen Wertschätzung und Respekt dem anderen und sich selbst gegenüber –beispielsweise durch Lob für Mut, Geschicklichkeit oder Fairness.

Was bringt eine „Raufstunde“ und wie läuft sie ab?

Die Kinder lernen sich selbst und die anderen besser einzuschätzen. Sie sammeln Erfahrungen in Sachen Kraft, Beweglichkeit und Reaktionsvermögen. Die Wahrnehmung für den anderen und die gemeinsame Verantwortung für eine Sache werden geschult. Die Haltung verbessert sich. Das Raufen nach Regeln ist ein respektvolles und freundschaftliches Kräftemessen, dessen Regeln mit der Zeit gut in den Alltag integriert werden können.

Raufen ohne Körperkontakt ist nicht möglich. Dafür braucht es Vertrauen. Es gibt einige Spiele,  die das Vertrauen in der Gruppe fördern und eine gute Vorbereitung sind.

Ein Beispiel: Die Hälfte der Kinder legt sich in Rückenlage auf den Boden, sie schließen die Augen. Die anderen Kinder gehen um die Liegenden herum und über sie hinweg.

Raufspiele:

Baumstamm drücken

Zwei Kinder stehen sich gegenüber, legen die Hände aneinander und erhöhen die Körperspannung. Auf ein Kommando hin drücken die Spielpartner die Hände mit gestreckten Armen gegeneinander und versuchen sich gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Schubsen verboten! Der Standhafteste hat gewonnen.

Inselkönig

Mehrere Kinder stehen auf einer Weichbodenmatte. Auf ein Kommando hin versuchen sie sich gegenseitig von der „Insel“ zu schieben. Schubsen und Ziehen ist auch hier nicht  erlaubt. Wer zuletzt auf der Insel bleibt, hat gewonnen.

Über die Linie ziehen

Zwei Kinder stehen sich gegenüber und fassen sich an den Händen. Zwischen ihnen befindet sich eine Linie, die keiner überschreiten darf. Auf ein Kommando hin versucht jeder den anderen über die Linie zu ziehen.

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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