Freunde bleiben: Geht das auch nach dem Abschluss?

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Jahrelang hat man sich jeden Tag gesehen, die Pause zusammen verbracht, gemeinsam für Prüfungen gelernt, Referate vorbereitet, über die Lehrer gelästert und sich bei schlechten Noten oder Liebeskummer getröstet. Und dann ist plötzlich alles anders: Die Schule ist vorbei, man hat ein ganz eigenes Leben, verlässt die Heimat und lernt neue Leute kennen. Die besten Freunde aus der Schule sieht man kaum noch, an Weihnachten vielleicht, wenn sich alle in der Stammkneipe treffen und nostalgisch von den guten alten Zeiten schwärmen. Aber sie sind kein fester Teil des Lebens mehr – und eine Freundschaft, die man nicht pflegt, wird auf Dauer zerbrechen. Wie kann man das verhindern und auch nach dem Abschluss noch befreundet bleiben?

Am 30. Juli ist der internationale Tag der Freundschaft. Ein guter Zeitpunkt, um sich bei all den Freunden zu melden, die man sonst vernachlässigt – weil Job, Familie oder Hobbys dann doch wichtiger sind. Und für alle, die gerade ihren Abschluss gemacht haben, ein Moment, um innezuhalten, auch wenn das Leben gerade rasant voranschreitet. Denn trotz der vielen neuen Erfahrungen wollen Sie ja den Kontakt zu Ihren Schulfreunden nicht verlieren. Und das geht – aber es kostet ein bisschen Zeit und Mühe.

Kontakte müssen gepflegt werden

„Ich hab doch sowieso nichts Spannendes zu erzählen. Und eigentlich müsste ich ja meine Hausarbeit weiterschreiben. Ich kann mich ja ein andermal melden.“ Solche Gedanken führen dazu, dass der Kontakt immer weniger wird – und schließlich ganz einschläft. Dabei ist es gerade heute so einfach, ein kurzes Lebenszeichen von sich zu geben. Mit Social-Media, WhatsApp oder Skype ist es egal, ob sich die Freunde auf einem anderen Kontinent oder nur ein paar Häuser weiter befinden. Und glauben Sie mir: Es reicht schon aus, wenn Sie ein bisschen über Gott und die Welt plaudern – Sie müssen keine großen Neuigkeiten zu verkünden haben.

Sich gemeinsam weiterentwickeln

Ralf macht eine Ausbildung zum Erzieher, Maria studiert Philosophie und Julia hat gerade ihr erstes Kind bekommen – klar ist es schwer, da noch ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden. Wichtig ist es, ehrlich zu bleiben und Probleme offen anzusprechen. Denn in einer Freundschaft kann man sich gemeinsam weiterentwickeln und wachsen. Natürlich sollten Sie aufmerksam zuhören, wenn Ralf von seinen neuen Kollegen erzählt, Maria von Foucault schwärmt oder Julia erklärt, welche Windelart am saugfähigsten ist. Wird es Ihnen aber zu viel, dann schlucken Sie Ihren Frust nicht herunter! Suchen Sie lieber das Gespräch und geben Sie Ihre Unzufriedenheit zu – dann können Sie zusammen nach einer Lösung suchen.

Rituale schaffen

Auch nach dem Schulabschluss sollten Sie sich regelmäßig verabreden – am besten zu festen Ritualen, die Ihre Freundschaft stärken. Vielleicht finden Sie ein neues Hobby, das Sie gemeinsam beginnen können. Oder Sie planen einen Tag im Monat ein, an dem Sie mit Ihren Freunden essen gehen. Bei „Fernfreundschaften“ können Sie einen regelmäßigen Termin zum Telefonieren oder Skypen vereinbaren. Trotzdem sollten Sie sich mindestens einmal pro Jahr persönlich sehen. Zum Beispiel bei einer gemeinsamen Reise. Oder Sie lassen auf dem Schulfest alte Erinnerungen wiederaufleben. Und zur Not bleibt immer noch das alljährliche Weihnachtstreffen.

Lebensabschnittsfreunde

Der geteilte Alltag in der Schule, die gleiche Lebenssituation – das schweißt natürlich zusammen. Manche Freundschaften überleben aber nur, weil man sich jeden Tag begegnet. Fällt das weg, und ist keiner bereit, Zeit und Mühe in die Freundschaft zu investieren, lebt man sich auseinander. Einen Vorteil hat das aber doch: Nach dem Abschluss erkennen Sie schnell, wer Ihre wahren Freunde sind. Wenn Sie immer wieder den Kontakt suchen, Treffen vereinbaren und es kommt nichts zurück, ist es vielleicht besser, die Person gehen zu lassen. Und dafür mehr Zeit in die wahren Freundschaften ohne Ablaufdatum zu investieren.

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.