Freunde beeinflussen unser Leben – mehr als wir denken

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Wer Freunde hat, ist glücklicher – so viel steht schon mal fest. Doch was bedeutet Freundschaft eigentlich? Und was sagt die Wahl unserer Freunde über uns selbst aus? Mit den sozialen Netzwerken sind in den letzten Jahren neue Formen von „Freundschaft“ entstanden. Sogar in Vorstellungsgesprächen spielen unsere Vertrauten eine Rolle.

„Seine Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie nicht“. Soll heißen: Freunde finden Sie auf Ihrem Lebensweg, Sie teilen freiwillig Ihre Zeit mit ihnen. Die Interessen und Träume sind in Freundschaften oft ähnlich – Freunde sind Ratgeber, Vertraute und Seelenverwandte.

Freundschaft – eine freiwillige Entscheidung

Freundschaft ist immer freiwillig – deshalb muss sie gepflegt werden. Sich für die Bedürfnisse und Probleme des anderen zu interessieren, für jemanden da zu sein, auch wenn es mir gerade nicht in den Zeitplan passt, zeichnet eine Freundschaft aus. Die Basis dafür ist gegenseitige Sympathie und Wohlwollen. Während ich mit Bekannten vielleicht prima um die Häuser ziehen kann, ist ein echter Freund auch da, wenn es mir nicht gut geht.

Gute Freunde verlängern das Leben

Guten Freunden spricht man sogar eine lebensverlängernde Wirkung zu. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen soll sich verringern, und in Stresssituationen haben Freunde eine beruhigende Wirkung.

Auch auf das Selbstwertgefühl haben Freunde positiven Einfluss – wenn Sie mit ihnen zusammen sind, fühlen Sie sich sicherer. Selbst Probleme, die sonst als bedrohlich empfunden werden, scheinen durch die Anwesenheit der Vertrauten plötzlich lösbar.

Allerdings hinterlässt eine Freundschaft nur dann positive Spuren, wenn sie uns emotional berührt und uns durch schlechte Zeiten trägt. Wenn Sie gemeinsam mit jemandem durch „dick und dünn“ gehen können. Wahre Freunde geben unserem Leben einen Sinn – wir fühlen uns aufgehoben und am richtigen Platz.

Einzig und alleine beim Geld hört die Freundschaft auf. Bei finanziellen Engpässen greift man doch eher auf die Familie zurück. Nicht beglichene Schulden hält nämlich kaum eine Beziehung aus.

Freundschaft aus praktischen Gründen

Laut Sozialforscher Janosch Schobin nimmt die Bedeutung von Freundschaft seit den 80er Jahren stetig zu. Während früher die Familie als stärkster Bezugspunkt im Leben galt, sind heute unsere Freunde Lebensgefährten in guten und in schlechten Zeiten. Das hat auch ganz praktische Gründe, die Herkunftsfamilie wohnt oft an einem anderen Ort oder es gibt keine engeren Familienmitglieder mehr.

Auch die Schrumpfung des Sozialstaates macht Freunde wieder wichtiger. Junge Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam zu wohnen – das ist günstiger. Senioren gründen Wohn- und Lebensgemeinschaften, um nicht bei den ersten alterstypischen körperlichen Einschränkungen in ein Altenwohnheim umziehen zu müssen. Auch dort entstehen Freundschaften.

Soziale Netzwerke und virtuelle Freunde

Die sozialen Netzwerke verbinden und trennen uns. Wir wissen, was der andere macht, auch wenn er gerade für ein Auslandspraktikum auf Teneriffa ist. Anderseits sind die neuen Medien manchmal auch ganz schöne Störfaktoren – nämlich dann, wenn ich mich immer wieder dem Smartphone zuwende, anstatt mich auf ein reales Gespräch unter Freunden zu konzentrieren. Exklusive gemeinsame Momente gehen dadurch verloren.

Wie immer geht es darum, einen gesunden Weg zu finden, mit Medien umzugehen – zu viel Medienpräsenz stört unsere realen Beziehungen. Die Nutzung sozialer Netzwerke kann aber durchaus auch bereichernd sein. Gerade bei größeren Entfernungen, können Sie Kontakte aufrechterhalten und verlieren Freunde nicht so schnell aus den Augen.

Problematisch wird es dann, wenn die Anzahl der Freundschaften und „Likes“ als Statussymbol gelten und Menschen von der Aufmerksamkeit ihrer Bekannten in den sozialen Medien abhängig sind. Wenn sich jemand nur noch dann gut fühlt, wenn seine Posts immer mehr Usern „gefallen“. Das hat mit Freundschaft und deren Sinn nur noch wenig zu tun. Wir alle wissen, dass Facebook uns miteinander vernetzt und keinesfalls Freundschaften bildet. Soziale Netzwerke geben uns die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten – nicht mehr und nicht weniger.

Freunde im Vorstellungsgespräch

„Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?“ – eine Frage, auf die Sie im Vorstellungsgespräch gefasst sein sollten. Mit ihrer Beantwortung erfahren Personalentscheider einiges über Ihr Wesen, denn die Einschätzung durch vertraute Menschen – auch wenn sie in diesem Fall von Ihnen selbst kommt – lässt Rückschlüsse auf Ihren Charakter und sogar Ihre Arbeitsweise zu. Sie sollten sich also Ihrer Stärken bewusst sein und einen positiven Aspekt Ihrer Persönlichkeit beschreiben – was als gute Eigenschaft empfunden wird, hängt natürlich auch von Ihren zukünftigen Aufgaben ab.

Sind Sie jemand, bei dem sich Ihre Freunde Rat holen, wenn sie nicht weiter wissen oder organisieren Sie immer die Treffen in Ihrem Freundeskreis? Welche Rolle Sie bei Ihren Freunden einnehmen, zeigt in jedem Fall einen Teil Ihrer Persönlichkeit.

Die 5-Personen-Regel von dem bekannten Motivationstrainer Jim Rohn lautet: „Du bist der Durchschnitt der 5 Personen, mit denen du die meiste Zeit verbringst.“ Freunde färben also auf uns ab und zeigen, wer wir sind – im positiven und im negativen Sinne.

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung und Studium.


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