Freundlichkeit macht das Leben reicher. Also bitte recht freundlich!

0

Wenn es Ihnen bei dem Wort Freundlichkeit eiskalt den Rücken herunterläuft, weil Sie an ein aufgesetztes Dauergrinsen denken, kann ich Sie beruhigen: Freundlichkeit ist etwas ganz anderes. Denn sie geht viel tiefer – und sie macht etwas mit uns. Und das Beste daran: Senden wir sie aus, kehrt sie zu uns zurück.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die uns gerade gestern beim Einkaufen passiert ist. Mit „uns“ meine ich meinen achtjährigen Sohn und mich. Manche Dinge kann man einfach unmöglich aufschieben – zum Beispiel den dringenden Erwerb von Sammelkarten, die man am nächsten Tag mit seinen Freund*innen tauschen will. Wir betraten also das Geschäft für Drogeriebedarf etwa 10 Minuten vor Geschäftsschluss und gingen zielsicher auf die Vitrine zu, in der die Sammelkarten eingeschlossen sind. Da kein*e Mitarbeiter*in in dem Bereich zu sehen war, ging ich – schuldbewusst, spät dran zu sein (inzwischen war es etwa acht Minuten vor Geschäftsschließung) – auf einen Mitarbeiter zu und wollte ihn um ein Päckchen Karten bitten. Dazu kam ich aber nicht. Sehr schroff schmetterte er mir entgegen „SAMMELKARTEN?!“, einen wütenden Blick auf meinen Sohn gerichtet, der mit seinem Fünfeuroschein in der Hand hinter mir stand.

Er stürzte uns voran zur Vitrine, riss sie so heftig auf, dass ich dachte, die Scheibe würde jeden Moment zerbersten und herrschte mich an, dass in diesem Bereich um diese Zeit keine Mitarbeiter mehr im Einsatz wären. Sie können es sich vielleicht vorstellen: Das Gefühl, das mir der sichtlich gestresste Verkäufer gab, war ein ziemlich mieses. Wir verließen den Laden noch vor Geschäftsschluss.

Als ich meinem Sohn sagte, dass das jetzt keine schöne Situation war und ich meinen Puls erstmal wieder auf Normalniveau regulieren musste – tief ein- und ausatmen – analysierte der 8-jährige Sammler, dass der Verkäufer wohl einfach gestresst gewesen sei. Ich fand sein Verständnis für den Mann beeindruckend.

Das großartige Gefühl der Freundlichkeit

Das Wichtige nach einer solchen Begegnung, die einen selbst vielleicht für einen Moment in die Unfreundlichkeit hineinzieht, ist, diese nicht wirklich persönlich zu nehmen und positiv zu bleiben für die nächste Begegnung. Diese ereignete sich wenige Minuten später an der Käsetheke im benachbarten Supermarkt. Dort nämlich kam der Mitarbeiter uns mit einem strahlenden Lächeln entgegen, schenkte meinem Sohn einen Keks, und wünschte uns zum Abschied einen schönen Abend. „Der war aber nett“, war der Kommentar meines Sohnes. Was soll ich sagen, die Begegnung mit ihm hinterließ ein richtig tolles und freudiges Gefühl und zeigte mir und auch meinem Sohn auf sehr anschauliche Art und Weise, wie wichtig es ist, einander freundlich zu begegnen. Und so einfach.

Im Beitrag „Haben Anstand und Höflichkeit noch Konjunktur?“ geht es um zwei weitere wichtige Tugenden, die uns wertvoll handeln lassen.

The School of Life – die wichtigen Fragen des Lebens

Nun gibt es bestimmt Menschen, die von Natur aus mit mehr Freundlichkeit bestückt sind, als andere. Diese wunderbare Tugend kann man aber auch lernen. Eine Möglichkeit, sich der Macht der Freundlichkeit bewusst zu werden und sie ins eigene Leben noch besser zu integrieren, ist wach durch die Gegend zu laufen und an sich zu beobachten, welches Geschenk es ist, sich wohlwollend zu begegnen. Und zwar für beide Seiten.

Vielleicht hilft es aber auch, ein Buch darüber zu lesen. Mit den wichtigen Fragen des Lebens und wie wir besser zusammenleben können, beschäftigt sich nämlich die Initiative „The School of Life“. Sie wurde 2008 in London von dem Philosophen Alain de Botton gegründet und ist inzwischen auch in Berlin vertreten. Das große Ziel: Menschen näherzubringen, wie man ein erfülltes Leben führt. Mit Antworten auf Fragen wie „Wie gelingt die Liebe?“, „Wer bin ich überhaupt?“, „Wie finde ich den Beruf, der mich glücklich macht?“ und vielen mehr.

Freundlichkeit. Eine vergessene Tugend.

Auch ein Buch zum Thema Freundlichkeit stammt aus der Feder von de Botton: „Freundlichkeit. Eine vergessene Tugend.“ Schon beim Lesen des Cover-Textes erfährt man, was einen zwischen den Buchdeckeln erwartet: „Ein Ratgeber, der uns nicht dünner oder reicher machen will – nein, er will uns helfen netter zu sein: geduldiger, gerne bereit zuzuhören, warmherziger und weniger reizbar. Alles enorm wichtige Qualitäten, die wir heute sträflich vernachlässigen.“

Auch für Unternehmen bietet die School of life Workshops für Nachhaltige Veränderung an. Darin geht es um eine individuelle Begleitung zu Themen wie New Leadership, Arbeiten im Team oder allgemeinen Veränderungsprozessen in Unternehmen.

Und was bedeutet für Sie Freundlichkeit?

Bildquelle Beitragsbild: © Mix and Match Studio /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.