Früh übt sich: Demokratiebildung in der Kita

0

Am heutigen Aktionstag für Demokratie und Vielfalt setzen Schulen in ganz Deutschland im Rahmen der Initiative #IchStehAuf mit unterschiedlichen Mitmachaktionen ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt. In Zeiten steigender Demokratieverdrossenheit und antidemokratischer Tendenzen, ist es wichtiger denn je, die Demokratiebildung frühzeitig und umfassend zu fördern.

Bereits in der Kindertagesstätte (Kita) können grundlegende Werte und soziale Kompetenzen vermittelt werden, die für ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft unerlässlich sind. Doch wie kann Demokratiebildung bereits im frühen Kindesalter umgesetzt werden und welche Rolle spielen dabei die Kitas? In diesem Artikel beleuchten wir die Bedeutung der frühkindlichen Demokratiebildung und geben Einblicke, wie diese im Kita-Alltag umgesetzt werden kann.

Demokratische Werte von Anfang an verankern

Demokratiebildung muss früh beginnen, weil grundlegende demokratische Werte und Umgangsformen wie Anerkennung und Kooperationsbereitschaft tief im Alltagsleben der Menschen verankert sein sollten. Kinder lernen diese Werte am besten durch alltägliche Erfahrungen und die Interaktion mit ihren Bezugspersonen. In einer Welt, die zunehmend von antidemokratischen Strömungen beeinflusst wird, ist es entscheidend, diese Werte so früh wie möglich zu vermitteln und zu verinnerlichen.

Prägung in den ersten Lebensjahren

Die ersten Jahre in der Entwicklung eines Kindes sind besonders prägend. In dieser Zeit manifestieren sich die Identität und Persönlichkeit durch Beziehungen und Erfahrungen. Der Auftrag der Kindertagesbetreuung ist es daher, Kinder auf ein Leben in Vielfalt, gegenseitiger Anerkennung und Selbstbestimmung vorzubereiten.

Der gesetzliche Rahmen für Demokratiebildung in der Kita

Das Achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII) gibt klare Vorgaben zum Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag. Es verpflichtet Kitas, die Beteiligung von Kindern an allen sie betreffenden Aufgaben sicherzustellen und grundlegende Sozialkompetenzen zu fördern. Dies schafft eine gesetzliche Grundlage dafür, dass Demokratiebildung in Kitas nicht nur erwünscht, sondern verpflichtend ist.

Unterschiede in den Bildungsplänen der Bundesländer

Die Bundesländer setzen in ihren Bildungsplänen unterschiedliche Schwerpunkte für die frühkindliche Demokratiebildung. Dies führt dazu, dass die Ausgestaltung der demokratiepädagogischen Arbeit in den Einrichtungen uneinheitlich und teilweise unübersichtlich ist. Dennoch bleibt Demokratiebildung in Kitas ein zentraler Auftrag der Bildungsarbeit und ist für das Funktionieren unserer demokratischen Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung.

Frühe Erfahrungen und die Entwicklung von Sozialkompetenzen

Forschungen zeigen, dass die Entwicklung eines Werte- und Normensystems bereits ab der Geburt beginnt. Die prägenden Erfahrungen, die Kinder sowohl in der Familie als auch außerhalb der Familie machen, sind entscheidend. Durch die Interaktion mit erwachsenen Bezugspersonen erlernen Kinder Fähigkeiten zur Stressbewältigung und Emotionsregulation. Diese Fähigkeiten geben ihnen Sicherheit und ermöglichen es ihnen, zu lernen, zu forschen und am sozialen Miteinander teilzuhaben.

Soziale Fähigkeiten durch den Kontakt mit Gleichaltrigen

Im Umgang mit Gleichaltrigen entwickeln Kinder ihre sozialen Kompetenzen und die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeiten umzugehen. Kindertagesstätten bieten daher ein großes Potenzial für die Entwicklung von demokratischen Normen, Werten und moralischen Überzeugungen.

Demokratische Strukturen im Kita-Alltag

In frühkindlichen Betreuungseinrichtungen kann Demokratie nicht wie in der Schule unterrichtet werden. Sie muss durch das Erleben von Zugehörigkeit in Vielfalt und durch kindgerechte Beteiligung an alltäglichen Prozessen erfahrbar gemacht werden. Formate wie ein Kita-Rat, Kinderkonferenzen, ein Vetorecht und Kita-Verfassungen ermöglichen es den Kindern, Demokratie praktisch zu erleben und zu gestalten.

Beteiligung im Alltag

Entscheidend ist auch die Wahrnehmung und Berücksichtigung kindlicher Bedürfnisse im Alltag durch die Fachkräfte. Ob beim Essen, Schlafen oder bei der Auswahl an Spielorten und Bildungsthemen – Kinder sollten die Möglichkeit haben, ihre eigenen Sichtweisen und Anliegen zu äußern. Eine demokratische Kita muss sich in ihrer gesamten Struktur an den Grundwerten der Demokratie orientieren, damit Kinder lernen, ihr Verhalten an diesen Werten auszurichten.

Fazit

Die Demokratiebildung in der Kita ist ein wesentlicher Bestandteil der frühkindlichen Erziehung und von großer Bedeutung für unsere Gesellschaft. Indem Kinder frühzeitig demokratische Werte und Sozialkompetenzen erlernen, werden sie zu aktiven und verantwortungsbewussten Bürgern heranwachsen. Es liegt an uns, den Rahmen dafür zu schaffen und die Bedeutung der Demokratiebildung in den Kitas zu erkennen und zu fördern.

Beitragsbild: shutterstock/ Robert Kneschke

Autor

Ellen Jöckel

„Die Voraussetzung für Wissen ist die Neugier.“ (Jaques-Yves Cousteau) Ich liebe es, mich in Themen reinzuarbeiten, sie zu verstehen und dann darüber zu schreiben. Deswegen ist das Euro Akademie Magazin mit seinen Themenwelten aus unterschiedlichen Bildungsbereichen die ideale Plattform, um mich journalistisch „austoben“ zu können.