Kinderlieder: Warum Musik für Kinder so wichtig ist

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„Aramsamsam, Aramsamsam, guli, guli, guli, guli, guli ram sam sam“, schreit Leo stolz. Dazu reißt er die Hände nach oben und klatscht. Das hat er in der Kita gelernt. Leo hat immer mächtig viel Spaß, wenn sie neue Lieder singen. Auch die anderen Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache. Begeisterung und Lebensfreude sind aber nur zwei Gründe, warum Kinderlieder in der Erziehung so wichtig sind.

Kinder sind musikalisch. Schon Babys können ab etwa sechs Monaten im Takt der Musik mitschaukeln und mit den Füßchen wippen. Sobald sie die ersten Schritte machen, kommen auch die ersten Tanzversuche. Umso wichtiger ist es für Eltern und Erzieher*innen, die angeborene Musikalität der Kleinen zu unterstützen: durch gemeinsames Singen, Tanzen und dem spielerischen Ausprobieren von Tönen und Instrumenten. Denn Kinderlieder fördern nicht nur die musikalischen Fähigkeiten – sie haben noch viel mehr pädagogische Effekte.

Kinderlieder machen schlau

Singen fördert die Entwicklung der Kinder. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Eine Studie des Canto-Forschungsinstituts ergab, dass Vorschulkinder, die jeden Tag mindestens eine halbe Stunde singen, bei Einschulungstests signifikant besser abschneiden als ihre Altersgenoss*innen. Denn durch Lieder wird die sprachliche Entwicklung unterstützt. Mit bekannten Songs, zum Beispiel „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“, erweitern die Kinder ihren Wortschatz. Gleichzeitig lernen sie aber auch einiges über Satzbau, Artikulation und Sprachmelodie. Und gerade der Sprechrhythmus – Tempo und Betonungen – sind für den Spracherwerb essentiell. Nebenbei wird gerade beim gemeinsamen Musizieren auch die Konzentration geschult. Denn um mitsingen zu können, muss man ganz genau zuhören. Das erfordert viel Aufmerksamkeit – und ein bisschen Übung.

Oft sind die Texte von Kinderliedern auch lehrreich und schaffen es so, Zahlen, Buchstaben oder Farben spielerisch zu vermitteln. Ich muss zugeben, dass ich das Alphabet immer noch leise vor mich hin singe, wenn ich einen bestimmten Buchstaben suche – wahrscheinlich bin ich da nicht die Einzige. Die Inhalte werden ganz eng mit einer Melodie verknüpft und bleiben so ein Leben lang im Gedächtnis.

Singen und Tanzen als gemeinsames Erlebnis

In Kita und Kindergarten gibt es viele tolle Spiellieder, die alle zusammen singen und tanzen. „Häschen in der Grube“ und „Ringel, Ringel, Reihe“ machten schon vor 100 Jahren Spaß. Aber auch moderne Mitmachlieder sind bei Kindern beliebt. Eins verbindet sie alle: Die rhythmischen Bewegungsabläufe schaffen gute Laune und fördern nebenbei die Motorik. Die Aktivität in der Gruppe stärkt aber auch das Gemeinschaftsgefühl. Musik hat für Kinder also immer einen sozialen Aspekt. Vierjährige, die mit Gleichaltrigen musizieren, sind hilfsbereiter und kooperativer, wie die Anthropologen Kirschner und Tomasello herausfanden. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Erzieher*innen ihre Schützlinge zum Musizieren ermutigen und natürlich kräftig mitsingen. So können sich alle schnell in die Gruppe integrieren – und viel Spaß macht es auch!

Musik gibt Kindern Halt

Gerade kleine Kinder brauchen Struktur und Rituale, um Orientierung und Halt in den Herausforderungen des Alltags zu finden. Oft sind diese Stützen ganz eng mit Musik verknüpft. Wer jeden Abend mit einem Wiegenlied in den Schlaf gesungen wird, fühlt sich sicher und geborgen.  Aber auch das Begrüßungslied im Kindergarten, der Zahnputzsong abends im Badezimmer oder ein spezielles Aufräumlied schaffen Struktur. So fällt es den Kindern leichter, Regeln zu befolgen.

Autor

Anna Rüppel

Seit April 2019 macht Anna Rüppel den Auszubildenen das Leben ein bisschen leichter – mit Tipps und Neuigkeiten zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.