Vorhang auf! Theater in Kita und Grundschule

0

Samuel ist aufgeregt. Auf der Kita-Weihnachtsfeier werden sie ein Krippenspiel aufführen – und er darf der Josef sein! Dreimal pro Woche proben sie gemeinsam ihren Auftritt und sogar beim Abendessen zu Hause trägt er seinem Papa und seiner Schwester Lucy eifrig den Text vor. Als der große Tag dann endlich da ist, glüht Samuel vor Aufregung und Stolz. Dieses wunderbare Erlebnis wird er nie wieder vergessen. 

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch im Theater? Oder standen Sie vielleicht auch wie Samuel schon im Kindergarten auf der Bühne? Das Schauspiel ist für Kinder eine aufregende Erfahrung, die eine Reihe von positiven Entwicklungseinflüssen mit sich bringt – und natürlich eine Menge Spaß!

Ein Recht auf Kindertheater 

Erster Berührungspunkt ist oft nicht der eigene Auftritt, sondern der Besuch im Kindertheater. Ganz anders als in Kino und Fernsehen kann man die Schauspieler*innen in echt sehen, mit ihnen lachen, mitfiebern und vielleicht auch mit ihnen interagieren und so selbst an der Geschichte teilhaben. In Schweden gibt es sogar ein Gesetz, das jedem Kind zweimal im Jahr die Möglichkeit gibt, ein Theaterstück zu besuchen. Dieses Recht gibt es in Deutschland leider nicht – aber auch hier hat das Kindertheater eine lange Tradition.

Seit 1945 existiert die Bühne Morgenstern in Oldenburg in Holstein, das älteste Kindertheater Deutschlands, welches  „den idealen Einstieg in die kulturelle Stärkung der Kinder“ bietet. Deutschlandweit bekannt ist auch das GRIPS-Theater in Berlin, das seit den 1970er Jahren gesellschaftsrelevante Themen für Kinder und Jugendliche szenisch verpackt. Die Kinder in den GRIPS-Stücken sind mutig, stark und oft auch ein bisschen frech – und genau deshalb tolle Vorbilder! Sicher gibt es auch in Ihrer Stadt ein eigenes Kindertheater oder Inszenierungen speziell für Kinder.  

In andere Rollen schlüpfen 

Noch besser als die Schauspieler*innen auf der Bühne zu beobachten, ist es, selbst in andere Rollen zu schlüpfen. Das kann im Rahmen einer kleinen Aufführung vor den Eltern stattfinden oder ganz spielerisch in der Kitagruppe oder Klassengemeinschaft. Das Theaterspielen fördert das Selbstbewusstsein, die Kreativität und die Fantasie und es trainiert das Körperbewusstsein und das freie Sprechen. Viele Kinder (und natürlich auch Erwachsene) entdecken beim Schauspiel ganz neue Seiten an sich. Plötzlich wird die liebe, schüchterne Maja zur frechen und mutigen Räubertochter und der immer laute Kai kann als Prinz auch mal ganz leise Töne anschlagen.  

Mit jüngeren Kindern studieren die Erzieher*innen am besten bekannte Geschichten ein. Märchen zum Beispiel oder berühmte Kinderbücher. Mit Schulkindern kann man sich dann schon an komplexere Stücke wagen, die Textanteile erhöhen und Musikparts einbauen. Königsdisziplin ist dann das selbst geschriebene Theaterstück – als Klassenprojekt im Deutschunterricht mit einer großen Aufführung am Ende des Schuljahrs.  

Kamishibai: Erzähltheater zum Mitnehmen 

Eine ungewöhnliche Form des Schauspiels ist das japanische Erzähltheater Kamishibai. Das Wort „Kamishibai“ kommt aus dem Japanischen und kann mit „Papiertheater“ übersetzt werden (Kami 紙 bedeutet Papier und Shibai 芝居 bedeutet Schauspiel). Und damit sind die beiden wichtigsten Eigenschaften des Kamishibai schon erklärt: Eine Geschichte wird von einem Erzähler oder einer Erzählerin lebhaft vorgetragen. Er oder sie verwendet dafür verschiedene Bildkarten aus Papier, die das Geschehen in Szene setzen. Der*die Livesprecher*in steht dabei neben einem Holzrahmen, in dem die aktuelle Bildkarte präsentiert wird und im Laufe der Geschichte immer wieder gewechselt wird – eine kleine Theaterbühne zum Mitnehmen. 

Das „Theater to go“ hat in Japan eine lange Tradition. Vor der Erfindung des Fernsehers waren die Menschen begeistert, wenn ein Geschichtenerzähler mit seiner Miniaturbühne am Fahrrad in die Stadt kam und dem gespannten Publikum seine Stücke vortrug. Obwohl das Kamishibai als Straßenvorstellung heute nicht mehr populär ist, zieht es uns heute noch in seinen Bann. Das Erzähltheater ähnelt dem Vorlesen eines Bilderbuchs – allerdings können alle Kinder gleichzeitig das Bild betrachten und reagieren. Es entsteht eine interaktive und lebendige Kommunikationssituation. Mit vorbereiteten Geschichten können die Kinder auch selbst in die Erzählerrolle schlüpfen und so Kreativität, Sprachentwicklung und Selbstvertrauen stärken. 

Holzrahmen und Bildkarten kann man auch in Deutschland kaufen – oder man bastelt sie ganz einfach selbst. So wie die angehenden Erzieher*innen der Euro Akademie Meißen: Im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts baut sich jede*r Schüler*in sein eigenes Erzähltheater. Wir sind schon ganz gespannt und freuen uns, wenn der Vorhang endlich aufgeht.

Mögen Sie es, wenn Kinder Theater machen? Als Erzieher*in können Sie das jeden Tag erleben ;) Informieren Sie sich hier über die Erzieherausbildung an der Euro Akademie.

Bildquelle Beitragsbild: © Viacheslav Nikolaenko / shutterstock.com

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.