Weltendecken Teil IV: Auf der Reise zum Glück

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Dreimal sind wir schon quer über den Globus gereist, um zu entdecken wie man in Russland frühstückt, in Kamerun spielt und in China lernt. Heute fragen wir uns: Ist Glück eine persönliche Sache, etwas, das nicht allgemeingültig ist? Gibt es einen universellen Glücksbegriff? Oder sind wir doch stark kulturell geprägt in unserem Glücksempfinden? Auf unserer donnerstäglichen Reise über die Weltkugel versuchen wir, dem Glück auf die Spur zu kommen.

Laut dem 9. World Happiness Report im Auftrag der Vereinten Nationen sind die Finn*innen beim internationalen Glückslevel wiederholt auf dem ersten Platz gelandet. Die Begründung: Vertrauen. Die Finninnen und Finnen vertrauen ihren Mitmenschen, dem Staat, der Justiz – das scheint große Auswirkungen auf das Glücksempfinden auszulösen. Die Voraussetzung: Eine grundsätzliche Zufriedenheit, die wiederrum mit einem sicheren und stabilen Land zu tun hat.

Die Finn*innen haben außerdem einen ausgeprägten Gemeinsinn und fühlen sich eben auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten gut abgesichert. Vor einigen Jahren wurde beispielsweise das Housing-First-Programm eingeführt. Jeder Obdachlose bekam von da an eine Wohnung gestellt, um sein Leben in Ruhe ordnen zu können. Die Zahl der Wohnungslosen ist in Finnland inzwischen bei fast Null. Generell ist das Armutsrisiko in dem skandinavischen Land dank staatlicher Hilfen gering. Männer und Frauen sind in Finnland gleichgestellt. Ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem gibt den Finnen und Finninnen den Rest zum Glücklichsein. Dass die Steuern in ihrem Land besonders hoch sind, stört sie dabei nicht. Sie vertrauen darauf, dass ihre Abgaben richtig eingesetzt werden – und das scheint ja auch wunderbar zu funktionieren.

Sisu – die innere finnische Haltung zum Glück

Im Beitrag „Warum die Finnen die glücklichsten Menschen der Welt sind“ auf travelbook.de lässt die Autorin auch ein paar finnische Einwohner*innen zu Wort kommen, um dem hohen Glückslevel auf die Spur zu kommen. In ihren Antworten liegt eine Mischung aus der unglaublichen Natur, dem dunklen aber bezaubernden Winter, der Freude über die milden Frühlings- und Sommermonate und einer unabhängigen und doch behüteten Kindheit. Der Schlüssel zum finnischen Glück liegt aber nicht nur im Äußeren, er liegt in der Mentalität der Finnen selbst. „Sisu“ ist ein Begriff für ihre Art zu Leben und zu sein. Ein Wort, dass sich nicht eins zu eins übersetzen lässt, weil es eben typisch ist für die Menschen in diesem Land. Um uns dem Lebensgefühl, das in „Sisu“ steckt dennoch anzunähern, brauchen wir mehrere deutsche Begriffe wie Entschlossenheit, Mumm, Geduld, Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen und Willensstärke.

China – überwiegend unglücklich

Um dem chinesischen Glücksbegriff näher zu kommen, machen wir einen Ausflug zu einem einflussreichen chinesischen Philosophen: Konfuzius. Nach ihm ist ein Mensch immer in Bezug zu seiner Rolle in der Gemeinschaft zu beurteilen. Konfuzius war der Überzeugung, dass erst durch die Ordnung der Gesellschaft dem Individuum Freiheit möglich ist. Dass das Individuum in China auch heute noch hinter dem familiären und gesellschaftlichen Wohl rangiert, ist demnach wohl auch Konfuzius zu verdanken. Doch die Ungleichheit in dem ostasiatischen Land wächst – was erstmal verwunderlich scheint in einem Staat unter strenger kommunistischer Führung.Das Wirtschaftswachstum in China ist gigantisch. Seit 1990 hat sich das Durchschnittseinkommen dort zweimal verdoppelt. Einer Umfrage zufolge gehören die Bewohner*innen Chinas trotzdem nicht zu den glücklichsten auf dem Erdball: Rund 70 Prozent der Menschen antworteten auf die Frage, ob sie in ihrem Leben glücklich seien mit einem klaren „Nein“. Der Grund: Die Einkommensschere in China ist groß, der Vergleich mit jemandem, der viel mehr hat, macht unzufrieden. Ein weiterer Aspekt, dem wir schon einmal in Finnland begegnet sind, ist die Sicherheit. Wird man in China arbeitslos, bekommt Rente oder ist krank, sinkt der Lebensstandard schnell. Außerdem fürchten viele Chines*innen die Willkür des Staates. Da werden auch schon mal Bauern oder Bäuerinnen enteignet, damit ein gewinnbringendes Industriegebiet entstehen kann.

Da aber unglückliche Menschen nicht so produktiv sind wie die glücklichen und zufriedenen, ergreift selbst eine Staatsmacht wie China seit einiger Zeit Maßnahmen gegen das kollektive Unglücklichsein. Das neue Entwicklungsziel würde Konfuzius gefallen: eine harmonische Gesellschaft. Die Steigerung des Bruttosozialproduktes ist nicht mehr das alleinige Ziel der Regierung. Doch wie soll man zu seinem persönlichen Glück finden, wenn das Individuum nie eine große Rolle gespielt hat?

Glück auf Japanisch: Wofür stehst du auf?

Ikigai könnte man mit „wofür es sich zu leben lohnt“ oder „wofür stehst du auf?“ übersetzen. Das Ziel: herausfinden, was einen persönlich glücklich macht. Und das ganz entgegen der japanischen Tradition, das Gemeinwohl in den Vordergrund zu stellen und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Es wäre aber nicht japanisch, wenn die Umsetzung ganz einfach wäre. Es gibt nämlich vier Faktoren für das Glück, die nicht unabhängig voneinander sind: Berufung, Profession, Mission und Leidenschaft. Erst das optimale Zusammenspiel dieser vier Komponenten führt zum ganz persönlichen Glück.

Zuerst muss man aber herausfinden, was man wirklich liebt, was man der Welt geben kann, für welche berufliche Tätigkeit man geschaffen ist und wo die persönlichen Talente liegen. Aus diesen vier Faktoren lässt sich eine Schnittmenge aus individuellen Bedürfnissen und Talenten auf der einen Seite, und der potenzielle Beitrag für die Welt und den eigenen Geldbeutel auf der anderen Ikigai bilden.

Bildquelle Grafik: © Kishore B /shutterstock.com

Huna – die 7 Prinzipien des hawaiianischen Glücks

Hawaiianer*innen gelten als glückliche Menschen. Aber woher kommt dieses Glücksgefühl? Nur durch Sonne und Strand, immerhin hat Hawaii mit dem Waikiki Beach einen der berühmtesten Strände der Welt, kann es nicht ausschließlich liegen. Inzwischen sind die Städte der Insel, auf der die Reichen und Schönen Amerikas ihre freie Zeit verbringen, nämlich so teuer geworden, dass viele Einheimische ihre sieben Sachen packen und raus aufs Land ziehen müssen. Da das Glück aber ja bekanntlich in uns liegt und die äußeren Umstände nur einen Teil des Glücksempfindens ausmachen, kann das einen echten Hawaiianer*in nicht wirklich erschüttern. Schon beim freundlichen „Aloha“, das „in Anwesenheit des (göttlichen) Lebens“ und auch so etwas wie Liebe bedeutet, wird klar, dass hier sonnige Gemüter leben.

Wer die Hawaiianische Kultur verstehen will, kommt an der Huna-Lehre nicht vorbei. Huna heißt so viel wie „Heilung durch Zuhören“. Sie hat ihren Ursprung im polynesischen Kulturraum, wozu auch Hawaii gehört. Die Weisheitslehre folgt schamanischen Weisheiten und soll den Weg zu seelischer Harmonie, Selbstverwirklichung und einer ganzheitlichen Lebenseinstellung weisen. Lebensfreude, Mitmenschlichkeit und das Erleben im Hier und Jetzt stehen im Mittelpunkt der Huna-Philosophie.

Die 7 Huna-Prinzipien

  1. IKE – Bewusstsein
    Die Welt ist das, wofür du sie hältst.
  2. KALA – Freiheit
    Es gibt keine Grenzen! Alles ist möglich.
  3. MAKIA – Konzentration
    Die Energie folgt der Aufmerksamkeit.
  4. MANAWA – Gegenwärtigkeit
    Jetzt ist der Augenblick der Kraft.
  5. ALOHA – Liebe
    Lieben heißt, glücklich sein mit dir und dem Leben.
  6. MANA – Kraft
    Alle Kraft von innen.
  7. PONO – Flexibilität
    Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit.

Mehr geballte Weisheit werden wir wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt finden. Deshalb beenden wir unsere Weltreise zum Glück heute auf Hawaii und üben uns bis zum nächsten Mal in den 7 Huna-Prinzipien. Jetzt.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.