Arbeitszeit in der Pflege neu denken

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Homeoffice, mobiles Arbeiten? Davon können Pflegekräfte nur träumen. Trotzdem muss es Alternativen zum starren Dreischichtsystem geben, sonst wird aus dem Fachkräftemangel irgendwann ein Patientendesaster. Beruhigend, dass sich kluge Köpfe aus Wissenschaft und Praxis Gedanken über neue, fortschrittliche Arbeitszeitmodelle machen und diese teilweise auch schon umgesetzt werden.

Das 50/50-Modell

Wie wäre es mit einem halben Jahr Freizeit? Nicht schlecht, oder? Mehr Freizeit wünschen sich viele Arbeitnehmer*innen – endlich mal nur das tun, wozu man Lust hat, die Welt kennenlernen, sich in Ruhe um die Familie oder die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit kümmern. Es gibt so vieles, was man gerne tun möchte, was nach der „normalen“ Arbeitszeit aber einfach nicht möglich ist.

Das 50/50-Modell beruht auf einem außergewöhnlichen Konzept. Die Pflegekraft arbeitet für ein halbes Jahr in Vollzeit und hat daraufhin 6 Monate frei. Das entspricht einer 50 Prozent Teilzeitstelle und wird entsprechend entlohnt. Die Vorteile: Der Pfleger oder die Pflegerin bekommt das ganze Jahr regelmäßig Gehalt auf das Konto und kann nach dem halben Sabbatjahr wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Bisher ist das 50/50-Modell allerdings noch nicht weit verbreitet, sodass Pflegeeinrichtungen und Pflegekräfte hier Pionierarbeit leisten dürfen.

Das 6-Stunden-Modell

Wie auch in anderen Branchen wird in der Pflege über eine Arbeitszeit von sechs Stunden am Tag diskutiert. In Schweden wagte man den Versuch, den Arbeitstag von Pflegekräften von acht auf sechs Stunden zu reduzieren. Die Kosten für das Personal stiegen damit spürbar an. Auf der anderen Seite gingen die Krankmeldungen unter den Pflegekräften merklich zurück, sie waren zufriedener und die Operateur*innen waren leistungsfähiger, dadurch fielen weniger Operationen aus. Die fehlenden zwei Stunden konnten so insgesamt wirtschaftlich kompensiert werden.

Das 7/7-Modell: eine Woche arbeiten, eine Woche frei

Das 7/7 Modell ist im Gegensatz zu den anderen alternativen Arbeitszeitmodellen schon weiter verbreitet. Das Konzept ist für alle interessant, die sich gerne mal so richtig auspowern, um dann wieder länger frei zu haben. In ihrer Arbeitswoche sind die Pfleger*innen nämlich für sieben Tage zehn Stunden lang im Einsatz, dazu kommen noch zwei Stunden Pause, in denen sie vor Ort sein müssen. Dadurch gibt es statt drei Schichten nur noch zwei. Für die Pflegebedürftigen ist das meist angenehm, weil sie keinen so häufigen Wechsel der Bezugspersonen haben. Das Positive für die Pflegekräfte: Sie haben quasi jede zweite Woche Urlaub.

Mitarbeitende haben unterschiedliche Bedürfnisse, befinden sich in verschiedenen Lebensphasen und Lebensmodellen. Die Antwort auf eine flexiblere Arbeitszeit kann also logischerweise nicht in nur einem Modell liegen, sondern in ganz verschiedenen. Die Aufgabe und Kunst von Einrichtungsleitungen, Pflegeleitungen und Dienstplaner*innen wird es sein, individuell auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte einzugehen, Dinge auszuprobieren und ausgetretene Pfade zu verlassen. Auch wenn das am Anfang für alle Beteiligten anstrengend ist, am Ende ist es ein Gewinn.

Bildquelle Beitragsbild: ©SpicyTruffel /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.