Ein Traum wird wahr: Lernen im Schlaf ist möglich

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Sich den Lernstoff unters Kopfkissen packen, um morgens mehr zu wissen als abends – ein Wunschtraum aller Schüler, Auszubildenden und Studenten. Schön wär’s, werden Sie jetzt denken und sich wieder Ihren Unterlagen zuwenden. Aber Stopp! Der Schlaf hilft uns tatsächlich beim Lernen. Neuen Erkenntnissen zufolge können wir sogar neue Inhalte im Stand-by-Modus aufnehmen.

Was würden sich wohl Schüler, Auszubildende oder Studenten erbitten, käme eine Fee mit den berühmten drei Wünschen vorbeigeschwebt? Sicher wäre mehr Kohle auf dem Konto eines der Begehren. Gleich nach dem Traum vom Lernen im Schlaf. Doch wie soll das funktionieren, wenn die Augen geschlossen sind, die Ohren auf Durchzug stehen und unser Bewusstsein Pause hat?

Schon Babys lernen im Schlaf

Stellen Sie sich einen Säugling vor. Was tut er einen Großteil des Tages? Richtig: schlafen. Babys brauchen unglaublich viel Ruhe und schlummern den Großteil des Tages, um die vielen Eindrücke aus der Umwelt zu verarbeiten. Nun könnten Sie sich zu Recht fragen, wann die kleinen Racker denn dann bitteschön was lernen sollen. Die Antwort: Erlebnisse im Wachzustand werden während des Schlafes in Wissen umgewandelt. Sie wandern vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis.

Das Gehirn entscheidet, was in unser Bewusstsein gelangt

Auch als Erwachsene sind wir tagtäglich einer wahnsinnigen Menge an Reizen ausgesetzt. Da klingelt das Telefon, während wir gerade am Lernen sind. Nebenbei kramt unsere Mitbewohnerin lautstark in der Schublade im Flur, derweil ein Vogel an unserem Fenster vorbeifliegt. Und das ist noch lange nicht alles, was zeitgleich um uns herum zu sehen, hören, riechen oder fühlen ist.

Da unser Gehirn es gar nicht schaffen würde, alle Eindrücke zu verarbeiten, haben wir eine selektive Wahrnehmung. Das heißt, Sie nehmen nur die Dinge wahr, die Ihrem Gehirn in diesem Augenblick wichtig erscheinen. Trotz dieses Reizfilters müssen wir schlafen, um Situationen, Ereignisse und neu erworbenes Wissen zu ordnen. Und noch viel wichtiger: dieses auch abzuspeichern, damit es nicht sofort wieder verloren geht.

Tiefschlaf ist entscheidend fürs Lernen

Aber Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Es gibt Phasen, in denen wir nur leicht schlummern und Zeiten des Tiefschlafs. Letzterer ist für das Gedächtnis von großer Bedeutung. Im Beitrag „Schlau im Schlaf“ auf planet-wissen.de wird der Schlafforscher Björn Rasch der Universität Freiburg zitiert: „Aktuelle Studien zeigen, dass der Tiefschlaf sehr wichtig ist, um Informationen langfristig zu speichern“. Das Gehirn fragt im Schlaf Erlebnisse aus dem Wachzustand ab. „Die Reaktivierung des Wissens führt dazu, dass das Gelernte besser gespeichert wird“, so Rasch.

Pauken im Schlaf. Kann das gut sein?

Wer seinem Gedächtnis, zum Beispiel beim Lernen von Vokabeln noch besser auf die Sprünge helfen will, setzt sich vor dem Schlafengehen Kopfhörer auf und lauscht während des Schlummerns neuen Wörtern. Besonders gut funktioniert das, wenn Sie die Wörter vorab schon kennen . Außerdem lernt Ihr Gehirn kurz nach dem Einschlafen am besten, weil es dann noch aufnahmefähig ist. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihr Denkorgan im Schlaf nicht überfordern – also nicht das halbe Vokabelheft in einer Nacht hören. Die Tiefschlafphasen dienen der Erholung – in diesem Ruhezustand nehmen Sie sowieso nichts auf. Wie wirkungsvoll das Pauken im Schlaf tatsächlich ist, wissen die Wissenschaftler nicht so genau, da sie bislang nur Ergebnisse aus dem Schlaflabor haben. Dort hat es aber tatsächlich funktioniert.

Erstaunliche Erkenntnisse über das Lernen im Schlaf

Bis vor kurzem ging man davon aus, dass man die Inhalte kennen muss, die man im Schlaf lernen will. In einer brandneuen Studie haben Schlafforscher jetzt aber etwas Erstaunliches herausgefunden. Unser Gehirn kann auch im unbewussten Zustand neue Inhalte aufnehmen. Eine allgemeine Empfehlung für das nächtliche Pauken wollen die Wissenschaftler aber nicht geben. Bislang weiß nämlich keiner, welche Auswirkungen es hat.

Wer keine Lust hat, sich abends mit Kopfhörern ins Bett zu legen, um die Schule auch noch mit unter die Decke zu nehmen, kann ganz einfach seine Schlafgewohnheiten verbessern. Regelmäßige Schlafzeiten sind für eine erholsame Nachtruhe enorm wichtig. Auch die Schlafdauer sollte ausreichend sein. Wie viel Schlaf Sie brauchen, um aufnahmefähig in den nächsten Tag zu starten, müssen Sie selbst herausfinden. Erwachsene sollten aber schon zwischen sieben und neun Stunden pro Nacht selig schlummern. Außerdem ist ein kurzer Mittagsschlaf sehr zu empfehlen, um wieder fit an den Schreibtisch zu gehen.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.