Erasmus+ nach dem Brexit

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Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU naht, doch wie geht es eigentlich mit dem Programm Erasmus+ nach dem Brexit weiter? Ganz sicher weiß das noch niemand, aber wir erklären Ihnen die möglichen Szenarien.

Update 2. April 2019:

Nachdem sich das Britische Parlament auf keine Austrittsmöglichkeit hatte einigen können, wurde Theresa May und ihrer Regierung ein Aufschub von der EU gewährt: Das neue Austrittsdatum ist der 12. April 2019. Der Brexit steht also schon wieder unmittelbar bevor. Bei keiner der zahlreichen Abstimmungen über verschiedene Varianten der Scheidung von der Europäischen Union wurde bisher eine Mehrheit erreicht.

Einigen sich die Abgeordneten nicht bis zum Stichtag, droht wieder der ungeordnete Austritt oder eine weitere Aufschiebung. Diese hätte allerdings zur Folge, dass Großbritannien Ende Mai an der Europawahl teilnehmen muss.

14. Februar 2019:

Am 29. März 2019 ist es soweit: Die Briten trennen sich von der Europäischen Union, doch immer noch ist der Austritt nicht geregelt. Trotz vieler Verhandlungsrunden und Diskussionen kamen Brüssel und London zu keinem Ergebnis, das erläutert, wie es danach weitergeht. Das heißt, auch über internationale Projekte wie Erasmus+ lässt sich bisher keine eindeutige Aussage treffen

Sollte es bis Ende März kein Übereinkommen zwischen EU und Großbritannien geben, wird das gefürchtete No-Deal-Szenario eintreten. Dabei wird vieles, das Schnittpunkte mit dem Vereinigten Königreich aufweist, unübersichtlich und einige Gesetzeslücken, welche bisher durch das EU-Gesetz geregelt wurden, tauchen plötzlich auf. Großes Wirrwarr wird es dann sicherlich auch bei Austauschprogrammen geben.

Brexit-Szenario eins: Übergangsabkommen mit der EU

Gelingt es Premierministerin Theresa May, bis zum Austritt ein Abkommen mit den Unterhändlern aus Brüssel zu erarbeiten, das ihr eigenes Parlament ebenfalls annimmt, wird es eine Übergangsphase geben. Diese können Unternehmen und Organisationen nutzen, um Projekte, Produktionen, Verträge und so weiter auf die baldige neue Situation umzustellen. Bisher ist das nicht möglich, weil keiner genau weiß, ob und wie sich die einzelnen Vorschriften und Bestimmungen ändern werden.

Laut Klaus Fahle, dem Leiter der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung, werden Projekte mit Großbritannien in diesem Fall bis 2022, eventuell sogar bis 2023, durchführbar sein. Auszubildende könnten also so lange mit Erasmus+ das britische Leben entdecken. Zusätzlich ist es sehr wahrscheinlich, dass es bis dahin neue Regelungen gibt, die Schülern den Besuch des Vereinigten Königreichs weiterhin ermöglichen.

Brexit-Szenario zwei: „No Deal“

Den harten Ausstieg Großbritanniens aus der EU will eigentlich niemand – trotzdem rückt diese Möglichkeit immer näher und wird zusehends wahrscheinlicher. Beim sogenannten „No Deal“ sind die Briten ab dem 29. März 2019 nicht mehr Teil der Europäischen Union. EU-Gesetze greifen nicht mehr, die Grenzen sind nicht mehr offen, Zölle werden erhoben und alle internationalen Programme stehen auf wackeligen Beinen. Hierbei wäre Erasmus+ nach dem Brexit in Gefahr.

Beim harten Austritt kann es sein, dass Projekte, die in Großbritannien stattfinden, nicht mehr förderfähig wären. Das heißt, für Erasmus+ würden die Gelder fehlen. Eine alternative Möglichkeit wäre allerdings, dass laufende Programme durchaus abgeschlossen werden können, aber keine neuen starten. Wie es letztendlich aussehen wird, kann man leider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Die Zukunft von Erasmus+

Ob Schüler, Auszubildende und Studenten weiterhin in das beliebte Austauschland reisen dürfen und zu welchen Bedingungen, steht also leider noch nicht fest. Dennoch gibt es für junge Menschen noch genug Möglichkeiten, mit Erasmus+ Auslandserfahrungen zu sammeln. Die EU ist groß und zahlreiche spannende Gastländer warten darauf, entdeckt zu werden. Auch dort kommen Sie größtenteils mit Englisch weiter oder lernen vor Ort eine neue Sprache. Für Ihre beruflichen Aussichten wird die Erfahrung mit Erasmus+ nach dem Brexit definitiv weiterhin lohnenswert sein.

Autor

Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.