Im Gespräch mit Marie Kugler: Fremdsprachenkorrespondent*innen sind überall auf der Welt gefragt

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In einer globalisierten Welt öffnen Fremdsprachen Türen zur Arbeitswelt internationaler Unternehmen. In der Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in erlernen Schülerinnen der Euro Akademie mehrere Sprachen, kombiniert mit wirtschaftlichem Fachwissen in nur zwei Jahren. Wir haben mit der Leiterin der Euro Akademie Mainz über die Ausbildung, Berufschancen und eine Fremdsprache gesprochen, die den meisten erstmal Angst macht.

Die Euro Akademie Mainz bietet seit vielen Jahren die Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in an. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem Beruf?

Marie Kugler, Leiterin der Euro Akademie Mainz

Als Fremdsprachenkorrespondent*in kann man überall auf der Welt, in vielen verschiedenen Branchen arbeiten: Von einem internationalen Modelabel in London bis zum Auswärtigen Amt – unsere Absolvent*innen sind auf dem ganzen Globus tätig. Die Besonderheit liegt in der Kombination aus wirtschaftlichem Know-how und vielfältigen Fremdsprachenkenntnissen in drei bis vier Fremdsprachen.

Heute gibt es digitale Tools zum Übersetzen von Texten. Wie verändert sich dadurch die Arbeit der Fremdsprachenkorrespondent*innen?

Kaum. Die digitalen Tools dienen Fremdsprachenkorrespondent*innen eher als Hilfsmittel und sind kein Ersatz für ihre Tätigkeit. Die Hauptaufgabe der Fremdsprachenkorrespondent*innen liegt auch nicht im Übersetzen von Texten. Die Aufgaben sind vielseitig und umfassen alle Anwendungsbereiche der Fremdsprachen in Kombination mit kaufmännischem Wissen. Durch die kompetenten Sprachkenntnisse der Fremdsprachenkorrespondent*innen müssen diese beispielsweise in einem Meeting nicht erst nach der Übersetzung von Vokabeln suchen, sondern haben sie gleich professionell parat.

Worauf legen Sie an der Euro Akademie besonderen Wert in der Ausbildung?

Eine Affinität für Fremdsprachen muss vorhanden sein. Darüber hinaus legen wir einen großen Wert auf Toleranz gegenüber jeder Kultur.

Jeder hatte in der Schule mindestens eine Fremdsprache – nicht immer ist viel hängen geblieben von gepaukten Vokabeln und mühsam erlernter Grammatik. Die Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in dauert nur zwei Jahre. Wie vermitteln Sie Ihren Schüler*innen in dieser Zeit solide Fremdsprachenkenntnisse, damit diese Unternehmen in der Kommunikation mit internationalen Geschäftspartnern kompetent vertreten können.

Alle Unterrichtsthemen werden mit einem Bezug zur Wirtschaft vermittelt. Wenn wir beispielsweise ein Rollenspiel durchführen, ist nicht ein Kinobesuch Thema, sondern die Teilnahme an einem Meeting. Darüber hinaus wird der Unterricht von Beginn an in der jeweiligen Fremdsprache gehalten.

Gibt es eine Fremdsprache, die während der Ausbildung vermittelt wird, vor der die Schüler*innen besonderen Respekt haben?

Ja, vor Französisch „fürchten“ sich einige Schüler und Schülerinnen bei Beginn der Ausbildung. Da wir jedoch einen Grundkurs für Anfänger*innen und einen Leistungskurs für Schülerinnen und Schüler mit Vorkenntnissen anbieten, ist sichergestellt, dass keine Über- oder Unterforderung in dieser Sprache stattfindet. Darüber hinaus versteht es unsere muttersprachliche Französischlehrkraft, jede*n Schüler*in für Französisch zu begeistern. Es ist jedes Jahr eine Freude, als Vorsitzende des Prüfungsausschusses an den mündlichen Prüfungen teilzunehmen und die starke Lernprogression in den Fremdsprachen „live“ mitzuerleben.

Was sollten junge (oder auch ältere) Menschen mitbringen, wenn sie ein*e gute*r Fremdsprachenkorrespondent*in werden möchten?

Spaß am Erlernen von Fremdsprachen und keine Scheu davor, sie anzuwenden. Neugier an neuen Herausforderungen, denn ein*e Fremdsprachenkorrespondent*in ist unter Umständen nicht immer am gleichen Ort tätig.

Gibt es die Möglichkeit, während der Ausbildung ein Praktikum im Ausland zu machen? Und wie können Sie Ihre Schüler*innen dabei unterstützen?

Ein Praktikum empfehlen wir immer, zwischen dem ersten und zweiten Jahr der Ausbildung in den Sommerferien zu absolvieren. Wir können erste Kontakte zu unseren Partnern im europäischen oder internationalen Ausland für unsere Schüler*innen herstellen. Auch bei der Erstellung der Bewerbung in der Fremdsprache unterstützen wir die Schülerinnen und Schüler. An unserer Akademie finden jährlich CareerDays statt. Hier erhalten unsere Schüler*innen ein internationales Bewerbertraining und haben die Möglichkeit, an Gastvorträgen von Partnern, zum Beispiel der Euro Akademie Würzburg oder dem Auswärtigen Amt teilzunehmen.

In welchen Berufsfeldern sind die staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondent*innen nach der Ausbildung zu finden?

In allen! Durch die vielseitigen Fremdsprachenkenntnisse, gepaart mit kaufmännischen Kompetenzen, gibt es kaum Brachen, in denen ein*e Fremdsprachenkorrespondent*in nicht eingesetzt werden könnte.

Wie sieht es aus, wenn Ihre Schüler*innen immer noch wissensdurstig sind und weitere berufliche Abschlüsse erwerben wollen? Welche Möglichkeiten gibt es, sich weiter zu qualifizieren?

Wir bieten an der Akademie in Mainz ein vielseitiges Programm an Fort- und Weiterbildungen an, vom weiterführenden Sprachkurs bis zum Betriebswirt. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit unseren Partnerakademien in Würzburg und Bamberg zusammen. Dort können unsere Absolvent*innen bei Bedarf die Ausbildung zum*zur Dolmetscher*in und Übersetzer*in machen oder Übersetzung als weiterführende Qualifikation erwerben.

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Kugler!

Bildquelle Beitragsbild: © Red monkey/shutterstock.com

Sie möchten mehr über die Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in erfahren? Hier gibt’s weitere Informationen über die Ausbildung an 10 Standorten deutschlandweit!

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.