Inklusion – von der Kita bis zum Berufsleben

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Inklusion bedeutet nicht Integration in bestehende Strukturen. Für eine echte Inklusion müssen sich die Bedingungen in Kindergärten, Schulen und am Arbeitsplatz ganz selbstverständlich auch an den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderung orientieren. Wie so oft, klafft hier eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Am 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. An diesem Tag soll die Situation behinderter Menschen in der Gesellschaft besondere Beachtung finden. In den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan: Rollstuhlfahrer stehen an Bahnhöfen nicht mehr vor einer unüberwindbaren, steilen Rolltreppe und für sehbehinderte Menschen gibt es an jeder Ampel ein haptisches Signal. Trotzdem sind wir, was die Gleichstellung und Teilhabe behinderter Menschen betrifft, noch lange nicht am Ziel.

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist 2008 in Kraft getreten. Sie stärkt die Rechte für Menschen mit Behinderung, die – unabhängig von körperlichen oder geistigen Einschränkungen – ein gleichberechtigtes und möglichst unabhängiges Leben führen können sollen.

Inklusion – Ausnahme statt Regelfall

Um Menschen mit Behinderung voll und ganz in die Gesellschaft zu inkludieren, ihnen die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu bieten wie Menschen ohne Behinderung, dürften Erfahrungs-, Lern- und Arbeitsräume nicht voneinander getrennt sein. Solange Inklusion in Kindergärten, Schulen, in Ausbildung, Studium und am Arbeitsplatz eine lobenswerte Ausnahme ist – und nicht die Regel – nehmen Menschen mit Behinderung eine Sonderposition ein.

Inklusion in der Kita – Herausforderung und Bereicherung

Die Kita ist der erste Erfahrungsraum außerhalb der Familie. Hier kommen Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit verschiedenen Nationalitäten und kulturellen Hintergründen zusammen. Hier lernen sie Toleranz und Sozialverhalten. Kinder, die bereits in diesen jungen Jahren mit Menschen mit Handicap in Berührung kommen, werden den Kontakt später als selbstverständlich empfinden.

Für Erzieher stellt die Inklusion oft eine große Herausforderung im Arbeitsalltag dar. Viele haben keine zusätzliche inklusionspädagogische Qualifikation und der Betreuungsschlüssel ist eng. Hier sind Heilerziehungspfleger eine gute Ergänzung im Kita-Team. Doch nicht nur die Personalsituation ist entscheidend – für Kinder mit einer körperlichen Behinderung müssen alle Bereiche des Kindergartens frei zugänglich sein, also barrierefrei.

Inklusion in der Schule – zwei Lehrer in einer Klasse

Auch in der Schule steht und fällt die Inklusion von Menschen mit Behinderung mit den personellen Kapazitäten und den räumlichen Gegebenheiten. Werden Kinder mit Förderbedarf an einer Regelschule unterrichtet, muss der Fachlehrer Unterstützung durch einen Sonderpädagogen bekommen. Viele Eltern befürchten, das Lernpensum könnte unter Klassenkameraden mit Förderbedarf leiden.

Durch spezielle Arbeitsblätter und Gruppenarbeiten kann das Lerntempo aber individuell angepasst werden, die Schüler lernen zu kooperieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Im besten Fall ist das ein Gewinn für alle Beteiligten.

Inklusion im Beruf – mehr Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt

Raus aus den Werkstätten, rein in den regulären Arbeitsmarkt – das schaffen viele Menschen mit Behinderung nicht. Die Hürden, einen „normalen“ Job zu bekommen, sind teilweise groß. Menschen mit Behinderungen brauchen länger, bis sie eine Arbeitsstelle bekommen. Die Arbeitslosenquote ist deutlich höher als beim Rest der Bevölkerung.

Wer einmal in seinem Leben, beispielsweise aufgrund einer psychischen Erkrankung, in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet hat, bleibt zu 99 Prozent auch dort. Da die Mitarbeiter als erwerbsgemindert gelten, ist der Lohn entsprechend gering: Das monatliche Arbeitsentgelt betrug 2016 im Durchschnitt 180 Euro. Werkstätten sind wichtig, keine Frage. Als Arbeits- und Identifikationsort für Menschen, die sehr viel mehr Unterstützung brauchen als andere, die ihre Aufgaben aufgrund ihrer Behinderung nicht selbstständig durchführen können. Für alle anderen wäre eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Selbstbestimmung.

Inklusion beginnt im Kopf. Wenn Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich ein Teil unseres Alltags sind, und sie nicht mehr als etwas Besonderes wahrgenommen werden, ist Inklusion gelungen.

 

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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