Stress und Burnout: Kinder brauchen Freizeit

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Maja hat einen vollen Terminkalender: montags Klavierunterricht, mittwochs Ballett, am Donnerstag geht sie zur Nachhilfe und freitags zum Englischkurs. Natürlich muss sie auch zur Schule, Hausaufgaben machen, Klavier üben und Vokabeln lernen – viel Zeit zum Spielen, Toben, Entdecken und Nichtstun bleibt da nicht. Maja ist nicht die jüngste Topmanagerin der Welt, sondern ein ganz normales siebenjähriges Mädchen. Trotzdem hat sie mehr zu tun als so manche*r Erwachsene. Welche Folgen hat das für ein Kind? Wirken sich die vielen Aktivitäten positiv auf die Entwicklung aus? Oder verursachen sie Stress und entgehen den Kindern durch die verplante Freizeit am Ende sogar wichtige Lernerfahrungen?

Hobbys dürfen nicht überfordern

Hobbys sind toll und wichtig. Sie machen Spaß und helfen, soziale Kontakte zu knüpfen. Außerdem fördern sie die Entwicklung: Musikunterricht wirkt sich zum Beispiel positiv auf die emotionalen und kognitiven Fähigkeiten aus, Sport schult die Motorik und ist gesund. Aber Hobbys können auch überfordern, wenn sie keinen Spaß machen, mit großem Leistungsdruck verbunden sind oder es einfach zu viele werden. Oft übertragen Eltern ihre eigenen Wünsche auf ihre Kinder. Nur weil Mama früher so gerne Fußball gespielt hat, muss der Sohnemann nicht dreimal pro Woche im Fußballverein lustlos gegen die Bälle treten, wenn er doch eigentlich viel lieber Karate lernen würde. Kinder entwickeln früh ihre eigenen Vorlieben. Diese zu akzeptieren und zu unterstützen ist der beste Weg, das eigene Kind zu einem selbstständigen und glücklichen Menschen zu erziehen.

Frühförderung oder Förderwahn?

Doch auch die spaßigsten Hobbys können Stress verursachen, wenn keine Zeit mehr für andere Dinge bleibt. Die Eltern meinen es ja nicht böse, sie wollen ihre Kinder bestmöglich fördern und ihnen alles ermöglichen. Für jede Freizeitaktivität und Förderungsmaßnahme lassen sich doch Argumente finden. Doch der Förderwahn ist kontraproduktiv: Gerade das freie Spielen, das Entdecken, Ausprobieren und Verstehen, birgt wichtige Lernerfahrungen. Unabhängig von Eltern, Erzieher*innen oder Lehrer*innen können Kinder beim Spielen ihre kognitiven und körperlichen Fähigkeiten schulen und den Umgang mit sozialen Situationen, Erfolg und Misserfolg spielend trainieren. Hobbys sind eine Ergänzung, sollten aber nie den Alltag des Kindes dominieren. Das rät auch die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl von der Universität Koblenz-Landau: „Maximal zwei Nachmittage sollte ein Grundschulkind mit seinem Hobby verbringen. Die restlichen Nachmittage soll es frei gestalten können.“

Stress macht krank

Spielen ist also wichtig für die geistige und körperliche Entwicklung. Es gibt aber noch mehr Gründe, warum Eltern es mit den Freizeitaktivitäten und Fördermaßnahmen nicht übertreiben sollten. Denn der durchgetaktete Alltag kann die Kinder überfordern und im schlimmsten Fall sogar krank machen. Viele Termine – das kennen wir Erwachsene ja nur zu gut – bedeuten nämlich auch viel Stress, selbst, wenn die Aktivitäten an sich eigentlich angenehm sind. Bei Schüler*innen kommen noch die täglichen Hausaufgaben und der Notendruck dazu. Gerade in dieser Altersgruppe hat der ständige Leistungsdruck Folge.Fast Hälfte der Schüler*innen fühlt sich gestresst.Bei einem Drittel äußert sich die Überforderung auch körperlich durch Kopfschmerzen, Schlafprobleme und Panikattacken. Diese klassischen Burnout-Symptome sind wichtige Warnsignale. Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen, die diese Alarmzeichen bemerken, können den Kindern helfen, der Stressspirale zu entkommen – durch Ruhepausen, unverplante Freizeit, gegebenenfalls mit therapeutischer Unterstützung.

Ein Hoch auf die Freizeit

Freizeit bedeutet Freiheit. Ein Kind muss die Welt frei und spielerisch entdecken können, denn nur so kann es sich zu einem selbstständigen, erfolgreichen Erwachsenen entwickeln. Egal ob zu Hause, in der Kita oder in der Schule, lassen wir die Kinder fantasievolle, kreative, nicht perfekte aber ganz wunderbare Kinder sein – erwachsen werden sie noch früh genug.

Kinder sind ganz wunderbare kleine Menschen, das macht die Arbeit mit ihnen so erfüllend. Unsere Ausbildungen im Bereich Pädagogik & Soziales finden Sie hier.

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.