Krank zur Arbeit? Warum Präsentismus so gefährlich ist

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Nicht nur in Zeiten, in denen uns der Coronavirus den Atem – und die Nudeln aus den Supermarktregalen – nimmt, ist es gefährlich, krank zu Arbeit zu gehen. Warum das so ist, und wann Sie besser zu Hause bleiben sollten, erfahren Sie jetzt.

Ihre Kollegin niest behände in ihre Ellenbeuge. Allergien hat sie keine, dafür aber eine richtig dicke Erkältung. Außerdem hört sich das Husten inzwischen eher wie das Kläffen eines ausgewachsenen Dobermanns als eine menschliche Regung an – und das nun schon seit über zwei Wochen. Warum aber schleppt sich Ihre Kollegin denn zur Arbeit, wenn es ihr so gar nicht gut geht? Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) von 2016 ging knapp die Hälfte aller abhängig Beschäftigten im Jahr 2015 eine Woche und länger zur Arbeit, obwohl sie sich „richtig krank gefühlt haben“.

Warum gehen Menschen überhaupt krank zur Arbeit?

Weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben
Gerade Menschen, die über Zeitarbeitsverträge beschäftigt sind, scheuen sich davor, zu Hause zu bleiben. Zeitarbeit und befristete Verträge befördern also den Präsentismus.

Aus Rücksicht auf Kolleg*innen
In einem guten Team kann man sich aufeinander verlassen. Sobald einer in der Abteilung krank wird, bleibt es nicht aus, dass die Kolleg*innen Arbeiten, die nicht warten können, übernehmen müssen. Aus Pflichtgefühl kommt der eine oder die andere dann eben doch mit größeren gesundheitlichen Beschwerden zur Arbeit.

Weil sie es zu Hause nicht aushalten
Manche Menschen sind einfach nicht gerne in den eigenen vier Wänden. Das kann an einer schrecklichen Wohnung liegen, an familiären Problemen oder einem Einsamkeitsgefühl, das spätestens nach mehr als 24 Stunden zwischen Couch und Bett auftritt.

Weil Sie Angst vor dem „Danach“ haben
Ganz klar, wenn Sie krank sind und nicht zur Arbeit gehen können, bleibt in den meisten Fällen einiges liegen. Viele Berufstätige haben Angst davor, dass sie Liegengebliebenes bei der Wiederkehr übermannt und sie dann unter der Last der Aufgaben zusammenbrechen.

Weil Krankheit in der Unternehmenskultur nicht vorgesehen ist
Wenn Mitarbeiter*innen das Gefühl haben, Krankheit wird in einem Unternehmen als Schwäche angesehen, wird man es sich drei Mal überlegen, sich einen gelben Zettel beim Arzt zu holen. Auch Bemerkungen des Chefs oder der Chefin hinter dem Rücken des oder der Erkrankten öffnen dem Präsentismus Tor und Tür.

Darum sollten Sie den Präsentismus abstellen

Denken Sie an Ihre Kolleg*innen
Wer krank zur Arbeit kommt, erspart den Kolleg*innen zusätzliche Aufgaben. Allerdings ist die Gefahr groß, dass sie sich bei Ihnen anstecken und dann ebenfalls ausfallen. Präsentsimus kann also den Kolleg*innen gesundheitlich und dem Unternehmen wirtschaftlich schaden.

Wer krank ist, kann nicht klar denken
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Fieber haben? Genau, wie in eine dicke Wolke gehüllt. Ihr Körper läuft auf Hochtouren, voll konzentriert auf die Abwehr schädlicher Eindringlinge. Für klare Gedanken ist in dieser Zeit kein Platz. Fehler bei der Arbeit sind in diesem Zustand vorprogrammiert. Auch bei akuten Schmerzen ist es nicht ratsam, sich an den Arbeitsplatz zu quälen. Sie sind nämlich immer ein Alarmzeichen des Körpers, das Sie von Ihrem Arzt abklären lassen sollten. Bei chronischen Schmerzen sieht das etwas anders aus, aber dazu gleich mehr.

Schlimmere Folgeerkrankungen durch Präsentismus
Jede Krankheit ist eine Störung körperlicher oder geistiger Funktionen oder des Wohlbefindens. Ignorieren wir sie, verschwindet sie auch manchmal. Wenn wir uns aber immer wieder übergehen und nicht auf uns achten, schaden wir damit unserer Gesundheit nachhaltig. Aus akuten Erkrankungen können chronische Krankheitszustände werden, die uns lange oder gar für immer begleiten

Wie kann man dem Präsentismus ein Ende setzen?

Durch Gute Vorbilder
Gerade Führungskräfte sollten ein Vorbild sein und nicht zur Arbeit kommen, wenn sie krank sind. Wenn es im Unternehmen zum guten Ton gehört, auch mit dem Kopf unter dem Arm zur Arbeit zu kommen, traut sich niemand, zu Hause zu bleiben

Durch gelebte Achtsamkeit
Wenn Unternehmen achtsam mit ihren Mitarbeiter*innen umgehen, werden diese automatisch auch selbst mehr auf sich achten. Das hat positive Auswirkungen auf die Mitarbeiterzufriedenheit, vermeidet Burn-outs und schafft generell eine persönlichere und bessere Atmosphäre im Unternehmen. Aber was heißt eigentlich Achtsamkeit in der Arbeitswelt? Verständnis statt Druck. Erholungsmöglichkeiten statt Hamsterrad.

Durch klare Regelung der Krankheitsvertretung
Der Druck sinkt, wenn man weiß, dass das laufende Projekt einer wichtigen Kundin vorrübergehend von dem Kollegen weiterbetreut werden kann. Und die liegengebliebene Arbeit verringert sich enorm.

Bei der nächsten dicken Erkältung denken Sie also daran: Es hilft weder Ihnen, noch Ihren Kolleg*innen, wenn Sie schniefend und hustend am Arbeitsplatz herumhängen. Bleiben Sie zu Hause und kurieren sich aus. Damit Sie fitter und leistungsfähiger als je zuvor wieder an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Darüber freut sich dann auch Ihr*e Chef*in.

Bildquelle Beitragsbild: © RomarioIen/shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.