Die Qual der Wahl: leichter Entscheidungen treffen

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Elliot war ein erfolgreicher Unternehmer. Tagtäglich musste er Beschlüsse fassen, die über die Zukunft seiner Firma entschieden. Bis sich sein Leben schlagartig änderte. Wegen Kopfschmerzen ging Elliott zum Arzt – ein Hirntumor, direkt unter der Stirn. Die Operation verlief problemlos, das Denken und der IQ wurden nicht beeinträchtigt. Trotzdem tauchte der Geschäftsmann kurze Zeit später in der Praxis des Neurologen Antonio Damasio auf. Eliott war nicht mehr fähig, ein normales Leben zu führen: er konnte keine Entscheidungen mehr treffen.

20.000 Entscheidungen treffen wir jeden Tag. Die meisten sind ziemlich unwichtig: Sneakers oder Sandalen? Kaffee oder Tee? Spaghetti oder Penne? Diese Dinge beschließen wir meistens aus dem Bauch heraus, innerhalb von Sekunden, ohne groß darüber nachzudenken. Andere Entschlüsse dagegen verändern unser ganzes Leben. Welche Ausbildung möchte ich machen? Soll ich den Job wechseln? Ist es Zeit für ein Kind? Wie kann man solche wichtigen Entscheidungen treffen – und nachher sicher sein, dass man richtig entschieden hat?

Kopf oder Bauch?

Zurück zu Elliot: der arme Mann konnte nicht mehr schreiben, wenn ihm ein schwarzer und ein blauer Stift zur Auswahl standen. Morgens fuhr er nicht zur Arbeit, weil er zunächst einen Radiosender auswählen musste. Im Restaurant konnte er sich nicht auf ein Gericht festlegen. Jede Handlung, die eine Entscheidung beinhaltete, wurde für ihn unmöglich. Elliott konnte nicht mehr eigenständig leben. Was war passiert? Seine Intelligenz hatte der Patient nicht verloren – stattdessen fehlten ihm die Emotionen. Elliott konnte keine Wahl mehr treffen, weil sich für ihn alles gleich anfühlte. Alles war gleich unwichtig geworden.

Einen völlig rationalen Entschluss können wir also niemals fällen. Gefühle sind kein lästiges Beiwerk, sondern unser Grund, überhaupt zu wählen. Ohne Gefühle würden wir nie zu einem Ergebnis kommen. Und meistens hat man ja schon eine Grundtendenz, eine Option, die sich einfach besser anfühlt. Dieser Intuition darf man auch ruhig mal vertrauen. Vielleicht wissen Sie ja insgeheim schon, was die bessere Wahl ist und haben bisher nur nicht gewagt, auf Ihren Bauch zu hören.

Die Generation Maybe

Wir haben heute wunderbar viel Auswahl: Ein Regal voller unterschiedlich duftender Deos in der Drogerie, sage und schreibe 19.000 verschiedene Studiengänge in Deutschland und eine Vielzahl potentieller Flirtpartner auf Tinder und Co. Mehr Auswahl bedeutet aber auch mehr Entscheidungen. „The Paradox of Choice“ nennt Psychologe Barry Schwartz das Phänomen. Wir denken, dass wir besonders frei sind – schließlich stehen uns alle Möglichkeiten offen. In Wirklichkeit führt ein zu großes Angebot aber zu Stress. Vielleicht wäre eine andere Option doch passender gewesen? Der Druck, immer bestmöglich wählen zu müssen, macht uns auf Dauer kaputt.

Der erste Schritt bei der Entscheidungsfindung ist es also, die Alternativen einzuschränken. Machen Sie sich zunächst klar, welche Optionen auf keinen Fall in Frage kommen. Außerdem sollten Sie die Erwartungen an sich selbst nicht zu hoch setzen. Nicht jede Entscheidung ist perfekt – das muss sie aber auch gar nicht sein. Oft sind es gerade die „falschen“ Entschlüsse, die neue Wege eröffnen und unser Leben spannender machen.

Keine Angst vor der Entscheidung

Ein schwieriger Entschluss ist oft lähmend. Man grübelt, wägt Für und Wider ab, aber handelt nicht. Die Angst vor der falschen Entscheidung wird immer größer. In diesem Fall muss man sich klar machen, dass es die schlechteste Alternative ist, den Beschluss hinauszuzögern. Am besten setzen Sie sich einen festen Termin, an dem Sie sich entschieden haben müssen. Außerdem: Nichts ist endgültig. Wenn Sie jetzt eine Ausbildung beginnen, können Sie danach immer noch studieren. Klappt es nach dem Abschluss nicht mit der Weltreise, können Sie ein Sabbatjahr einlegen oder einen Beruf suchen, in dem man herumkommt. Einen Job kann man wechseln, das Auto verkaufen. Manchmal muss man einfach machen und mit Leidenschaft und Elan hinter der Sache stehen. Trauen Sie sich, dann werden Sie die Entscheidung auch nicht bereuen.

Eine Mindmap kann die Entscheidung erleichtern

Helfer bei der Entscheidungsfindung

Wenn Sie partout zu keinem Ergebnis kommen, gibt es natürlich einige Tricks, um die Alternativen abzuwägen. Klassisches Beispiel ist die Pro-Contra-Liste. Hier können Sie beide Optionen direkt miteinander vergleichen und schon durch die Anzahl der Punkte eine Hilfe bekommen. Gibt es mehr als zwei Möglichkeiten, hilft der Entscheidungsbaum. Wie beim Turnierbaum beim Fußball „kämpfen“ immer zwei Alternativen gegeneinander – bis im Finale der Gewinner feststeht. Bei sehr komplexen Themen können Sie eine Mindmap anlegen. Sie starten in der Mitte, bei der Entscheidung, die Sie fällen müssen. Von dort aus zeichnen Sie für jede Alternative einen Ast. Aus diesen Ästen wachsen wieder kleinere Verzweigungen: positive und negative Resultate, die der Entschluss haben könnte. So können Sie immer tiefer in die Thematik eintauchen und die Folgen Ihrer Entscheidung verdeutlichen. Egal welche Methode Sie wählen – wichtig ist es, die Möglichkeiten zu visualisieren. Meistens hilft allein das, eine gute Wahl zu treffen.

Autor

Anna Rüppel

Seit April 2019 macht Anna Rüppel den Auszubildenen das Leben ein bisschen leichter – mit Tipps und Neuigkeiten zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.