Männer, lasst euch nichts einreden. Werdet Erzieher!

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Erzieher sind vor allem eines: weiblich. Auch 2019 noch. Das überschaubare Gehalt in diesem anspruchsvollen pädagogischen Beruf ist ein Grund dafür. Ein anderer wird nur ungerne offen ausgesprochen: Männer, die Kinder betreuen, werden oft erstmal misstrauisch beäugt. Dabei sind sie für Kitas eine große Bereicherung.

Valentin wusste schon in der 8. Klasse der Realschule, dass er später einmal mit Kindern arbeiten möchte. Er ist jetzt 16 Jahre alt und steht kurz vor seinem Schulabschluss. Erfahrungen in der Betreuung von Kindern hat er schon in zwei Praktika des örtlichen Kindergartens gesammelt. Doch seit einiger Zeit plagen ihn Zweifel an seiner Berufswahl.

Seine Eltern sind nicht wirklich begeistert vom Berufswunsch Erzieher. Vor allem die Bezahlung macht ihnen Sorgen. „Wie willst du mit diesem Gehalt später mal eine Familie ernähren?“ Diese Frage hat er nun schon öfter gehört. Sie nervt ihn ziemlich – doch ganz freimachen kann er sich nicht von den Bedenken, die eigentlich die anderen haben.

Das Gute-KiTa-Gesetz verspricht bessere Bezahlung

Momentan tut sich was in Sachen besserer Bezahlung. Familienministerin Giffey hat den Erziehern ab 2019 bessere Gehälter in Aussicht gestellt. Die Investitionen durch das „Gute-KiTa-Gesetz“, bei dem der Bund 5,5 Milliarden Euro bis 2022 locker macht, sollen sich nämlich auch auf dem Gehaltszettel der Erzieher bemerkbar machen.

Der Männeranteil in der frühkindlichen Betreuung ist zwar in den letzten Jahren langsam gestiegen, liegt aber immer noch bei überschaubaren fünf Prozent. Wobei die Großstädte wie Hamburg und Berlin da klar die Nase vorne haben. Auch das Programm für diejenigen, die beruflich nochmal umsatteln möchten, „Quereinstieg: Männer und Frauen in Kitas“, soll mehr Männer zu einer Zweitausbildung als Erzieher bewegen.

Kinder brauchen Männer als Vorbild

Nein, wir wollen hier keine Klischees bedienen. Von wegen Männer spielen besser Fußball oder Frauen können schöner basteln. Hier geht es um was ganz anderes. Kinder verbringen zwischen ihrem zweiten und sechsten Lebensjahr einen großen Teil ihrer Zeit unter der Woche in der Kita. Sind dort nur weibliche Ansprechpartner, fehlt ein wichtiger Part im Alltag: der männliche.

Männer sind bestimmt nicht mutiger oder von Haus aus handwerklich begabter als Frauen, aber sie gehen oft anders mit den Kindern um. Aus Erfahrungsberichten hört man immer wieder, dass männliche Erzieher geduldig abwarten, bis auch das letzte Kind seine Gummistiefel angezogen hat. Ohne einzugreifen. Die Erziehung zur Selbstständigkeit könnte also durchaus als männliche Stärke gesehen werden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch die Fähigkeit mit Aggressionen umzugehen, beherrschen Männer häufig besser als Frauen. Hier sind sie oft die kompetenteren Ansprechpartner, die klare Regeln aufstellen und diese auch durchziehen.

Gerade ein Junge kann eine weibliche Person nur bedingt als Vorbild haben. Natürlich lassen sich bestimmte Werte vermitteln, gibt es Regeln, die von allen pädagogischen Fachkräften vermittelt werden können. Das Lernen vom Anderen passiert aber vor allem durch das Beobachten. Kinder schauen sehr genau hin, wie sich ihre Bezugspersonen verhalten. Und Männer agieren nun mal anders als Frauen.

Vorsicht Rollenklischees!

So wichtig Teams aus verschiedenen Geschlechtern sind, eine Falle haben Erzieher selbst immer wieder beobachtet: Sobald eine männliche Fachkraft in der Gruppe ist, übernehmen die Frauen eher die Aufgaben, die traditionell als weiblich gesehen werden und die Männer zum Beispiel eher die handwerklichen Dinge. Hier gilt es, genau hinzusehen und die Klischees aufzubrechen. Jeder sollte seinen Talenten entsprechend verantwortlich sein für bestimmte Aufgaben, nicht aufgrund seines Geschlechtes. Eine bewusst genderneutrale Erziehung ist gerade in gemischten Teams sehr gut möglich. Wächst ein Kind in einer Familie mit traditionellen Rollenmustern auf, kann es in der Kita erkennen, dass das auch anders laufen kann. Und dass es zum Beispiel nicht unmännlich ist zu putzen, zu kochen und zu basteln.

Wären da nicht diese heimlichen Bedenken

Männer im Erzieherberuf haben immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Schlagzeilen von Missbrauchsfällen männlicher Betreuungspersonen in Kirche, Schule und Kita lösen Ängste bei den Eltern aus. Wichtig ist es, mit diesen Bedenken offen umzugehen und sie nicht unter den Tisch zu kehren. Es gibt wirkungsvolle Schutzkonzepte für verschiedene Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Eine Aufgabe der Kitas ist es, Kinder zu selbstbewussten Menschen zu erziehen. Erzieher ermuntern ihre Schützlinge, die eigene Meinung kundzutun, ihre Wünsche und Beschwerden zu formulieren und sie vor anderen zu vertreten. Das ist der beste Schutz vor Missbrauch. Egal an welchem Ort.

Die Kita ist ein Ort des Vertrauens – für Kinder und Eltern. Die allermeisten sind begeistert von den engagierten Männern in Kitas. Sie zeigen den Kindern die Welt auf ihre Art und Weise – und genau deshalb werden sie dringend gebraucht. Und den männlichen Erziehern macht das Arbeiten mit dem Nachwuchs richtig viel Spaß.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.