„Sagen Sie mir, wer das war!“ – Datenschutz und Elternarbeit im Kita-Alltag

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Konflikte kommen überall vor, wo Menschen aufeinandertreffen – und das ist auch gut so! Pädagogische Fachkräfte betrachten sie vor allem als Chance, sich weiterzuentwickeln und soziale Kompetenzen zu schärfen.

Auskunft unmöglich!

Herausfordernd kann es für uns als Erzieher*innen dann werden, wenn erwachsene Unbeteiligte in den Konflikt eingreifen möchten. Schon mehrfach haben wir Situationen wie diese erlebt: In der Kita wird ein Kind von einem anderen verletzt. Aufgeregt wollen die Eltern oder Bezugspersonen des verletzten Kindes nun erfahren, was genau passiert ist und vor allem: wer das war! Dann müssen wir eine Antwort geben, die erstmal absurd erscheint:

„Aus Datenschutzgründen darf ich Ihnen dazu leider keine Auskunft geben.“ Den Eltern fällt es oft schwer, dafür in einer bereits emotional aufgeladenen Situation Verständnis aufzubringen.

Professionalität zeigen

Wir nahmen den Austausch zu unseren Erfahrungen darüber zum Anlass, uns einmal genau mit Datenschutz und Elternarbeit zu beschäftigen. Vor allem wollten wir einen Weg aufzeigen, wie wir als pädagogische Fachkräfte professionell mit dieser Herausforderung umgehen können, und über unsere Hintergründe aufklären.

Auch Kinder haben Persönlichkeitsrechte

Warum gibt es diese Einschränkung überhaupt? Hier geht es in erster Linie um die Persönlichkeitsrechte von Kindern. Sie dienen dazu, alle Kinder zu schützen – auch wenn eine gewaltsame oder gar körperliche Auseinandersetzung stattgefunden hat.

Personenbezogene Daten mit derartig sensiblen Angaben, die für die Betroffenen zu einer Diskriminierung führen könnten, dürfen nicht oder nur unter beschränkten Voraussetzungen erhoben, gespeichert oder an Dritte weitergegeben werden. Insbesondere sind Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen gemäß § 203 StGB zur Verschwiegenheit verpflichtet und machen sich sogar strafbar, wenn sie „unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbaren“, das ihnen anvertraut wurde. Aber auch für Erzieher*innen kann dies ernste arbeitsrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Das Ziel: erfolgreiche Erziehungspartnerschaft für alle

Okay – aber ist das Bedürfnis, das eigene Kind zu beschützen und vor weiteren Angriffe zu bewahren, nicht auch nachvollziehbar? Definitiv! Die größtmögliche Zusammenarbeit mit allen Eltern und Bezugspersonen ist ein wichtiges Element in unserer täglichen Arbeit und liegt uns sehr am Herzen. Dazu gehört, dass wir die Sorgen der Bezugspersonen ernst nehmen und auf sie eingehen. Viele von uns kennen diese Sorgen und Ängste auch aus der eigenen Elternrolle. Jedoch darf eine gute Beziehung und entsprechende Vertraulichkeit niemals dazu führen, dass Informationen herausgegeben werden, die nicht herausgegeben werden dürfen! Erfolgreich wird eine Erziehungspartnerschaft mit Bezugspersonen dann, wenn wir gemeinsame Ziele verfolgen, nach Gewinn für alle Parteien streben und uns auf Augenhöhe und in respektvollem Umgang austauschen können.

Auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass alle erwachsenen Bezugspersonen das als aggressiv wahrgenommene Kind zur Rede stellen würden, passiert dies im Kita-Alltag immer wieder. Oft kommt es in der Aufregung zu Wahrnehmungs- und Beobachtungsfehlern und das betroffene Kind wird nur noch negativ gesehen, weil die markante Situation alles andere „überstrahlt“.

Als Pädagog*innen ist es jedoch unsere Aufgabe, den Schutz aller Kinder zu gewährleisten. Beide Kinder, das verletzte und das handgreiflich gewordene Kind, müssen geschützt werden und es liegt in unserer Verantwortung, hier präventive Arbeit zu leisten.

Konfliktlösung mit dem Kind

Die Regelungen zum Datenschutz helfen uns in diesem Fall insbesondere dabei, die Konfliktsituation professionell lösen zu können – also die emotionale Auseinandersetzung zwischen Erwachsenen und fremden Kindern zu verhindern und es den Kindern zu ermöglichen, ihre sozialen Kompetenzen untereinander optimal einzusetzen und zu erweitern. Aus dem Fachdiskurs wissen wir, dass Kinder die Möglichkeit brauchen, eigene Ideen und Lösungswege zu finden. Wir unterstützen sie darin, indem wir sie ernst nehmen und aktiv an der Konfliktlösung beteiligen. Denn nur wenn Kinder durch Partizipation erleben, dass sie diese Prozesse selbst mitgestalten können, erweitern sich ihre sozialen Kompetenzen und sie lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen.

Prävention und frühzeitige Aufklärung

Wie also können wir mit solchen Herausforderungen konkret und professionell umgehen? Wir finden es wichtig, auch in der Gemeinschaft mit Eltern und Bezugspersonen präventiv zu arbeiten. Es ist unverzichtbar, über die inhaltlichen Gründe für diese Regelungen frühzeitig aufzuklären, damit Datenschutz nicht nur als übertriebene Konformität, Blockade oder gar Provokation angesehen wird. Es geht hier um ein wichtiges Kinderrecht! Das sollte selbstverständlich auch in der Konzeption der Kita seinen Platz haben und von uns pädagogischen Fachkräften regelmäßig im Team reflektiert werden.

Text: Erzieher*innen der berufsbegleitenden Abschlussklasse EZB 18-2 und ihr Dozent Moritz Steiauf von der Euro Akademie Berlin

Bildquelle Beitragsbild: © altanaka/shutterstock.com

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