Von wegen als Sozialassistent arbeiten nur Frauen!

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Immer noch sind es vor allem Frauen, die sich für die Ausbildung zum Sozialassistenten entscheiden. Dabei ist die Freude an der Arbeit mit Menschen gar keine typisch weibliche Eigenschaft.

Der vierjährige Valentin steht in der Puppenwohnung und versucht verzweifelt der Babypuppe Hose und Pullover anzuziehen. „Kann ich dir helfen, Valentin?“, fragt Sebastian, der neue Auszubildende zum Sozialassistenten in einer Berliner Kita. Lange hat er überlegt, ob er diesen Beruf ergreifen soll, nach einem Praktikum im Kindergarten seines Wohnortes war aber klar, er möchte diese pädagogisch-pflegerische Ausbildung starten – das ist genau sein Ding.

Anzahl der Männer in sozialen Berufen steigt

Männer haben es nicht immer leicht, wenn Sie sich für einen sozialen Beruf entscheiden, da sie immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Die Arbeit in der frühkindlichen Pädagogik und pflegerische Tätigkeiten sind für viele schlichtweg immer noch „Frauensache“.

Dabei gibt es eine positive Tendenz in deutschen Kitas – laut der Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ ist die Zahl der männlichen Mitarbeiter zwischen 2006 und 2017 von 11.006 auf 34.381 angestiegen. Knapp sechs Prozent aller Sozialassistenten, Kinderpfleger, Erzieher, Praktikanten und Freiwilligendienstler im Bereich der frühkindlichen Betreuung sind also heute männlich. Von den empfohlenen 20 Prozent Männeranteil in Kitas bis 2020 sind wir trotzdem noch weit entfernt.

Warum die Ausbildung zum Sozialassistenten?

Als Auszubildender zum Sozialassistenten können Sie in verschiedene pädagogische und pflegerische Arbeitsbereiche reinschnuppern. Sie haben die Möglichkeit, Praktika in der Altenpflege zu absolvieren, im Kindergarten pädagogisch tätig zu sein oder Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag zu unterstützen.

Die Freude an der Arbeit mit Menschen ist weder weiblich noch männlich – sie ist menschlich. Deshalb sollten sich Männer keinesfalls von irgendwelchen alten Klischees daran hindern lassen, einen pflegerischen oder pädagogischen Beruf zu ergreifen, um beispielsweise Sozialassistent zu werden.

Männliche Vorbilder braucht die Kita!

Männer sind wichtig im Alltag von Kindern – auch außerhalb der Familie. Klar, auch Frauen spielen Fußball, sind handwerklich begabt und können prima klettern. Sie tun es aber auf andere Art und Weise als männliche Zeitgenossen. Die meisten Männer halten zum Beispiel mehr aus, wenn es um gefährliche Situationen geht – sie lassen die Kinder auch mal zwei Stufen höher klettern. Dafür sind weibliche Pädagogen oft einfühlsamer und beobachten das Verhalten der Kinder ganz genau.

Fest steht, Kinder brauchen weibliche und männliche Vorbilder für eine gesunde Entwicklung. Rollenklischees haben in Kitas, in denen Frauen und Männer ganz selbstverständlich die gleichen Dinge tun, keine Chance. Und wieso sollten Männer weniger Freude daran haben, neue Spiele in der Kita zu kreieren, Entwicklungsgespräche mit Eltern zu führen oder Konflikte zu schlichten?

Auch im pflegerischen Bereich finden Männer als Sozialassistent ihre Erfüllung, wenn sie gerne mit älteren Menschen zu tun haben, sich für medizinische Themen interessieren oder mit Angehörigen pflegebedürftiger Menschen über Maßnahmen zur Erhaltung der Selbstständigkeit sprechen.

Sichere Zukunft – auch für Männer

Wenn Sie eine Ausbildung in einem sozialen Beruf absolvieren, haben Sie später sicher keine Probleme bei der Stellensuche. Sie können sich die Institution oder das Unternehmen aussuchen, bei dem Sie arbeiten möchten – und den Arbeitsort gleich dazu.

Orientieren können sich Jungs am alljährlichen Boys‘ Day, 2011 ins Leben gerufen. Er bietet Jungs ab der 5. Klasse über 200.000 Plätze zur Berufsorientierung. Dieser Tag soll sie ermutigen, sich Berufe in denen überwiegend Frauen arbeiten, einmal näher anzusehen. Wie der Girls‘ Day soll auch er zu einer Berufswahl ohne Geschlechterbarrieren beitragen. Übrigens: 27 Prozent der Teilnehmer am Boys‘ Day können sich nach diesem Schnuppertag vorstellen, einen Beruf in einem weiblich dominierten Berufszweig zu ergreifen.

 

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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