Was hilft der Altenpflege? – Ergebnisse einer aktuellen Umfrage

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Neue Gesetze zur Stärkung der Pflege und das Sofortprogramm der Bundesregierung sollen die Situation in der Pflege verbessern und entsprechende Berufe attraktiver machen. Das Medienhaus Vincentz Network und die Fachzeitschrift Altenpflege befragten 720 Angestellte stationärer Einrichtungen, wie sie ihre aktuelle Arbeitssituation beurteilen und was wirklich wichtig wäre, um neue Kräfte zu gewinnen.

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist schon lange nicht mehr kleinzureden. Die Politik reagierte darauf in den letzten Jahren mit Pflegestärkungsgesetzen, einem neuen Pflegeberufegesetz und einem Sofortprogramm.

Soweit die Theorie. Doch wie wirken sich die Maßnahmen bisher auf den Alltag der Pflegekräfte aus? Vincentz Network und die Fachzeitschrift Altenpflege befragten in ihrer Online-Umfrage „Altenpflege im Fokus 2018“ im September und Oktober 2018 720 Beschäftigte stationärer Einrichtungen dazu.

Fakten zum Sofortprogramm

Im Sofortprogramm der Bundesregierung sind für die Altenpflege kurzfristig 13.000 neue Stellen vorgesehen. Die Pflegeversicherung bezuschusst die Digitalisierung, die die Fachkräfte ebenfalls entlasten soll. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Altenpflege soll sich (zudem) verbessern.
Die 13.000 zusätzliche Stellen sind ein wichtiger Schritt, aber sie reichen bei Weitem nicht aus, um den Fachkräftemangel auch nur halbwegs aufzufangen. Mittlerweile fehlen laut spiegel.de rund 80.000 Beschäftigte alleine in deutschen Krankenhäusern. In der Altenpflege kommen Tausende dazu – Tendenz stark steigend.

Pflegestärkungsgesetz: Mehr Arbeit – individuellere Pflege

In der Altenpflege sind sich die Pflegekräfte weitgehend einig: 97 Prozent der Befragten sagten, dass die Maßnahmen des Pflegestärkungsgesetzes II Mehrbelastungen im Arbeitsalltag mit sich gebracht haben. Dieses ist die größte Reform in diesem Bereich seit Einführung der Pflegeversicherung. Aus drei Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade. Damit soll die Pflegebedürftigkeit individueller festgestellt werden können. Menschen mit Demenz haben jetzt auch ein Anrecht auf Pflege. Außerdem sollen Pflegebedürftige länger zu Hause versorgt werden.

Bewohner mit den Pflegegraden 1 und 2 verschwinden dadurch zunehmend aus den stationären Pflegeeinrichtungen. Der Grad der Pflegebedürftigkeit der einzelnen Bewohner – und damit der Pflegeaufwand – ist in Seniorenheimen also gestiegen. Wesentlich mehr Personal gibt es bislang leider nicht.
Die Pflegestärkungsgesetze hatten vor allem zum Ziel, Pflegebedürftige besser zu versorgen. Das 2020 in Kraft tretende Pflegeberufegesetz soll vor allem Vorteile für das Pflegepersonal bringen, um den Fachkräftemangel in Grenzen zu halten.

Neue Ausbildung zum Pflegefachmann ab 2020

Die Reform der Ausbildungen soll die Berufe in der Kranken- und Altenpflege moderner und attraktiver machen. Ab 2020 gibt es die generalistische Pflegeausbildung, in der alle angehenden Pflegekräfte gemeinsam unterrichtet werden. Alle Auszubildenden erwerben in den ersten beiden Jahren Wissen aus der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege. Im letzten Jahr kann man sich auf den allgemeinen Abschluss zum Pflegefachmann vorbereiten oder zwischen der Spezialisierung Altenpflege und Kinderkrankenpflege wählen.

Vorteile der generalistischen Ausbildung:

  • Pflegekräfte sind durch die generalistische Ausbildung flexibler, was die Wahl ihres Arbeitsplatzes angeht. Das dürfte viele Arbeitgeber dazu motivieren, höhere Löhne zu zahlen und die Arbeitsbedingungen durch mehr Personal zu verbessern.
  • Ein neues Pflegestudium soll außerdem die Möglichkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten ermöglichen.
  • Der generalisierte Abschluss wird EU-weit anerkannt.
  • Das Schulgeld entfällt und die Auszubildenden bekommen eine Ausbildungsvergütung.

Wunschberuf Altenpflege – das muss passieren:

Über 70 Prozent der befragten Pflegekräfte halten den Ausbau medizinischer Kompetenzen in der Ausbildung für notwendig, um der neuen Bewohnerstruktur gerecht zu werden. Auch in den Bereichen Prävention und Beratung wünschen sich viele mehr Know-how.

Alleine ein höherer Verdienst reicht laut Umfrage nicht aus, um den Beruf so attraktiv zu machen, dass mehr Menschen sich für die Ausbildung zum Altenpfleger entscheiden. Auch die Arbeitsbedingungen müssen sich durch einen höheren Personalschlüssel verbessern. Dann hätten die Pflegekräfte stationärer Einrichtungen mehr Zeit für die Bewohner, könnten auf ihre Bedürfnisse eingehen und auch Ansprechpartner und Begleiter für die Senioren sein. In der Umfrage gaben 94 Prozent der Befragten an, zu wenig Zeit für die Belange der Bewohner zu haben.

Damit die Würde auch im Alter unantastbar bleibt

Pflege beinhaltet nämlich mehr, als Menschen unter Zeitdruck zur Toilette zu begleiten und sie im Schnelldurchlauf zu füttern. Pflege ist eine soziale und anspruchsvolle Tätigkeit, die den ganzen Menschen in seiner Persönlichkeit wahrnimmt, mental begleitet und physisch unterstützt. Damit die Würde des Menschen auch im Alter unantastbar bleibt, braucht es gut ausgebildete Fachkräfte mit Fingerspitzengefühl – und vor allem Zeit.

 

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.