Weihnachten international – Teil II

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Schnuppern Sie in das Weihnachten international hinein: Wann wird überhaupt gefeiert? Gibt es überall einen Christbaum? Und was geschieht über die Feiertage in Ländern, die gar nicht größtenteils christlich sind?

Bereits vergangene Woche haben wir Ihre interkulturelle Kompetenz mit Weihnachtsbräuchen rund um den Globus geschult. Erneut waren daraufhin Teilnehmer*innen an unterschiedlichen Standorten der Euro-Schulen eifrig am Schreiben. Mit dem, was sie in den Deutsch- und Integrationskursen gelernt haben, vermitteln sie Ihnen die typischen Bräuche in ihrem Heimatland. Tauchen Sie also ein letztes Mal vor den Feiertagen in völlig anders geartete Weihnachtsfeste ein!

Von Lernenden an den Euro-Schulen Düsseldorf

Zaineb aus dem Irak

„95 Prozent der irakischen Bevölkerung sind Muslime. Die wenigen Christen im Land entzünden am Heiligabend Freudenfeuer vor ihren Häusern. Brennt das Feuer vollständig nieder, verheißt das für die Familie Glück. Die Kinder lesen biblische Geschichten, während die anderen Kerzen halten und die Szene beleuchten.

In der Kirche trägt der Geistliche ein rotes Kissen mit einer Figur des Christkindes. Danach segnet er einen der Gläubigen durch eine kurze Berührung. Die Berührung wird nun unter den Gläubigen weitergegeben, so lange bis jeder in den Genuss des Segens gekommen ist.“

Daniela aus Rumänien

„Weihnachten ist in Rumänien ein Fest mit zahlreichen Bräuchen. Auf Rumänisch heißt Weihnachten ‚Crăciunul‘ und es ist das wichtigste Fest des Jahres. Weihnachten in Rumänien ist ein Familienfest und alle kommen zusammen und feiern. Das Weihnachtsfest beginnt an Heiligabend – ‚Ajunul Crăciunului‘ – wenn der Tannenbaum dekoriert wird. Aber die Geschenke werden meistens erst am Morgen des 25. Dezember ausgepackt.

Ein wichtiger Punkt der rumänischen Weihnacht sind die ‚Colindători‘, singende Kinder, welche schon Tage vor Weihnachten von Haus zu Haus ziehen und traditionelle rumänische Lieder singen und alles Gute für Weihnachten und das neue Jahr wünschen. Dafür werden die Sänger und Sängerinnen mit Süßigkeiten, Brezeln, Obst und manchmal auch mit Geld belohnt.

In Maramureș, einer Region in Rumänien, tragen die Kinder auch traditionelle Kleidung.

Außerdem ist es üblich, dass eine Person als Ziege mit einer bunten Maske verkleidet ist. Diese Ziege ist bekannt als ‚Capra‘, hüpft herum und stellt Unfug an.

Das Essen ist ein großer Bestandteil jedes rumänischen Feiertags, aber besonders wichtig ist es an Weihnachten. Als Vorspeise werden ‚Sarmale‘ (Kohlrouladen) mit ‚Mămăligută‘ (Polenta) gegessen. Danach gibt es auch Schweinefleisch oder Pute und den sogenannten ‚Salata bœuf‘. Zum Nachtisch gibt es zahlreiche Gebäcke, Kuchen und Torten. Der rumänische Weihnachtskuchen ‚Cozanac‘ (ein Sandkuchen mit Nüssen oder Mohn) und ‚Gogși‘ (rumänischen Donuts) dürfen nicht fehlen.“

Unbekannt aus Syrien

„Normalerweise feiern die meisten Familien in Syrien an Weihnachten. Zum Beispiel haben wir zu jeder Weihnacht unser Haus dekoriert. Ungefähr einen Monat vor Beginn des neuen Jahres gehen wir jeden Tag nachts zum Markt und zu den alten Straßen, um die wundervolle Aussicht zu genießen. Wie ich erwähnen möchte, schmücken Organisationen jedes Jahr zu Weihnachten einen großen Baum mitten auf dem Stadtmarkt. Es ist der größte Weihnachtsbaum im Nahen Osten.

Als wir noch dort waren, haben wir mit der ganzen Verwandtschaft gefeiert. Jede Familie brachte eine Mahlzeit oder Süßigkeiten und etwas anderes mit. An diesem Tag blieben wir bis zum Morgen wach, sprachen miteinander, hatten Spaß und lachten zusammen.

Das Schönste war, als wir auch mit drei Familien aus der christlichen Gemeinde gefeiert haben und zusammen Feuerwerk gemacht haben. Danach sind wir mitten auf den Markt spazieren gegangen, der voll mit den schönsten Lichtern war.

Es gibt in Syrien einen großen Berg, der heißt Quasiyon Berg. Von der Spitze des Gipfels, zünden Menschen wunderbare Feuerwerke – es ist ein sehr wunderbarer Anblick. Außerdem gibt es viele Wettbewerbe, bei denen sich Menschen Belohnungen verdienen können. Es gibt auch eine Lotterie, bei der man gewinnen kann.

Dies sind unsere Kultur und dies ist meine wundervolle Stadt, von der ich hoffe, dass sie so wie sie war zurückkehren wird.“

Von Lernenden an den Euro-Schulen Gransee

Malvina aus Bulgarien

„In meinem Land bringt Weihnachten eine magische Atmosphäre mit sich. Es bringt viele Familien zusammen, die die Harmonie genießen und auf bessere Tage in der Zukunft hoffen. Ein Baum ist genauso typisch wie verschiedene Geschenke zu machen. Am 6. Dezember freuen sich die Kinder auf die Ankunft des Nikolaus.

Die Zubereitung eines besonderen Abendessens ist in meinem Land Tradition. Menschen kochen und dienen Freunden und Verwandten. In vielen Geschäften gibt es spezielle Süßigkeiten für die Weihnachtszeit. Die Leute gehen am 24. in die Kirche.

Frohe Weihnachten an alle.“

David aus Armenien

„In Armenien wird Weihnachten seit sehr langer Zeit gefeiert. Armenien führte als erstes Land der Welt im Jahr 301 das Christentum als Staatsreligion ein. In Armenien wird Weihnachten am 6. Januar gefeiert.

Am Abend des 5. Januar gehen die Menschen in die Kirche zum Gottesdienst. In der Kirche zünden sie Kerzen an und tragen sie nach Hause. Diese Kerzen symbolisieren den Stern von Bethlehem, der den Zauberern half, den neugeborenen Jesus zu finden.

Die Armenier setzen sich um 24 Uhr am 5. Januar an den Festtisch und beginnen zu feiern. Auf dem Festtisch muss unbedingt ein Fisch sein.“

Vanessa aus Südafrika

„Meine Weihnachtswoche beginnt normalerweise am 16. Dezember in Südafrika. Wir bereiten unser Zuhause mit einem Weihnachtsbaum und Dekorationen vor.

Am 24. Dezember haben wir ein Familienessen zusammen. Danach bereiten wir uns darauf vor, eine Mitternachtsmesse zu besuchen.

Normalerweise bin ich verantwortlich dafür, alles für unsere Mitternachtsmesse in unserer Kirche vorzubereiten. Ich war der Hauptsakristan und zuständig für alle Dinge vor allen großen Kirchenfesten.

Danach gehen wir nach Hause und geben unseren Familienmitgliedern Geschenke. Es gibt Essen und heiße Getränke. Den nächsten Tag verbringen wir mit der Familie und Freunden.“

Fateme aus Afghanistan

„Wir feiern Weihnachten nicht in Afghanistan. Aber jetzt bin ich in Deutschland und feiere dieses Fest jedes Jahr mit meiner Familie. Meine Tochter und ich machen leckeren Kuchen und schmücken unser Haus.

Ich liebe diese Feier sehr.“

Josphine aus Kenia

„So machen wir es in der Weihnachtszeit: Wir holen Luftballons in das Haus. Wir schmücken das Haus, bevor wir in die Kirche gehen, um zu feiern, dass Jesus geboren wurde.

Wir machen ein Feuerwerk und kochen.

Außerdem haben wir Krippen geschmückt, um uns daran zu erinnern, wo Jesus geboren wurde. Und während dieser Weihnachtszeit wurden so viele Menschen wiedergeboren.“

Yvonne aus Kenia

„Wir machen die Feier am 24. Dezember mit der Familie, Freunden und Nachbarn. Wir essen und trinken. In der Nacht müssen wir in die Kirche gehen und wenn es 0 Uhr ist, machen wir ein Feuerwerk.

Am 25. Dezember müssen viel Essen kochen und wir essen zusammen zu Mittag. Am Mittag gehen wir raus – vielleicht ins Kino, an den Strand, in den Park oder auch in den Club. Der 26. heißt ‘Boxing day’. Wir machen und gegenseitig Geschenke und warten auf Silvester.“

Elsie aus Kenia

„Jedes Jahr am 20.12. fahren wir mit der ganzen Familie ins Dorf. Wir sind bei unserem Cousin eingeladen. Am 23. ist das Weihnachtsfest für Kinder. Wir bringen für sie sogar ein Planschbecken mit.

Am 25. morgens helfen sich die Älteren gegenseitig beim Kochen verschiedener Gerichte. Danach essen wir zusammen, hören Musik und am Abend beginnt die Party: Wir trinken Wein und anderen Alkohol und unterhalten uns. Am 31. Dezember gehen wir in die Kirche und gehen erst spät nach Hause.“

John aus Nigeria

„In Nigeria feiern wir Weihnachten zusammen als eine Familie und essen gemeinsam. Weihnachten in Nigeria ist wie eine große Party, für die man eine Kuh tötet. Die Familie isst davon.“

Joanna aus Polen

„Eine Woche vor Weihnachten wir ein Weihnachtsbaum gekauft. Der 24. Dezember ist Heiligabend. Mit der ganzen Familie sitzen wir am Tisch, wenn der erste Stern leuchtet (17- 18 Uhr). Es müssen zwölf Gerichte auf dem Tisch liegen. Zum Beispiel Pierogi mit Kohl und Pilzen, Karpfen, Hering, viele Fische und kein Fleisch.

Geschenke werden nach dem Abendessen überreicht. Dann werden Weihnachtslieder gesungen. Um Mitternacht gibt es eine Mitternachtsmesse in der Kirche. Über die nächsten zwei Tage besucht man die Familie, sitzt zuhause und entspannt sich.“

Anna aus Moldawien

„Wir feiern Weihnachten am 25. Dezember. Aber manche feiern auch am 7. Januar. Am selben Tag erhalten die Kinder Geschenke. Bis heute schmücken die Menschen ihre Häuser und treffen sich, um zu feiern. Menschen gehen zum Tempel und zu ihrer Kirche und verehren Gott. Wir mögen diesen Tag wirklich. Er ist etwas Besonderes für uns.“

Beitragsbild: esthermm / shutterstock.com

Autor

Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.