Weltentdecken Teil I: So frühstückt die Welt

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Wenn die Tage kürzer werden, wächst die Zeit zum Lesen, Kochen und Verwöhnen. Der ideale Zeitpunkt also für unsere Serie „Weltentdecken“, die in den nächsten Wochen jeden Donnerstag im Euro Akademie Magazin erscheinen wird. Im ersten Teil starten wir mit einem besonderen Schmankerl: mit Frühstücksgepflogenheiten aus aller Welt.

Was gibt es Schöneres als ein ausgiebiges Frühstück mit leckerem Rührei, einer kleinen Käseauswahl und einer selbstgemachten Erdbeermarmelade? Würden wir diese Zutaten allerdings einer Familie in Südindien kredenzen, wären uns verwunderte Blicke sicher. Denn überall auf der Welt startet man natürlich anders in den Tag. Und weil das echt spannend ist und wir Lust auf Abenteuer haben (auch ohne in den Flieger steigen zu müssen), haben wir uns frühstücktechnisch einmal quer über den Globus begeben. Auf diese Weise können wir das Fernweh wenigstens bei der ersten Mahlzeit des Tages stillen. Überrascht eure Liebsten doch mal mit einem levantinischen Frühstück oder echten russischen Syrniki!

Unsere Vorlieben für bestimmte Geschmacksrichtungen und Lebensmittel sind zum Großteil erlernt. Zeit, endlich mal wieder was Neues zu wagen und die Geschmacksknospen schon beim Frühstück mit aufregenden, exotischen Aromen zu stimulieren. Das japanische Frühstück beispielsweise gilt als eines der gesündesten der Welt. Am syrischen Frühstückstisch werden Vegetarier und Veganer begeistert sein und die russische Morgenmahlzeit lässt Sie garantiert nicht magenknurrend zurück.

Japan – mit einem warmen Bauch in den Tag

Zu einem traditionell japanischen Frühstück gehören Suppe, Reis, Tofu, eingelegtes Gemüse und gegrillter Fisch. In unseren Breitengraden sind diese Zutaten ja eher zum Mittag- oder Abendessen zu erwarten, für Japaner*innen ist die warme Mahlzeit am Morgen etwas ganz Gewöhnliches. Das ist übrigens auch in anderen asiatischen Ländern, wie beispielsweise in China, so Tradition.

Die ersten Frühstücke mit Suppe, Gemüse und Co. sind vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig – mit einem warmen und leicht verdaulichen japanischen Frühstück dürfte einem beschwingten und energiegeladenen Start in den Tag aber nichts mehr im Wege stehen. Die Zutaten für ein typisch japanisches Frühstück und viele weitere Informationen über die japanische Lebensart findet ihr auf japanliebe.de.

Indien – scharfer Start in den Tag

Eine einheitliche indische Küche gibt es nicht. Während beispielsweise in Nordindien Fleischgerichte sehr beliebt sind, ist Südindien für seine scharfen, meist vegetarischen Gerichte bekannt. Wer gerne frühstückt, wird vor allem im Süden des Landes sein kulinarisches Frühstücksglück finden.

In Südindien liebt man Idli, Küchlein aus Reismehl und dazu eine scharfe Linsensoße, die Sambar heißt. Außerdem gibt es Dosa, hauchdünne Pfannkuchen aus Reis- und Bohnenmehl, die gerne mit einem fruchtigen Chutney verzehrt werden. Bis auf stark gezuckerten Kaffee und Tee gibt es kaum etwas Süßes.

In vielen indischen Familien sitzt man zum Essen übrigens nicht am Tisch, sondern im Schneidersitz auf dem Boden und genießt das Essen mit der rechten Hand. Die Linke wird dabei nicht genutzt, da sie zur Körperreinigung (auch nach dem Toilettengang) eingesetzt wird und deshalb als unrein gilt. Statt auf Tellern wird die Mahlzeit auf Bananenblättern serviert, die nach dem Essen ganz einfach entsorgt werden können. Ob es geschmeckt hat oder nicht, sieht man daran, wie das Blatt gefaltet ist. Leckere indische Rezepte gibt es auf der Seite wo-der-pfeffer-waechst.de.

Levantinisches Frühstück – Koch-Mix der Kulturen

Levante heißt die Region des östlichen Mittelmeers. Dort befinden sich die Länder der aufgehenden Sonne: du Soleil Levant. Dazu gehören beispielsweise Syrien, Libanon, Jordanien, Israel und Palästina.

Die Levante-Küche, eine der ältesten der Welt, hat in den letzten Jahren gewaltig an Aufmerksamkeit gewonnen. In allen größeren Städten gibt es inzwischen Restaurants, die die typischen Mezze (kleine Gerichte aus der arabischen Küche) mit Zutaten wie Kichererbsen (die Grundlage von Hummus), Joghurt, Auberginenpaste und Bulgur anbieten. Die Levante-Küche ist fleischarm und gemüsereich mit einer großen Vielfalt an Gewürzen. Also ziemlich gesund, klimafreundlich und schnell zubereitet.

In Israel mag man zum Frühstück Shakshuka. Das sind in einer Tomatensoße versunkene Eier.

Ein typisch libanesisches Morgenmahl ist das Foul, ein herzhaftes Gericht aus Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln und Petersilie, das im gesamten arabischen Raum gern gegessen wird.

Das Syrische Frühstück ist ebenfalls überwiegend vegetarisch und das typische dünne Fladenbrot darf – wie bei allen anderen Mahlzeiten – nicht fehlen. Beliebt sind in Syrien auch Joghurt und Käse aus Schafs- oder Kuhmilch. Als Getränk am Morgen gibt es einen süßen schwarzen Tee mit frischer Minze, Zitrone oder mit Walnüssen im Teeglas.

Finnland – süße Ohrfeigen und schneller Puuro

Finnische Ohrfeigen machen glücklich. So heißen nämlich die leckeren Zimtschnecken (Korvapuusti) übersetzt. Wie überall in Skandinavien isst man das kleinen Teilchen aus Hefeteig in allen Lebenslagen und zu jeder Tageszeit. Das traditionelle Gebäck unterscheidet sich weniger im Geschmack als vielmehr in der Form von der schwedischen Variante, die wir alle aus einem dem skandinavischen Möbelhaus kennen.

Wer richtig traditionell finnisch Frühstücken möchte, muss unbedingt Puuro probieren, eine Art Porridge. Dabei wird Wasser mit Haferflocken und etwas Salz aufgekocht, Milch, Obst und Honig oder Zucker zugegeben und fertig ist der Brei. Für Liebhaber*innen bissfester Kost gibt es eine echte und zuckerfreie Alternative zu Pancakes und klassischen Pfannkuchen: finnische Kartoffelfladen. Perunarieska (so heißen die Fladen auf Finnisch) werden aus Kartoffelbrei, Mehl und Salz gebacken. Dazu schmeckt einfach nur Butter oder auch Lachs.

Lust auf echte nordische Küche? Auf mahtava.de finden Sie viele Rezepte – von Dänemark über Finnland bis Litauen.

Russland – Frühstück für alle, die Bäume ausreißen wollen

Das traditionelle russische Frühstück heißt Avtrák und ist nichts für Verfechter*innen der leichten und fleischarmen Küche. Mit Würstchen, Bratkartoffeln, Rühreiern, Pfannkuchen (Blini) und Syrniki (Quarkpfannkuchen) sind sie dem amerikanischen Morgenmahl gar nicht so unähnlich – da dürften die Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen aber auch schon enden. Wer es zum Start in den Tag lieber nicht ganz so handfest mag, greift zu Kascha, einem Brei mit Milch und Buchweizen, Hafer, Gerste oder Roggen.

So, meine Syrniki sind fertig – Weltentdecken macht ganz schön hungrig! Wir lesen uns nächste Woche wieder, wenn es heißt: „Weltendecken Teil 2“.

Bis dahin: frühstückt schön!

Bildquelle Beitragsbild: © Rawpixel.com /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.