FOMO: Die Angst, etwas zu verpassen

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Mein Leben ist langweilig. Am Wochenende liege ich mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher und den Urlaub verbringe ich gerne auf Balkonien. Mein Feierabend besteht meistens aus sehr unglamourösen Dingen: Wäsche waschen, den Müll rausbringen, in Jogginghose die neusten Serien streamen. Eigentlich bin ich damit sehr zufrieden – bis ich mir die Social-Media-Beiträge meiner Freunde anschaue: Paula tanzt auf dem hippen Festival, Julian trampt durch Australien und Denise schlürft wieder Cocktails auf irgendeiner Trauminsel mit unberührtem Sandstrand. Wenn ich durch mein News-Feed scrolle, fühle ich mich schlecht. Ein klarer Fall von FOMO. The Fear of Missing Out, also die Angst, etwas zu verpassen, wird auch als die erste Social-Media-Krankheit bezeichnet. Denn dort werden wir besonders häufig mit dem ach so tollen und spannenden Leben unserer Mitmenschen konfrontiert.

FOMO gab es schon immer

Die Angst, etwas zu verpassen, ist nichts Neues – und in Maßen ganz normal. Jeder kennt doch das Gefühl, wenn die anderen Kinder draußen spielen durften und man selbst musste krank das Bett hüten. Oder die Party, für die man selbst noch zu jung war und von der die älteren Freunde noch wochenlang geschwärmt haben. Sich manchmal ein bisschen ausgeschlossen zu fühlen ist nicht verwerflich, besonders nicht als Kind oder Teenager. Problematisch wird es aber, wenn das Gefühl überhandnimmt und das eigene Leben bestimmt. In den sozialen Medien sind wir ständig damit konfrontiert, was die Anderen erleben und wie viel spannender, glamouröser und aufregender ihr Alltag ist. Dass die natürlich auch nur die besonderen, interessanten Momente teilen, ist uns meistens gar nicht klar.

Wir sind Herdentiere

Doch woher kommt diese Angst? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein paar Jahre zurückgehen – so ungefähr 2,6 Millionen. Die Menschen lebten in kleinen Gruppen zusammen, gingen gemeinsam auf die Jagd, sammelten Beeren und Wurzeln. Zwei Ziele verfolgten sie instinktiv: zu überleben und sich zu vermehren. Sich zurückzuziehen und nicht mehr an den Stammesaktivitäten teilzunehmen war keine Option, denn alleine konnte man sich nicht durchschlagen. Die Angst, von der Gruppe ausgeschlossen und verstoßen zu werden, liegt also tief in uns verwurzelt. Und wer konnte seine Gene am ehesten weitergeben? Der Mann, der den größten Bären erlegte, die Frau mit den schönsten Zähnen oder der angesehene Stammesführer – die Stärksten, Gesündesten und Mächtigsten.  Uns mit anderen zu vergleichen liegt uns also auch in den Genen – wir können es nie ganz abschalten.

FOMO: Die Angst, etwas zu verpassen
FOMO: The Fear of Missing Out

Gesundheitsschäden

Heute leben wir nicht mehr in Kleingruppen, stattdessen ist die Welt für uns viel größer geworden. Online sind wir mit durchschnittlich 190 Personen befreundet – das sind mehr Kontakte, als ein Steinzeitmensch in seinem gesamten Leben hatte. Deshalb kann ein Instinkt, der mal überlebenswichtig war, uns heute schaden. Denn das ständige Vergleichen führt zu Dauerstress: Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten und im schlimmsten Fall sogar Depressionen können die Folge von FOMO sein.

JOMO ist das neue FOMO

Was kann man also gegen FOMO tun? Ein paar Grundregeln liegen auf der Hand: nicht ständig die Social-Media-Kanäle checken, das Smartphone auch mal zu Hause lassen und sich klar machen, dass niemand ein perfektes Leben führt. Oder man nutzt den neuen Trend: JOMO. The Joy of Missing Out, also die Freude, etwas zu verpassen, legt den Fokus auf das eigene Wohlbefinden. Wer sich entscheidet, ganz bewusst nichts zu tun, kann der FOMO-Falle entgehen. Einfach mal abschalten und sich eine Atempause gönnen. Und wenn die Batterien aufgeladen sind, ist immer noch Zeit für die Party, das Festival oder die Traumreise – aber nicht aus Angst, etwas zu verpassen, sondern weil es Sie glücklich macht.

Autor

Anna Rüppel

Seit April 2019 macht Anna Rüppel den Auszubildenen das Leben ein bisschen einfacher – mit Tipps und Neuigkeiten zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.