Grippeimpfung zu Pandemie-Zeiten

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Es naht der Herbst. Es naht die Grippe. Erste Stimmen für und gegen eine Influenza-Impfung werden schon laut. 2020 gießt die Corona-Pandemie zusätzlich Öl ins Feuer der alljährlichen Debatten.

Alle Jahre wieder führt Deutschland Diskussionen über nötige Grippe-Impfungen, die Schwere der kommenden Welle und die Gefahren besonders schlimmer Krankheitsverläufe. Die Besonderheit der Schniefnasenzeit 2020 ist natürlich Corona.

Seit Anfang des Jahres verlangt uns das Covid-19-Virus einiges ab – gesundheitlich genauso wie im privaten Umfeld, im Beruf und was die eigene finanzielle Sicherheit betrifft. Wenn sich nun das Grippevirus dazugesellt, lässt sich eine Verschlechterung der Situation bereits erahnen.

Überlastung der Labore durch Corona und Grippe

Doch was genau sollte dieses Jahr anders sein? Wenn eine gefürchtete neue Welle an Corona-Ausbrüchen über die Bundesrepublik kommt und sich in den Krankenhäusern ein Fall an den nächsten reiht, wird es eng für schwere Grippeverläufe. Oder andersherum. Allerdings zeigten die Fernsehbilder im Frühjahr – mit wenigen Ausnahmen – eher leere Betten in den Kliniken deutschlandweit als Zustände wie in Bergamo oder New York City. Wir waren gut vorbereitet, hieß es. Übersteigen dann die zu befürchtenden schweren Influenza-Fälle unsere Kräfte?

Das Problem lauert schon bei der Diagnose. Beide Krankheiten zeigen ähnliche Symptome, das heißt Sicherheit bietet nur die Analyse im Labor. Allerdings sind die Mitarbeiter*innen dort bereits jetzt mit der Masse an Tests überlastet. Die Sorge, dass Befunde lange auf sich warten lassen und daher die geeignete Therapie nicht rechtzeitig gestartet wird, ist also berechtigt.

Impfaufruf für Risikogruppen

Vorbeugend wirkt die Grippeschutzimpfung. Die ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts benennt besondere Risikogruppen, denen sie diese Spritze empfiehlt. Dazu zählen Personen über 60 Jahre, chronisch Kranke, Schwangere ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft sowie Beschäftigte in Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheimen. Diese Liste hat sich auch zu Zeiten der Pandemie nicht geändert.

Virenschleuder Kind

Immer wieder kommen beim Thema Grippeschutzimpfung auch die Kinder zur Sprache. Durch engen Kontakt in großen Gruppen wie im Kindergarten oder in der Schule verbreitet sich das Virus besonders schnell. „Ich empfehle allen Eltern, ihre Kinder in diesem Jahr gegen Influenza impfen zu lassen“, sagte daher Prof. Dr. Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, gegenüber der Welt am Sonntag.

Einige Kinderärzt*innen folgen seinem Beispiel und auch Bundesgesundheitsminister Spahn unterstützt diesen Aufruf. Der Hintergedanke ist, die Verbreitung der Grippe zu verlangsamen und abzuschwächen, um das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten.

Begrenzte Menge des Wirkstoffs

Ganz andere Töne stimmt der Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske, gleichzeitig Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), gegenüber dem Tagesspiegel an. Er sieht in Kindern keine „Superspreader“ und daher nicht den geeigneten Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen. Wichtig ist die Impfung der oben genannten Risikogruppen. Sind diese geschützt, können sie auch von Kindern nicht angesteckt werden.

Zudem ist zu bedenken, dass nur rund 26 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Wenn sich tatsächlich alle impfen lassen wollten, denen es empfohlen wird, würde der Wirkstoff bereits nicht mehr ausreichen.

Fazit

Letztlich liegt die Entscheidung für oder gegen einen Grippeschutz bei allen Appellen und Diskussionen doch bei jedem und jeder persönlich. Auch die Frage, ob das eigene Kind geimpft werden soll, kann den Erziehungsberechtigten niemand abnehmen. Machen Sie sich Ihre Gedanken, treffen Sie eine Wahl, zu der Sie stehen, und bleiben Sie gesund!

Bildquelle Beitragsbild: Oksana Kuzmina / shutterstock.com

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Autor

Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.