Heilsame Berührung: Ohne körperlichen Kontakt können wir nicht leben

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Eine herzliche Umarmung, ein intensiver Händedruck, eine sanfte Massage – die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Von der Geburt bis zu unserem Tod ist Berührung lebenswichtig – für Körper, Geist und Seele. Gerade kranke und pflegebedürftige Menschen vermissen häufig körperliche Nähe. Dabei sind achtsame und bewusste Berührungen ein wirkungsvoller Therapieansatz bei Ängsten und Stress.

Ohne Berührung kann ein Mensch nicht leben. Über die Sinnesempfindungen der Haut fühlen wir uns mit anderen Menschen verbunden. Wer kaum noch Berührung erfährt, wird körperlich und emotional krank. Sogar kleine Gesten wie das Auflegen der Hände oder ein kurzes Streicheln über den Arm können ein Wohlgefühl auslösen, senken sogar Blutdruck und Herzfrequenz. Mehr noch: Körperlicher Kontakt beeinflusst die gesamte kindliche Entwicklung, verändert unser Sozialverhalten und stärkt unser Immunsystem. Bei Krebspatient*innen lassen sich die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung lindern. Regelmäßige Massagen führen zu einer Schmerzreduktion, zum Abbau von Ängsten und haben eine prophylaktische Wirkung gegen Depressionen.

Bewegung ersetzt Berührung nicht

Trotz zahlreicher Studien, die die fantastische Wirkung von achtsamer und bewusster Berührung belegen, sind medizinische Massagen in den letzten Jahrzehnten als therapeutische Maßnahme in den Hintergrund getreten. Durch aktive Übungen sollen wir fit und munter bleiben – das muss reichen.

Natürlich ist Bewegung einer der Grundpfeiler für ein gesundes Leben – sie ersetzt aber eben nicht die heilsame Berührung. Gerade in der heutigen Zeit, in der Stress zum Burn-Out führt und nicht nur ältere Menschen unter Vereinsamung leiden, wird jede Berührung zur emotionalen Nahrung.

Doch lange nicht jeder Mensch hat nahstehende Personen um sich herum, die ihn morgens zum Abschied einmal fest in den Arm nehmen oder den Abend mit einer sanften Fußmassage auf der Couch ausklingen lassen.

Was passiert bei Berührung?

In unserer Haut gibt es viele Millionen Berührungsrezeptoren. Damit spüren wir Druck, Wärme, Kälte und Schmerz. Bei Berührung werden Signale von der Haut ans Gehirn übermittelt – und zwar ziemlich differenziert. Ob eine Berührung angenehm und einfühlsam oder mechanisch und lieblos ist, macht nämlich einen großen Unterschied.

Sanfte und langsame Berührungen bauen Stresshormone ab, senken die Pulsfrequenz und verlangsamen die Atmung. Der gesamte Körper entspannt sich, positive Gefühle entstehen. Man braucht keine*n Wahrsager*in, um zu erahnen, wie sich regelmäßige entspannende Berührungen auf den ganzen Körper und Geist eines Menschen auswirken.

Achtsame Berührung in der Pflege

Im Pflegealltag muss es schnell gehen. Dabei wären ein paar Sekunden achtsame Begegnung mit den Pflegebedürftigen oft schon eine große qualitative Verbesserung. Intuitiv machen das viele Pflegekräfte ohnehin schon. Wenn man sich bewusst macht, dass die Qualität einer Berührung oder ein kleiner Moment der Ruhe schon einen positiven Beitrag zum geistigen und körperlichen Wohlbefinden leisten können, fällt die Umsetzung sicher noch leichter. Sobald man das Zimmer des*r Bewohner*in oder des*r Patient*in verlässt, kann der Turbo wieder angeschaltet werden.

Pflegekräfte haben die Möglichkeit, die „Therapeutische Berührung“ zu erlernen, um ein weiteres Instrument für den Pflegealltag in den Händen zu haben. Das Buch „Berührende Pflege – Therapeutic Touch“, erschienen im Springer Verlag, gibt einen fundierten Einblick in Theorie und Praxis der Behandlungsmethode.

Bildquelle Beitragsbild: © Photographee.eu /shutterstock.com


Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.