Mit Virtual-Reality-Brillen noch einmal ans Meer

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Was möchten Sie unbedingt noch einmal sehen, wenn Sie irgendwann nicht mehr leichtfüßig ins Flugzeug steigen können? Vielleicht den Sonnenuntergang am Atlantik oder die Berge des Himalaya? Mit Virtual-Reality-Brillen können Sie überall hinreisen – sogar in die Vergangenheit.

Wenn der größte Teil des Lebens hinter einem liegt und man auf die Hilfe anderer angewiesen ist, sind außergewöhnliche Erlebnisse eine Seltenheit. Zu beschwerlich wäre eine lange Reise in die frühere Heimat, zu kulturell bedeutenden Stätten oder in exotische Länder. Der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen kann da eine große Bereicherung im Alltag von Senioren sein.

Gerade erproben Bewohner eines Pflegeheims in Düsseldorf auf Initiative des Caritasverbandes des Erzbistums Köln die 3D-Brillen. Sie sollen, den körperlich und teilweise auch geistig eingeschränkten Menschen, die Welt wieder zugänglich machen. Das Projekt ist Teil der großen Jahreskampagne „Sozial braucht digital“ des Caritasverbandes.

VR-Brillen: Einmal schnell die Welt anknipsen

Stellen Sie sich vor, Sie sind irgendwann nicht mehr so fit und sitzen die überwiegende Zeit des Tages in einem Rollstuhl. Wie wäre es noch einmal den Ort zu besuchen, an dem Sie als Kind am liebsten waren? Was würde es Ihnen bedeuten, einmal den Grand Canyon zu sehen – obwohl Sie körperlich nicht mehr in der Lage dazu sind, dorthin zu reisen? Genau, es wäre ein großartiges Erlebnis!

Mit Virtual-Reality-Brillen auf der Nase fühlt es sich so an, als wäre man höchstpersönlich an dem ausgewählten Lieblingsort. Bewegen Sie Ihren Kopf, verändert sich der Bildausschnitt, ganz so wie im echten Leben. Das nennt man Head Tracking. Das Eintauchen in neue Welten und das Abtauchen in die Vergangenheit kann Pflegebedürftigen etwas über den Verlust der Mobilität hinweghelfen. Auch im Sinne der Biografiearbeit können diese virtuellen Helfer unterstützend eingesetzt werden – eine Brücke zwischen Vergangenem und der Gegenwart bauen. So können beispielsweise an Demenz erkrankte sich durch die wirklichkeitsnahen 3-D-Bilder an die „gute alte Zeit“ zurückerinnern. Ein gutes Gefühl für die im Hier und Jetzt oft orientierungslosen Menschen.

Allerdings ist die Wirkung der virtuellen Realität bei jedem, der an Demenz leidet, individuell zu testen. Eine Reise in die Vergangenheit kann auch Ängste auslösen oder dem Betrachter sehr unangenehm sein.

Therapeutischer Nutzen bei Phobien

Bei gesunden Menschen ist sogar eine Behandlung von Angsterkrankungen möglich. Die VR-Brillen sind bereits therapeutisch im Einsatz. Unterschiedlichen Phobien wird mit Simulationen von Höhe, Spinnen oder anderen furchtauslösenden Dingen der Garaus gemacht. Und auch Wissenschaftler sind begeistert von dieser technischen Errungenschaft. Die Reportage des WDR „VR in der Wissenschaft“ beschäftigt sich eingehend mit Chancen und Herausforderungen der virtuellen Welten.

Mit virtuellen Welten am Leben teilhaben

Ein Ziel der Altenpflege ist es, ältere Menschen möglichst intensiv am Leben teilhaben zu lassen. Auch wenn die Beweglichkeit und die Fitness eingeschränkt sind. Computergenerierte virtuelle Welten können Pflegebedürftige an Orte bringen, die sie in der Realität nie mehr sehen würden. Wenn Sie Ihre Oma das nächste Mal besuchen, nehmen Sie sie doch mit einer VR-Brille mit auf einen Kurztrip nach New York – oder wo auch immer sie hinreisen mag.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.