Nach der Ausbildung zum*r Erzieherin auch ohne Abi studieren

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Eine Ausbildung ist Gold wert. Sie ermöglicht einen praktischen Einstieg ins Berufsleben und lässt die Persönlichkeit reifen. Aber nicht nur das: In bestimmten Fällen ermöglicht sie sogar den Zugang zur Hochschule. Was viele nicht wissen: Erzieher*innen, Techniker*innen und Meister*innen können auch ohne Abitur ein Studium an einer Hochschule oder Universität beginnen.

Die Entscheidung, nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren, war bei Emma S. schon in der 8. Klasse, nach dem ersten Schülerpraktikum, gefallen. Die schriftliche Bewerbung reine Formsache, denn ihre Begeisterung für die Arbeit mit Kindern war den Erzieher*innen im Kindergarten Kunterbunt gleich positiv aufgefallen. „Die Ausbildung zur Erzieherin ist eine tolle Mischung aus Theorie und Praxis“, so Emma S. „Theoretische Grundlagen waren immer die Basis für unsere Praxiseinsätze in den Betreuungseinrichtungen. Und auch der Unterricht wurde möglichst praxisnah gestaltet und blieb nicht in abstrakten theoretischen Gebilden hängen“, berichtet die ausgebildete Erzieherin. Nach wie vor findet sie, dass dieser Beruf einer der am meisten erfüllenden Tätigkeiten ist.

Lust aufs Lernen – akademische Karriere für Erzieher*innen offen

Schon während ihrer Ausbildung zur Erzieherin nahm sie die Chance wahr, über das EU-Programm Erasmus+ ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und andere pädagogische Arbeitsweisen kennenzulernen. Nach einer Weiterbildung zum Thema Inklusion in Kindertageseinrichtungen, merkt sie, wie groß ihr Wunsch ist, weiter zu lernen.

Ein Studium kommt ja wohl leider nicht in Frage, da sie weder die allgemeine Hochschulreife noch das Fachabitur hat. Bis sie eines Feierabends auf das Online-Portal „Studieren ohne Abitur“ stößt. Betreiber des nicht kommerziellen Portals ist das CHE – gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung. Dort erfährt sie, dass sie als Erzieherin auch ohne Abitur oder Fachabitur an Hochschulen und Universitäten studieren kann. In der Regel haben beruflich Qualifizierte (so nennt man Hochschulzugangsberechtigte ohne Abitur), bevor sie sich offiziell bewerben können, ein Beratungsgespräch an der gewählten Hochschule. In diesem Gespräch geht es vor allem darum, was im Studium so alles auf die Studierenden zukommt und welche Kompetenzen man braucht, um seine akademische Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. An manchen Hochschulen gibt es eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium.

Immer mehr Studierende ohne Abitur in ganz Deutschland

Im Jahr 1997 starteten laut Online-Portal „Studieren ohne Abitur“ nur rund 1550 Wissensdurstige ohne Abi in ein Studium. Zwei Jahrzehnte später, 2017, waren es immerhin schon fast 15.000 Studierende ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Heute kommen knapp 3 Prozent der Studentinnen und Studenten über den Beruf an Uni und Hochschule.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Öffnung akademischer Bildungschancen wurde bereits 2009 durch den Beschluss der Kultusministerkonferenz getan. Seitdem ist es in allen Bundesländern möglich, ein Studium ohne Abitur zu starten.

Für Studieninteressierte, die eine entsprechende Ausbildung haben und schon mit beiden Beinen im Berufsleben standen, gibt es übrigens auch Stipendien, die das Problem der Finanzierung weitgehend lösen.

Die Ausbildung zum*r Erzieher*in bietet die Euro Akademie an 17 Standorten in ganz Deutschland an. Danach stehen ihnen alle Türen offen – ob in der Kita oder an der Hochschule, bleibt ganz und gar Ihnen überlassen. Die Mitarbeiter an den Standorten beraten Sie gerne.

Emma S. hat sich übrigens für das Studium der Psychologie entschieden und arbeitet heute als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in eigener Praxis.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.