New Work, New Life – wenn sich die Arbeit ins Leben integriert

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Seit der Corona-Pandemie bewegt sich etwas. Alte Arbeitsmodelle sind auf dem Prüfstand. Nicht alles war schlecht, nicht alles gut. Was wir gelernt haben: man muss nicht an einem Ort sein, um produktiv zusammenzuarbeiten. Aber manchmal vermisst man die Kolleg*innen – das fröhliche „Guten Morgen“, den Flurfunk, die kurzen informellen Besprechungen. Dass beides geht, zeigen zwei Geschichten, die von Ulf und Luisa. Neues Arbeiten bedeutet aber viel mehr als flexible Arbeitszeiten und Digitalisierung. 

Familie und Arbeit unter einem Hut 

Ulf ist 35 Jahre alt, lebt mit seiner Frau Claudia und seinem Sohn Tim in Wiesbaden und arbeitet seit zwei Jahren in Vollzeit bei einem großen Online-Händler als Kaufmann im E-Commerce. Heute holt Ulf Tim um 15 Uhr vom Kindergarten ab. Seit der Corona-Pandemie ist er an drei Tagen in der Woche im Homeoffice. An diesen Tagen arbeitet er von 8 bis 15 Uhr und hängt abends noch eine Stunde dran. Dafür hat er die Möglichkeit, einen Teil des Nachmittags mit Tim zu verbringen. Seine Frau arbeitet an zwei Tagen in der Woche als Altenpflegerin in einer Seniorentagesstätte. An diesen Tagen kommt sie erst um 17:30 Uhr nach Hause, der Kindergarten schließt um 17 Uhr.

Die Familie profitiert von der Flexibilität von Ulfs Arbeitsgeber. Unter der Woche wäre der fünfjährige Tim immer schon im Bett, wenn sein Papa von der Arbeit nach Hause kommt. Und auch für Claudia wären andere Arbeitszeiten weniger optimal. Mit einer Fahrtzeit von einer Stunde hin und zurück würde sich ein Vier- oder Fünfstundentag nicht wirklich lohnen.

Arbeiten on the Road

Luisa ist 25 Jahre alt und als Fremdsprachenkorrespondent*in für ein Reiseunternehmen im Einsatz.  Nach ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung wollte sie erstmal die Welt entdecken, die finanziellen Mittel reichten aber nicht aus, um diesem Traum in die Tat umzusetzen. Ein Bekannter brachte sie auf die Idee, sich bei ihrem jetzigen Arbeitgeber in der Reisebranche zu bewerben. Als Unternehmensberater wusste er, dass das Unternehmen in den letzten Jahren auf mobiles Arbeiten umgestellt hatte.

Luisa bewarb sich bei dem Reiseveranstalter, erzählte von ihrem Wunsch, mit einem umgebauten VW-Bus durch Europa zu tingeln – und bekam eine Zusage. Seitdem ist sie durch Italien, Frankreich und Spanien gereist, gerade ist sie auf dem Weg an die Algarve. Für ihre Arbeit braucht sie einen funktionierenden Internetanschluss und einen Laptop. In der Regel arbeitet sie morgens vier Stunden und nachmittags, manchmal abends nochmal so viele Stunden, je nachdem welche Team-Meetings anstehen, wie warm es ist und ob sie gerade wieder unterwegs zu einem neuen Ort ist.  

Der Job passt sich dem Leben an – nicht umgekehrt

In den zwei Jahren unterwegs hat Luisa viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, ihre Konversationsfähigkeiten in englischer Sprache weiter verbessert. Mit dem italienischen Campingplatzbetreiber kann sie smalltalken und ihre Spanischkenntnisse gehen inzwischen auch schon über eine Bestellung in der Bäckerei oder in der Tapasbar hinaus. Für immer will sie nicht als moderne Nomadin unterwegs sein, dafür vermisst sie ihre Familie viel zu sehr. Und ihre Kolleg*innen möchte sie auch gerne mal so richtig persönlich kennenlernen. Im Frühjahr 2023 ist ihre Reise erstmal zu Ende, dann möchte sie ein- bis zweimal in der Woche ins Büro gehen, die restlichen Arbeitstage wird sie von zu Hause arbeiten. Bis sie das nächste Mal das Fernweh packt …

Nicht in allen Berufen ist ein so orts- und zeitunabhängiges Arbeiten möglich. Während das traditionelle Dreischichtensystem (Früh-, Spät- und Nachtdienst) in vielen stationären Einrichtungen im Einsatz ist, gibt es einige Überlegungen, die Arbeitszeiten attraktiver zu gestalten. Lesen Sie dazu den Beitrag „Arbeitszeit in der Pflege neu denken“.

New Work ist mehr als mobiles Arbeiten und Digitalisierung

Zu den Digitalisierungsprozessen in Unternehmen und der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten, soweit es die Tätigkeit zulässt, kommen noch weitere wichtige Faktoren, die das „neue Arbeiten“ ausmachen.

Agiles Arbeiten – Freiheit und Verantwortung

Mit Agilität verbinden wir Begriffe wie Flexibilität, aktiv sein, schnell zu Handeln. Entscheidend beim Agilen Arbeiten ist, dass es flachere Hierarchien gibt. Die Entscheidungswege verkürzen sich, weil die Mitarbeitenden die meisten Entscheidungen selbst treffen. Auch die Ziele werden von den Angestellten oder vom Team selbst definiert. Die Folge: größere Freiheit und zugleich mehr Verantwortung. Das führt in der Regel zu mehr Identifikation mit der eigenen Arbeit und letztendlich zu mehr Zufriedenheit.

Aber auch für den*die Kund*in und das Unternehmen selbst ist das Agile Arbeiten von Vorteil. Kund*innen bekommen nämlich kein fertiges Produkt vorgelegt, sondern beteiligen sich aktiv am Entstehungsprozess und können schon früh Feedback geben. Änderungen können so in jedem Projektstadium direkt vorgenommen werden und verschleppen sich nicht in die Endphase, in der schon weitaus mehr Zeit investiert wurde und die Änderungen aufwändiger sind.

Leadership statt Management

Motivation ist eines der wichtigsten Dinge, um den Menschen zu Großartigem zu bewegen. Die intrinsische Motivation kommt aus einem selbst. Die extrinsische Motivation kommt von außen und ist im Arbeitsleben wichtig, um Mitarbeitende zu fordern, zu fördern und zu begeistern.

Früher sah man es als Aufgabe von Führungskräften an, genau das zu tun: zu führen. Heute ist eine Führungskraft im besten Fall ein*e Begleiter*in und Förderer*in von ganz individuellen Fähigkeiten und Talenten seiner Teammitglieder. Dazu gehören eigene Visionen und die Fähigkeit, zu inspirieren, zu motivieren, Kreativität zuzulassen und Empathie für die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu zeigen.   

Bildquelle Beitragsbild: Natee K Jindakum/shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.