Pflegekrise: Was tun gegen den Notstand in Pflegeberufen?

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Die Chemikerin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim beschäftigt sich auf ihrem Kanal „maiLab“ mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen und bewertet gesellschaftliche Probleme aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Nun hat sie ein Video zur Pflegekrise veröffentlicht. In „So schlimm wird die Pflegekrise“ wird das Ausmaß des Pflegenotstands klar, der, wie Prof. Katja Boguth im Video klar macht, ähnliche drastische Auswirkungen für uns haben könnte wie der Klimawandel.  

Ein erfüllender Beruf – mit vielen Problemen

„Also was mich freuen würde, wäre, wenn das zum Teil in diesem Video nochmal deutlich werden würde, dass das ein toller Beruf ist“, betont Prof. Katja Boguth, die selbst viele Jahre in der Pflege gearbeitet hat. Auch der Intensivpfleger Ricardo Lange, der im Video viele Einblicke in seinen Arbeitsalltag gibt, würde sich wünschen, den Job noch lange zu machen. Doch für ihn überwiegen die Nachteile und er wird aus der Pflege aussteigen. Denn hier kommt das Aber: Pflegeberufe sind meist anstrengend, werden zu wenig wertgeschätzt und nicht den Anforderungen entsprechend bezahlt. Und obwohl sich während der Corona-Pandemie gezeigt hat, wie wichtig Pflegekräfte sind, hat sich die Situation nicht geändert. Es bedarf also dringend ernsthafter Reformen und eines Umdenkens in Politik und Gesellschaft – sonst rutschen wir in eine beispiellose Krise.

Was bedeutet Pflegekrise?

Die Pflegekrise betrifft uns alle, denn jede*r von uns wird mal auf Pflege angewiesen sein oder hat Angehörige, die gepflegt werden müssen. Und wir alle wünschen uns dann natürlich Pfleger*innen, die viel Zeit für uns haben, intensive Betreuung und einen würdevollen Lebensabend. Die aktuellen Zahlen sprechen aber eine andere Sprache:  Die Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass im Jahr 2030 fast 500.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen werden. Gleichzeitig wird unsere Gesellschaft immer älter – wenn wir nichts unternehmen, wird sich der Pflegekräftemangel also nur verschlimmern.

Ricardo Lange schildert eindringlich, welche Folgen ein Mangel an Pflegepersonal bei Betreuung der Patient*innen hat: „Man liegt im Bett, ist schon etwas älter […]. Wenn man dann stundenlang in seinen eigenen Ausscheidungen liegen muss, bevor der nächste Pfleger oder Pflegerin kommt, um einen da rauszuholen – glaubt mir, ich seh‘ das öfter auf Arbeit – das ist kein Zustand, den man sich annähernd wünscht.“

Die YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim macht auf die Pflegekrise aufmerksam. ©Mai Thi Nguyen-Kim / funk

Was können wir tun?

Mai kommt in ihrem Video zu einem traurigen Fazit: Von selbst wird sich nichts ändern. Und auch wenn es eigentlich „‘ne Sauerei“ ist, müssen die Pflegekräfte selbst Druck ausüben, sich in Gewerkschaften und Verbänden organisieren und für Reformen kämpfen.

Natürlich können auch Menschen, die nicht in Pflegeberufen arbeiten, etwas tun: auf die Situation aufmerksam machen, Familie und Freund*innen davon erzählen, Parteien unterstützen, die sich für die Pflegekräfte einsetzen, die eigenen Abgeordneten kontaktieren … Ein guter erster Schritt ist aber, das Video „So schlimm wird die Pflegekrise“ anzuschauen und zu teilen.

Bildquelle: funk von ARD und ZDF, Fotograf Titelbild funk/maiLab, Fotograf Bild im Beitrag Mai Thi Nguyen-Kim/funk

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.