Antigen-Schnelltests in Pflegeheimen: Schutz für Bewohner*innen und Pflegekräfte?

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Die gute Nachricht: Seit 15. Oktober 2020 können sich Pflegekräfte, Bewohnerinnen und Besucherinnen von Pflegeheimen und Krankenhäusern in weniger als einer Stunde auf das Corona-Virus testen lassen. Aber stehen den Einrichtungen auch genügend Tests zur Verfügung und wie sicher sind diese?

Wenn das Corona-Virus in Pflegeheimen ausbricht, hat das schlimme, leider viel zu oft tödliche Folgen. Denn fast alle Menschen dort gehören einer Risikogruppe an. Auch deshalb hat die Bundesregierung gemeinsam mit dem Spitzenverband der Krankenkassen Mitte Oktober 2020 eine Verordnung herausgegeben, in der der Anspruch auf Antigen-Schnelltests festgelegt ist.

Die Schnelltests sollen vor allem in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen großzügig zum Einsatz kommen. Die Pflegeheime bekommen die diese aber nicht einfach vor die Tür gelegt. Sie müssen selbst aktiv werden, den zuständigen Gesundheitsbehörden ein Testkonzept vorlegen und die Antigen-Tests beantragen. Auf Grundlage der Bewohnerzahl legt das Gesundheitsamt dann die Menge der von der Krankenkasse finanzierten Schnelltests fest. In stationären Pflegeeinrichtungen können pro Bewohner*in maximal 20 Tests im Monat zur Verfügung gestellt werden.

Mittlerweile gibt es über 100 Anbieter solcher Antigen-Schnelltests, die zugelassen sind. Eine fortlaufend aktualisierte Liste zugelassener Hersteller hat das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte herausgegeben. Die Tests können Pflegeheime direkt über den Hersteller, Großhändler oder Apotheken beziehen.

Was bringen die Schnelltests?

Schnellere Testmöglichkeiten führen zu einer raschen Isolierung der positiv getesteten Menschen. Dadurch stecken sich nicht mehr so viele weitere Leute an. Das Infektionsgeschehen wird effektiv eingedämmt. Außerdem stoßen die Labore, die PCR-Tests (genauere Labortests) auswerten, schon längst an ihre Grenzen. Die Gesundheitsämter können bei einer hohen Anzahl von täglichen Neuinfektionen die Nachverfolgung nicht mehr gewährleisten. Schnelltests sind hier ein gutes Mittel, um die Situation zu entschärfen und Bewohner*innen sowie Pflegepersonal mehr Sicherheit zu geben.

Sind die Schnelltests nicht viel zu unsicher?

Die Schnelltests sind nicht so genau wie ein PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird. Diese Tests registrieren die Eiweiße des Virus auf der Hülle. Im Gegensatz dazu sucht ein Labortest nach der RNA, also dem Erbgut des Virus – eine Methode, die noch wesentlich genauer funktioniert. Sind beim Schnelltest nicht genügend Viren im Rachenraum vorhanden, fällt der Test negativ aus – obwohl sich noch Corona-Viren im Körper des*r Getesteten befinden. Immerhin liegt die Trefferquote der besten Antigen-Schnelltests aber bei 96 Prozent. Das heißt, etwa vier Prozent der Infizierten werden bei diesem Testverfahren nicht erkannt. Leider hinkt die Produktion trotz der zahlreichen Hersteller der Nachfrage noch hinterher.

Nachdem Gesundheitsminister Spahn sich im September noch für Schnelltests für zu Hause aussprach, sehen Fachleute das kritisch. Das geringe Haltbarkeitsdatum und das fehlende Know-how bei einem Rachenabstrich sind zwei der Gründe.

Schnelltests in Pflegeheimen sind auf jeden Fall sinnvoll, um die aktuelle Situation in der Einrichtung zu beurteilen und positiv getestete Bewohner*innen oder Pflegekräfte schnell zu identifizieren. Eine 96 prozentige Sicherheit ist allemal besser, als überhaupt nicht zu wissen, welche Ausmaße das Infektionsgeschehen gerade annimmt. Die Schnelltests sollen und dürfen natürlich niemanden in Sicherheit wiegen. Abstand, regelmäßiges Händewaschen und Mund-Nasen-Schutz sind auch bei negativem Befund die Maßnahmen, die die Pandemie massiv eindämmen können.

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Bildquelle Beitragsbild: © Dragana Gordic /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.