Wie wird die Zukunft entschieden? – Umfrage zur Berufsorientierung

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Schüler der Euro Akademie Halle nahmen die Messe „Chance“ zum Anlass, eine Umfrage  zur Berufsorientierung unter Jugendlichen durchzuführen. Lesen Sie bei uns ihre Ergebnisse und schmökern Sie in den Ergebnistabellen.

Das Thema Berufsorientierung spielt für Jugendliche und deren Familien immer eine Rolle. Momentan aber mehr als sonst, hat doch die Bewerbungsphase für Ausbildungsplätze im nächsten Schuljahr bereits begonnen. Es stehen Entscheidungen für weiterführende Schulen und Besuche auf Messen an, die dabei helfen sollen.

Die Frage, die Ausbildungsanbieter, Schulen und Eltern dabei beschäftigt, ist die nach den beeinflussenden Faktoren. Nach welchen Kriterien trifft ein Jugendlicher seine Wahl in Bezug auf die berufliche Zukunft? Dies wollten Schüler der Euro Akademie Halle auf der Bildungs-, Job- und Gründermesse „Chance“ herausfinden. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle führten sie eine Umfrage zur Berufsorientierung mit 92 Jugendlichen durch.

Eigeninitiative bei der Berufsorientierung

Unter den Befragten gaben insgesamt 36 Prozent an, nach der Schule eine Ausbildung beginnen zu wollen. Auf Platz zwei folgte mit 21 Prozent der Wunsch zu studieren. Die grobe Richtung, in die es zukünftig gehen soll, war also mehr als der Hälfte der Jugendlichen auf der Messe bereits klar.

Besonders interessant für Eltern wie auch für Bildungsinstitute sind die genutzten Informationsquellen im Internet. Nur ein Drittel der Befragten gab an, Anzeigen im Internet dazu näher anzuschauen. Ebenso wenige besuchen zu diesem Zweck Ausbildungs- oder Studienportale. Mit 68 Prozent mit Abstand die meisten nutzen direkt eine Suchmaschine, um Antworten zu bekommen.

Demnach geht ein Großteil der Jugendlichen gezielt auf die Suche, anstatt zufällig durch Werbung beeinflusst zu werden. Dies ist positiv zu bewerten, denn wer aktiv recherchiert, sammelt auch mehr relevante Informationen. Und tatsächlich: In der Kategorie, die duale und schulische Ausbildung gegenüberstellt, waren alle aufgeführten Fakten mehr als 60 Prozent bereits bekannt – selbst wenn sie weniger relevant für die Entscheidung sind. Die Eltern – zumindest die der Befragten – können also aufatmen, denn ihre Kinder sind generell gut informiert.

Geld spielt eine Rolle!

Was sind nun aber die Faktoren, die für oder gegen einen bestimmten Beruf oder einen Bildungsweg sprechen? Ganze 76 Prozent bejahen, dass der Erhalt eines Lohns in der dualen Ausbildung die Entscheidung beeinflusst. Unwichtig scheint dagegen die dafür aufzubringende Lern- und Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden in der Woche zu sein.

Bezüglich der anfallenden Kosten in der schulischen Ausbildung waren die Jugendlichen gespalten. Für gut die Hälfte ist dieser Punkt für ihre Wahl von Bedeutung. Die Bereitschaft, etwas für die Ausbildung zu zahlen, ist dennoch nicht grundsätzlich vorhanden. Hauptaspekt ist dabei, wie die Finanzierung geregelt wird. Die Finanzen innerhalb der Familie, die Bereitschaft zur Kostenübernahme von Seiten der Eltern und der mögliche Bezug von BAföG werden im Entscheidungsprozess einkalkuliert.

Darüber hinaus ist es für ein Drittel der Befragten wichtig, dass mit dem angestrebten Abschluss die Chancen auf dem Arbeitsmarkt später gut sind. Wenn sie schon bezahlen, soll quasi auch etwas dafür herausspringen. Genau diese Ansicht übertragen die Jugendlichen zudem auf die Schule: Es wird erwartet, dass bei Ausbildungsgebühren von der Bildungsanstalt mehr geleistet wird als nur die Übergabe eines Zeugnisses. 41 Prozent sehen die Qualität der Ausbildung als wesentliches Kriterium dafür an, ob Kosten gerechtfertigt sind.

Gute Ausbildung oder schlechte Ausbildung?

Die Qualität der schulischen Ausbildung spiegelt sich laut der Meinung der Befragten in den Lehrern wider. Für 77 Prozent machen Lehrer, die wissen, wovon sie sprechen, eine qualitätsvolle Ausbildung aus. Auf dem zweiten und dritten Rang liegt die Zeit, eigene Fragen im Unterricht zu klären (59 Prozent) und die Struktur und Verständlichkeit der Lehrmaterialien (51 Prozent). Dass die schulische Ausbildung praxisnah ist und Praktika einbindet, ist für 48 Prozent wichtig.

Etwas überraschend ist, dass in den Augen von nur 30 Prozent der Jugendlichen kleine Klassen zu einer höheren Qualität beitragen. Abgeschlagen auf dem letzten Platz mit nur 27 Prozent liegt die Bedeutung der Zertifizierung einer Schule.

Beruf(ung)swahl

Allgemein waren die Teilnehmenden in der Umfrage zur Berufsorientierung dem späteren Berufsbild gegenüber eher idealistisch eingestellt – und das ist gut so. Bei 71 Prozent wird die Wahl ihrer zukünftigen Tätigkeit davon beeinflusst, ob sie ihre persönlichen Interessen damit verbinden können. Etwas naiv wirken vielleicht die 85 Prozent, die bei ihrer Entscheidung nicht den späteren Verdienst in Betracht ziehen. Dies überrascht vor allem deshalb, weil die Vergütung in der dualen Ausbildung für drei Viertel der Befragten relevant ist, wie oben beschrieben.

Ebenfalls werden die guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt (14 Prozent), die mögliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf (13 Prozent) sowie die Karrierechancen (11 Prozent) bei der Berufswahl kaum berücksichtigt.

Einfluss anderer auf die Entscheidung

Überdies fanden die Schüler der Euro Akademie Halle noch Interessantes über die „Berater“ bei der Berufsorientierung heraus: In der Umfrage wurde deutlich, dass die Eltern hauptsächlich in niedrigeren Klassenstufen Gehör finden. Sie werden mit der Zeit als Impulsgeber unwichtiger, während Lehrer, Mitschüler und Freunde an Einfluss gewinnen.

Bei Jungen fließt der Standpunkt anderer aber generell weniger in die Entscheidung mit ein als bei Mädchen. Sie nehmen zwar Meinungen ihrer Freunde an, verlassen sich aber hauptsächlich auf ihre eigenen Funde aus den Suchmaschinen, während für das weibliche Geschlecht die Aussagen von Eltern, Lehrern, Verwandten und Erfahrungen aus dem Praktikum eine große Rolle spielen.

Wollen Sie es genauer wissen? Blättern Sie gerne direkt online in der Umfrage zur Berufsorientierung der Euro Akademie Halle.

Autor

Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.