Fasten – voll im Trend

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Fasten ist nicht für jeden etwas, aber immer mehr erkennen darin einen Sinn und wollen es zumindest versuchen. Die Formen des Verzichts sind dabei vielfältig und lassen zuweilen aufhorchen.

Ab Aschermittwoch ist Schluss mit „Helau“ und „Alaaf“. Nun beginnt die Fastenzeit. Was früher häufig müde belächelt wurde, liegt heutzutage voll im Trend. Das bestätigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK. Demnach hielten im Februar 2019 ganze 63 Prozent das Fasten für sinnvoll oder sehr sinnvoll. 2012 waren das nur 53 Prozent.

Dabei geht es beim Verzicht mittlerweile weniger um den religiösen Zusammenhang, als vielmehr darum, das schlechte Gewissen auszuschalten. Sich in seinem Konsumverhalten zurückzunehmen tut Körper, Geist und Umwelt gut. Vor allem aber zeigt die Zeit bis zum Ostersonntag, dass es durchaus auch anders geht und dass dieser andere Weg vielleicht sogar glücklicher beziehungsweise zufriedener macht.

Die Standards beim Fasten

Obwohl sich die Gesellschaft wie auch deren Verhalten ändert, scheinen die Spitzenplätze der gefasteten Genussmittel unverändert zu sein. Befragt wurden dazu diejenigen, für die Fasten generell in Frage käme. Ganz vorne mit dabei sind Alkohol mit 73 Prozent, Süßigkeiten mit 67 Prozent und Fleisch – nicht ganz so traditionell – mit 46 Prozent. Dass das Fernsehen (39 Prozent) und Rauchen (38 Prozent) vertreten sind, ist ebenfalls keine Überraschung.

Neue Formen des Verzichts

Dennoch gibt es einige neue Ideen, wie man sich nach Fasching ein bisschen geißeln könnte. Noch nicht ganz die originellste ist die Einschränkung bei der Autonutzung. Trotzdem kann das je nach Lebenssituation über die nächsten sechseinhalb Wochen richtig hart werden. Einen gewaltigen Einschnitt in ihrem Alltag dürften besonders Jugendliche und junge Erwachsene bemerken, die auf soziale Medien verzichten. Über einen Monat lang kein Instagram, Facebook, Snapchat, Twitter und Co.? Wer es sich besonders dreckig geben will, schließt dann auch noch WhatsApp in sein Fasten mit ein.

Auch unter ökologischen Aspekten wird zuweilen gefastet. Der ein oder andere versucht sich bei der Müllproduktion, insbesondere beim Plastik, einzuschränken. Dazu gehört das Einkaufen mit der Stofftasche. Zum Metzger geht es mit Tupperschüsseln, das Obst nehmen Sie lose mit und Sahne, Joghurt und Milch werden im Glas gekauft. Für den Coffee to go nehmen Sie sich Ihren Becher von daheim mit. Suchen Sie doch auch einmal nach einem Unverpackt-Laden in Ihrer Nähe. Dort wird alles – sogar Mehl, Haferflocken und Nudeln – in mitgebrachte Gefäße umgefüllt. Mehr Müll können Sie beim Einkaufen nicht sparen.

Kirchlicher Ursprung

Das Fasten ist vom religiösen Ansatz her dazu gedacht, sich von Dingen zu lösen, um den Geist für den Glauben frei zu machen. Verbringen Sie weniger Zeit damit, Computer zu spielen, shoppen zu gehen oder zu essen, haben Sie logischerweise mehr Freiraum fürs Beten und die Kirche.

Wenn von der Fastenzeit oder auch der Passionszeit die Rede ist, wird immer von 40 Tagen gesprochen. Die Zählung beginnt dabei am Aschermittwoch, endet am Karsamstag und lässt die Sonntage aus. Schließlich ist der Sonntag der Tag des Herrn, an dem selbst Gott geruht und sich an seiner Schöpfung erfreut hat. Zudem ist Jesus an einem Sonntag auferstanden. Dies ist also ein Tag zum Feiern und nicht für Selbstkasteiungen. Die 40 hat in der Bibel eine große Bedeutung und kommt an vielen Stellen vor. Unter anderem verbringt Jesus so viele Tage in der Wüste und fastet.

Selbst wenn Sie nicht religiös sind, kann Ihnen die Fastenzeit viel bringen. Beim Einschränken Ihres Konsums werden Sie vielleicht auf die Bedeutung der kleinen Dinge Ihres Alltags aufmerksam. Sie leben bewusster und lenken Ihre Gedanken in andere Richtungen. Möglicherweise nehmen Sie aus dieser Zeit doch ein bisschen mehr mit, als nur eine gesündere Leber. Probieren Sie es aus!

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Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.


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