Jobsharing – die unterschätzte Arbeitsform

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Der Nine-to-five-Job ist tot. Eine steile These? Nein. Denn glaubt man Umfragen und Studien der letzten Jahre, sind den jüngeren Arbeitnehmer*innen Freizeit, Familie und Freundeskreis enorm wichtig. Und gerade junge Eltern finden das klassische Rollenmodell: Papa geht zur Arbeit – und ward bis zum Wochenende nicht mehr gesehen. Mama bleibt zu Hause und erfreut sich – alleine – am gemeinsamen Kind, nicht mehr lebenswert. Eine geniale Lösung, von der Unternehmen und Mitarbeiterinnen profitieren, ist das Jobsharing.

Anne ist 29 Jahre alt, spielt leidenschaftlich gerne Theater und hat einen Freundeskreis, der so groß ist wie eine deutsche Kleinstadt. Nach ihrer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in einem internationalen Unternehmen und einigen Reisen, um sich selbst zu finden und den eigenen Lebenszielen auf die Spur zu kommen, hat sie sich entschieden, nicht mehr ganztags ins Berufsleben einzusteigen. Klar, eine riesige Wohnung kann sie sich nicht leisten. Dafür hat sie gerade Zeit, sich auf ihre Rolle als Julia vorzubereiten. Ihren Romeo hat sie, außer auf der Bühne, bis jetzt noch nicht getroffen. Durch ihr großes Netzwerk hat sie einen Job bekommen, den sie sich mit einer Frau teilt, die vor zwei Jahren Mutter geworden ist.

Arbeiten im eigenen Rhythmus

Dass sie vor allem nachmittags arbeitet, macht ihr nichts aus. Im Gegenteil – sie schläft sowieso gerne aus und das Lernen für die Theaterstücke fällt ihr auch morgens leichter. Anfangs war Anne sogar skeptisch, ob das denn funktionieren kann, wenn sich zwei Mitarbeiter*innen einen Arbeitsplatz teilen. Schnell hat sie gemerkt, dass sie sich sehr gut mit ihrer zweiten Job-Hälfte versteht und Absprachen gar kein Problem sind. Das Sprichwort „vier Augen sehen mehr als zwei“ hat sich bei ihrem Jobsharing schon öfter bewährt, denn die beiden Mitarbeiterinnen ergänzen sich wirklich gut.

Während Anne auch schwierige Korrespondenzen mit den spanischen Geschäftspartnern im Handumdrehen erledigt, ist ihre Job-Partnerin ein Ass im Organisieren von Messen und Konferenzen. Beide haben so ihre Schwerpunkte, können aber auch problemlos die Aufgaben der anderen übernehmen, wenn es eng wird, Urlaub ansteht oder eine Krankheit dazwischenkommt.

Mit To-do-Listen, Projektplänen und Kommunikationstools halten sie sich gegenseitig immer auf dem Laufenden und sorgen dafür, dass wichtige Aufgaben nicht in Vergessenheit geraten.Der Kommunikationsaufwand hält sich, dank der digitalen Kommunikation, in Grenzen. Außerdem profitieren beide vom Know-how der anderen und können bei Problemen immer jemanden fragen, der auf dem gleichen Wissensstand ist.

Rund die Hälfte der Arbeitnehmer*innen möchte die Arbeitszeit reduzieren, so in der Studie vom August 2019 „Arbeitszeitwünsche von Beschäftigten in Deutschland im Überblick“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu lesen. Trotzdem ist das Teilzeitmodell, in dem man sich einen Job mit einem anderen Mitarbeiter oder einer anderen Mitarbeiterin teilt, nicht immer möglich.

Jobsharing – Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Pro Jobsharing:

  • +Die Verantwortung liegt auf vier Schultern.
  • Zwei Mitarbeiter*innen bringen mehr Kompetenzen mit als eine*r – im besten Falle ergänzen sie sich.
  • Flexiblere Arbeitszeiten und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Vier Augen sehen mehr als zwei – Fehler treten dadurch seltener auf.
  • Ein Ausfall durch Urlaub oder Krankheit kann besser kompensiert werden.
  • Im Gegensatz zu vielen Teilzeitstellen ist hier auch eine Führungsposition denkbar.

Contra Jobsharing:

  • Keiner von beiden fühlt sich für Projekt xy zuständig – dadurch bleiben Aufgaben unerledigt.
  • Geschäftspartner*innen kommunizieren zu unterschiedlichen Tageszeiten mit verschiedenen Mitarbeiter*innen.
  • Absprachen kosten Zeit.
  • Arbeitet man in Teilzeit, ist das Gehalt niedriger und die Rente fällt später mager aus.
  • Wenn die Chemie beim Jobsharing nicht stimmt, treten Spannungen auf, die den Arbeitsergebnissen schaden.

Egal für welches Arbeitszeitmodell Sie sich entscheiden – wir wünschen Ihnen viel Freude, bei allem, was Sie tun.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.