Kaizen – der lange Atem der Veränderung

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Kaizen ist eine japanische Arbeitsphilosophie, die eine ständige Verbesserung zum Ziel hat – und auch bei privaten Zielen prima eingesetzt werden kann. Sie denken an Selbstoptimierungswahn und bekommen Schnappatmung beim Gedanken daran, permanent noch mehr aus sich herauszuholen? Das ist gar nicht nötig. Im Gegenteil: Kaizen, richtig verstanden und angewandt, lässt uns ohne große Kraftanstrengung immer besser werden.

Der Begriff Kaizen kommt aus dem japanischen und setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Kai = Veränderung und Wandel; Zen = zum Besseren. Ursprünglich wurde die Philosophie der ständigen Verbesserung durch kleine Schritte in der japanischen Automobilproduktion eingesetzt. Wie Sie mit Kaizen ganz persönliche und berufliche Ziele besser erreichen und selbst Ihr Schweinehund die Ohren anlegt, weil es ihm ganz offensichtlich an den Kragen geht, erzählen wir Ihnen jetzt.

Loslassen, um die Verbesserung beim Schopf zu packen

Alles verändert sich, ständig. Das ist das Prinzip des Lebens, so wie wir es kennen. So manches Mal möchten wir, dass alles so bleibt wie es ist und versuchen verkrampft, an etwas festzuhalten. Das gilt für Beziehungen im Privaten genauso wie für liebgewonnene Strukturen im Berufsleben. Nicht umsonst hört man immer mal wieder den Satz „Das haben wir schon immer so gemacht, das hat doch bisher auch funktioniert“. Und genau da liegt nach der japanischen Arbeitsphilosophie Kaizen der erste Fehler. Alles, was wir täglich tun, machen wir irgendwann aus reiner Routine oder aus der festen Überzeugung heraus, dass es anders nicht geht, ohne die Arbeitsprozesse oder den Sinn dahinter zu erfragen. Dafür gibt es im Deutschen einen gern verwendeten Begriff: Betriebsblindheit.

Arbeitet man nach Kaizen-Prinzip, spielt Achtsamkeit und Querdenken eine große Rolle. Kann ich beispielsweise Dinge vereinfachen, so dass sie weniger Zeit und Mühe kosten? Die Tätigkeit an sich ist hier nur ein Teil der Arbeit – der wichtige zweite Teil ist die Bereitschaft zur Veränderung und Reflexion. Wieso Kaizen aber nichts mit Selbstoptimierungswahn zu tun hat, der viele irgendwann ins Burn-out treibt, erfahren Sie noch.

Ausdauer, oder das Prinzip der Veränderung des Kaizen

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“, wusste schon der griechische Philosoph Heraklit. Nach dem Sommer kommt der Herbst, nach der Kindheit die Jugend, nach dem Tag die Nacht. Unsere Welt befindet sich also in einem Zustand ständiger Veränderung. Jetzt gibt es genau zwei Möglichkeiten, wie man das finden kann: Entweder anstrengend und beängstigend – weil nichts so bleibt wie es ist und ich nicht weiß, was kommen wird oder Interessant und belebend – weil Veränderung Entwicklung auf persönlicher und fachlicher Ebene bedeutet. Das Geheimnis des Kaizen: Sie verändern in ganz kleinen täglichen Schritten etwas zum Besseren und erreichen ganz langsam, mit Ausdauer und Geduld, auch größere Ziele.

Warum wir an guten Vorsätzen immer wieder scheitern

Am Anfang des Jahres hatten Sie sich vorgenommen, mindestens zweimal die Woche zum Joggen zu gehen. Da sind sie nicht alleine. Auch nicht mit folgender unerfreulicher Situation: Seit April liegen Ihre nigelnagelneuen High-Tech Laufschuhe unbeachtet im Schuhregal. Ihr Vorhaben ist kläglich gescheitert. Woran nur? Sind Sie charakterschwach oder einfach nur eine unverbesserliche Couch-Potato? Dabei haben Sie sich doch so sehr angestrengt. Wir können Sie beruhigen: Sie könnten es schaffen, wenn Sie nur die Methode und Ihre Einstellung ändern. Und schon sind wir wieder bei der vielbeschworenen Veränderung – und dabei, wie Sie diese ohne ermüdende Kraftanstrengung erreichen.

Der Zauber der Geduld

Es gilt: Je weniger Sie sich anstrengen, umso besser. Denn nur dann werden Sie weitermachen und nicht nach kurzer Zeit gestresst von der Anstrengung aufgeben. Also, teilen Sie sich die Energie ein, statt sich gleich hohe Ziele zu setzen und einen Sprint hinzulegen, entspannen Sie sich und machen genau so viel, wie Ihnen das gerade guttut. Durch ein gleichmäßiges, ausdauerndes Tun kommen Sie zur nächsten Stufe der Veränderung: der Gewohnheit. Aber ist nicht die Gewohnheit genau das Gegenteil von Veränderung? Die Antwort: Selbst vor der Gewohnheit macht die Veränderung nicht halt. Dadurch dass Sie zum Beispiel jede Woche mehrmals Sport machen – mit geringer Anstrengung natürlich – wird sich Ihr Körper verändern. Und diese Veränderung zieht wieder andere nach sich.

Probieren Sie’s doch mal aus: Fragen Sie sich jeden Tag einmal, ob es sinnvoll ist, was Sie tun und wie Sie etwas tun. Setzen Sie sich kleine Ziele, die Sie spielend leicht erreichen können und gehen Sie so entspannt aber stetig Ihren ganz eigenen Weg der positiven Veränderung.

Bildquelle Beitragsbild: © Prutamin_C /shutterstock.com

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Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.