Neue Herausforderung im Seniorenheim: kultursensible Pflege

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Pflege ist ein sensibles Thema für uns alle. Wer möchte schon gerne von anderen gewaschen und angezogen werden? Vom Toilettengang gar nicht zu reden. Eine Betreuung, die auf den Menschen eingeht und seine Bedürfnisse berücksichtigt, sollte auch die Kultur des Senioren im Auge behalten. Das Stichwort: kultursensible Pflege. Eine Aufgabe, die die Altenpflege in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen wird.

Pflegekräfte begegnen tagtäglich Menschen mit ganz individuellen Bedürfnissen und Eigenheiten. Kein Wunder, die Senioren haben schließlich ein ganzes Leben hinter sich. Ihre Persönlichkeit geben sie nicht mit dem eigenen Wohnungsschlüssel ab. In Zukunft werden sich die Betreuer noch mehr Herausforderungen zu stellen haben. Unsere Gesellschaft ist bunt – je vielfältiger die Kulturkreise, desto mehr Individualität braucht die Pflege.

Wissen, was in einem Kulturkreis tabu ist

Das fängt schon beim morgendlichen Waschen an. Muslime zum Beispiel haben sehr hohe Standards bei der Reinigung des Körpers. Das Waschen mit Wasser aus einer Schüssel gilt als unhygienisch. Das hängt damit zusammen, dass man die obere und die untere Körperhälfte nicht mit demselben Wasser waschen darf. Außerdem muss die Reinigung unter fließendem Wasser stattfinden. Die Fingernägel dürfen nicht über die Fingerkuppen hinauswachsen. Alles, was man mit dieser Hand anfasst, würde nämlich als unrein gelten. Es gibt noch viele weitere Unterschiede in der Körperhygiene bei Muslimen. Für die Altenpflege bedeutet das ein Mehr an Wissen und teilweise völlig andere Arbeitsabläufe.

Kultursensible Pflege: Toleranz und multikulti auf beiden Seiten

Toleranz und soziale Kompetenz sind hier noch mehr gefordert als bisher schon. Nicht immer sprechen die Pflegebedürftigen aus anderen Kulturkreisen ausreichend deutsch. Dann kommt eine weitere Hürde hinzu, die genommen werden muss. Ein multikulturelles Team hilft Pflegekräften und Heimbewohnern – kulturelle Besonderheiten können hier besser berücksichtigt und Sprachbarrieren abgebaut werden.

Ein weiterer Aspekt der kultursensiblen Pflege ist der starke Familienzusammenhalt. Die Pflege in den meisten anderen Kulturen findet auch heute immer noch zu Hause statt. In einem Pflegeheim zu leben und Hilfe von Fremden anstatt von der eigenen Familie zu bekommen, ist für viele immer noch kaum vorstellbar. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Fast 19 Millionen Einwohner mit ausländischen Wurzeln – der Bedarf ist groß

Auch das Essen, die religiösen Angebote und die Einrichtung sollten sich mit Zunahme der Pflegebedürftigen aus anderen Kulturkreisen an deren Bedürfnissen orientieren. Keine leichte Aufgabe für Seniorenheime und Tagesstätten – die Vielfalt der Kulturen in Deutschland ist schon heute enorm. Fast 19 Millionen Einwohner mit ausländischer Herkunft leben zurzeit hier. Ein Patentrezept kann es nicht geben. Hinschauen, Unterschiede erkennen, sie akzeptieren und soweit wie möglich auf sie eingehen, sind erste machbare Schritte für eine gelingende kultursensible Pflege.

Schaffen können das die Pflegekräfte nur, wenn sie tatkräftige Unterstützung durch viele neue Pflege- und Betreuungskräfte bekommen. Mulitkulti versteht sich.

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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