Pflege aktuell – dem Personalmangel begegnen

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Pflege ist einer der Themenschwerpunkte der neuen Bundesregierung. Was tun gegen den Personalmangel? Woher neue Arbeitskräfte nehmen? Was beinhaltet das sogenannte „Sofortprogramm“ für die Beschäftigten in der Pflege? Viele Fragen, auf die wir Antworten gesucht haben.

Was Pflegekräfte schon lange Zeit beklagen, ist seit dem letzten Wahlkampf im September 2017 nachhaltig auf Bundesebene vorgedrungen. Das Interesse der Gesellschaft an der Sicherung der Pflege ist immens. Darauf mussten auch führende Politiker aller Parteien reagieren. Nun gibt es ein Sofortprogramm, das die Situation in der Pflegebranche verbessern soll.

Versprechen und Visionen

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte bis zum Sommer 2018 die Voraussetzungen schaffen, um 8.000 neue Pflegekräfte zu beschäftigen. Vorgesehen ist außerdem eine bessere tarifliche Bezahlung der professionell Pflegenden. Die neue Ausbildungsverordnung, für eine moderne und generalisierte Pflegeausbildung, soll 2020 in Kraft treten.

Der neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung unterstreicht die große Bedeutung der Pflege für die Gesellschaft. Andreas Westerfellhaus, gelernter Krankenpfleger, Lehrer in der Krankenpflegeausbildung und Betriebswirt, setzt sich für faire Löhne und Arbeitszeiten in der Pflege ein. Im Gespräch mit der Ärztezeitung sagte er, seine Vision sei es, eine Aufwertung der Pflegeberufe zu erreichen. Pflegekräfte sollten beispielsweise selbstständig Wunden versorgen und auch die dafür benötigten Materialien selbst bestimmen.

Lösung ausländische Pflegekräfte?

Gesundheitsminister Spahn möchte den Personalmangel in der Pflege unter anderem mit ausländischen Pflegekräften beheben. Dafür müssten die Abschlüsse, die in anderen Ländern erworben wurden schneller geprüft und anerkannt werden. Das Institut für angewandte Pflegeforschung hatte im März dieses Jahres eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass es zurzeit 17.000 nicht besetzte Stellen in der Pflege gibt.

Pflegewissenschaftler sehen die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland nur als einen kleinen Baustein, um den Personalmangel zu beheben. Laut stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), Michael Isfort, sei es „ungeheuer kompliziert, Pflegekräfte im Ausland zu finden, sie in das deutsche Pflegesystem zu integrieren und – vor allem – sie auch langfristig zu halten“.

Mut und Inspiration für große Schritte

Leiter des DIP, Professor Frank Weidner, hält die Maßnahmen der Politik zu Personaluntergrenzen und zur Lohnentwicklung für einen Schritt in die richtige Richtung. Um den Mangel an Pflegekräften zu beheben, fehle es allerdings an „deutlich mehr Mut und Inspiration“, so der Pflegeforscher. „Was noch fehlt, ist ein wirksames und nennenswertes Stellenförderprogramm im gesamten Pflegebereich, Impulse für eine zukunftsorientierte, wohnortnahe Versorgung sowie ein spürbarer Investitionsschub in Arbeit, Bildung, Forschung und Innovation der Pflege. Bislang sind das bestenfalls Reparaturvorschläge, die Menschen wollen aber eine grundlegende Reform des Pflegesystems“, so Weidner.

Auch die geplanten 8.000 Stellen der Bundesregierung hält Weidner für unzureichend. Bei derzeit rund 13.500 stationären Pflegeeinrichtungen, sind das gerade einmal 0,6 Stellen pro Einrichtung. Das DIP fordert 100.000 neue Stellen in der Pflege und deutlich höhere Löhne.

Gute Arbeitsbedingungen und attraktive Löhne

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist durch eine einzige Maßnahme nicht zu lösen. Gute Arbeitsbedingungen und attraktive Löhne sind nötig, um Auszubildende zu gewinnen, ehemalige Altenpfleger in ihren Beruf zurückzuholen und zusätzlich qualifizierte ausländische Pflegekräfte ins Land zu holen – die gehen nämlich momentan lieber nach Großbritannien, in die Niederlande, nach Skandinavien oder Österreich.

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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