Stationäre Tagesbehandlungen – Entlastung für Krankenhäuser?

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Ein klassischer Krankenhausaufenthalt in Deutschland sieht ja so aus: Man bekommt ein Bett zugewiesen, wird untersucht und behandelt und verbringt – je nach Schwere des Leidens – einige Zeit im Krankenhaus, und zwar Tag und Nacht. In dieser Zeit gibt es natürlich auch viel „Leerlauf“, denn niemand wird durchgehend behandelt. Nachts wird das besonders deutlich. Die meisten Patient*innen schlafen, nur Notfälle und schwer Erkrankte werden medizinisch versorgt. Auch die Wochenenden verbringen viele Patient*innen in der Klinik, obwohl sie in diesem Zeitraum gar nicht behandelt werden. Für diese Patient*innen müssen aber trotzdem Betten und Pflegepersonal bereitgestellt werden. Und beides ist aktuell Mangelware. Wieso also nicht Patient*innen mit weniger schweren Erkrankungen über Nacht nach Hause schicken? Dafür hat das Bundesgesundheitsministerium nun einen Gesetzentwurf vorgelegt.  

Reformierung des Krankenhaussystems 

Die Empfehlung, Tagesbehandlungen in Kliniken einzuführen, kam von einer Regierungskommission, die derzeit Konzepte zur Reformierung des Krankenhaussystems erarbeitet. Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass in Zukunft ungefähr ein Viertel aller vollstationären Behandlungen als tagesstationäre Leistungen stattfinden können. Gesundheitsminister Karl Lauterbach fasst die Situation zusammen: „Sehr stark vereinfacht ausgedrückt: Wir haben in Deutschland viel zu viele Betten, die wir betreiben und wir haben viel zu viele stationäre Aufnahmen, die wir auch ambulant versorgen könnten, für die gleiche Qualität.“ 

Video-Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Die Ampel-Parteien haben deshalb einen Änderungsantrag zur Anpassung des Krankenhauspflegeentlastungsgesetzes eingereicht, der nun im Bundestag diskutiert wird. Im Sozialgesetzbuch soll verankert werden, dass tagesstationäre Behandlungen neben vollstationären und teilstationären Krankenhausbehandlungen möglich sein sollen. Eine tagesstationäre Behandlung umfasst dabei mindestens sechs Stunden.  

„Zugelassene Krankenhäuser können in medizinisch geeigneten Fällen, wenn eine Indikation für eine stationäre somatische Behandlung vorliegt, mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten anstelle einer vollstationären Behandlung eine tagesstationäre Behandlung mit einer täglich mindestens sechsstündigen ärztlichen oder pflegerischen Behandlung ohne Übernachtung im Krankenhaus erbringen“, so heißt es im neugeschaffenen Paragrafen.  

Entlastung für Pflegekräfte

Die Vorteile der Tagesbehandlungen liegen auf der Hand: Die freien Betten stehen für Notfälle und schwer Erkrankte zur Verfügung. Außerdem benötigt man weniger Personal für Nacht- und Wochenendschichten. „Diese vielen Schichten fielen aus für das Pflegepersonal. Vielleicht wäre der Pflegeberuf dann auch attraktiver, wenn nicht so viel in der Nacht gepflegt werden müsste. Denn gerade die Nachtschichten sind für viele Pflegekräfte eher eine Belastung. […] Viele dieser Nachtdienste sind, zumindest medizinisch gesprochen, unstrittigerweise aber schlicht und ergreifend komplett überflüssig,“ so Gesundheitsminister Lauterbach. 

Kritik von Krankenkassen 

Nicht alle sind überzeugt, dass die Gesetzänderung tatsächlich zu einer Verbesserung führt. Vertreter*innen von Krankenkassen kritisieren den Vorstoß. Denn Krankentransporte und häusliche Krankenpflege könnten zu erheblichen Mehrkosten führen. Jürgen Malzahn, Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung im AOK-Bundesverband, rechnet mit einer Mehrbelastung von bis zu bis 4,2 Milliarden Euro. 

Und auch die Pflegefachkräfte sind nicht alle überzeugt. „1. Glaube ich nicht an das behauptete Potenzial. Verringerung von Krankenhausbehandlungen geht nur durch engere Indikationsstellung und Prävention. 2. Für Patient*innen wird es faktisch keine Mitbestimmung geben. Du machst mit oder wartest halt noch 3 Monate,“ schreibt zum Beispiel ein Krankenpfleger auf Twitter. „Das einzige Potential, was ich sehe: endlich Änderung von Schichtzeiten, damit Eltern, meistens Mütter, Kind(er) und Job unter einen Hut bringen,“ so ein anderer User. 

Und was meinen Sie? Sind tagesstationäre Behandlungen eine sinnvolle Entlastung für Kliniken? Schreiben Sie uns gerne an magazin@euroakademie.de. 

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.