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Startseite » Typische Mythen über den Beruf im Faktencheck: Ergotherapie
Ausbildungen im Portrait

Typische Mythen über den Beruf im Faktencheck: Ergotherapie

By Dr. Melina Lieb6. Oktober 2026Updated:6. Oktober 20266 Mins Read
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Zwei Frauen in einem Keramikstudio, die gemeinsam an einer Schüssel arbeiten. Rechts sitzt eine ältere Dame mit Brille und Schürze, die einen roten Gegenstand in der Hand hält. Links steht eine junge Ergotherapeutin, die sich herabbeugt und die Schüssel mit einem Pinsel bemalt. Im Bildvordergrund sind unscharf Pinsel und weitere Gegenstände zu sehen.
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Über viele Berufe kursieren zahlreiche Mythen. Wir wollten wissen, wie es wirklich aussieht, und haben daher direkt bei den Lehrkräften und Ausbilder*innen der Euro Akademie nachgefragt.

Heute auf dem Prüfstand: Der Beruf der*s Ergotherapeut*in. Oft heißt es, Ergotherapeut*innen würden den ganzen Tag bloß malen und basteln und lediglich mit Kindern arbeiten. So würde es angeblich ausreichen, für den Beruf kreativ zu sein. Manche glauben außerdem, Ergotherapie sei reine Beschäftigungstherapie oder nur Physiotherapie für die Hände. Auch über das mögliche Gehalt herrscht oft Unklarheit.

Die Euro Akademien Chemnitz und Rochlitz bilden Ergotherapeut*innen aus. Dabei ist es ihnen ein Anliegen, eine moderne Ausbildung anzubieten, die sich am Berufsbild der*s Ergotherapeut*in orientiert, welches sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert hat. Dem Ausbildungsteam ist es eine Herzensangelegenheit, irreführende Aussagen über den Beruf zu entkräften. Daher haben unsere Chemnitzer Lehrkräfte Petra Seidel, Raphael Rudolph und Sophie Hengst zu den genannten Mythen wie folgt Stellung bezogen und diese aufgeklärt.

Mythos Nr. 1: Ergotherapeut*innen basteln und malen den ganzen Tag.

Team Ergo: „Das ist sicher der hartnäckigste Mythos. Viele Bewerber*innen geben an, sich aufgrund der kreativen Arbeit für die Ausbildung entschieden zu haben. Man kann ohne Zweifel sagen, dass die Ergotherapie ein sehr kreativer Beruf ist, wenn es darum geht, dass ein*e Therapeut*in spontan unterschiedlichste Lösungen entwickeln muss. Aber ist damit wirklich Malen und Basteln gemeint?

Das Hauptanliegen der Ergotherapie ist doch, den*die Klient*in für den Alltag zu befähigen. Dabei entscheidet der*die Klient*in, welche Tätigkeiten ihm*ihr wichtig sind, welche aber momentan aus unterschiedlichen Gründen nicht (zufriedenstellend) funktionieren. Das können natürlich ‚Bastelanliegen‘ sein. Für ein Vorschulkind kann dies durchaus das Basteln von Einladungskarten sein, für die Floristin ist es das Binden von Blumenkränzen und für den älteren Menschen vielleicht das Anfertigen seiner geliebten Drechselfiguren.

Dem Klempner wäre aber vielleicht wichtig, die Rohrzange wieder drehen zu können, die Mutter möchte ihren Kindern wieder die Brotdosen fertigmachen und der 16-jährige Schulabgänger möchte sich für ein Praktikum bewerben. Da braucht ein*e Ergotherapeut*in nicht mit buntem Papier um die Ecke kommen. Die traditionellen Handwerkstechniken, wie Töpfern, Körbe flechten und Seidentücher bemalen, haben unserer Ansicht nach nur noch ihre Berechtigung, wenn der*die Klient*in diese als seine bedeutsamen Betätigungen angibt. Ansonsten sind sie nur schwer zu rechtfertigen.“

Mythos Nr. 2: Ergotherapeut*innen arbeiten nur mit Kindern.

Team Ergo: „Ergotherapeut*innen arbeiten mit jeder Klientel: vom Neugeborenen bis ins hohe Alter. Vielleicht beruht der Mythos auf der Tatsache, dass gerade im Vorschulalter bei einigen Kindern ‚motorische oder psychische Auffälligkeiten‘ festgestellt werden und deshalb auf die Ergotherapie verwiesen wird. Somit haben Ergotherapeut*innen natürlich auch sehr viel mit Kindern zu tun. Aber es gibt weitaus mehr Gründe, Ergotherapie in Anspruch zu nehmen: Unfälle, Erkrankungen, Behinderungen, unbewältigte Konflikte – eben immer dann, wenn es einer Person noch nicht, nicht mehr oder nicht mehr zufriedenstellend gelingt, ihren Alltag zu bewältigen. Und das kann in jedem Alter der Fall sein.“

Mythos Nr. 3: Ergotherapie ist Physiotherapie für die Hände.

Team Ergo: „Ergotherapie und Physiotherapie können wunderbare Geschwister sein und sich gegenseitig ergänzen. Während die Physiotherapie oft einen funktionellen Ansatz verfolgt (z.B. Muskelaufbau, Gelenkstabilisierung, Beweglichkeit usw.), schaut die Ergotherapie in die täglichen Herausforderungen der*s Klient*in und arbeitet gezielt an diesen. Den Alltag auf die Hände zu reduzieren, erscheint uns hier sehr fragwürdig.“

Mythos Nr. 4: Ergotherapie ist nur Beschäftigungstherapie.

Team Ergo: „Diese Aussage beruht vielleicht auf der Entwicklung des Berufes Ergotherapeut*in. Bis vor rund 27 Jahren hieß der Beruf noch „Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut“. Inzwischen hat sich das Berufsbild der*s Ergotherapeut*in sehr geändert. Waren es vor 30 Jahren noch kreative (und sicher damals auch wirklich sinnvolle) Beschäftigungsangebote, sind es heute die ganz alltäglichen Betätigungen, die das Zentrum der ergotherapeutischen Arbeit bilden. Da Beschäftigung sehr wichtig ist und soziale Teilhabe gewährleistet werden soll, gibt es wertvolle Berufsgruppen wie Betreuungsassistent*innen oder Alltagsbegleiter*innen.“

INFO: Weiterbildung zur Betreuungskraft

Du möchtest hilfe- und pflegebedürftige Menschen bei Alltagsaufgaben unterstützen und entlasten? An der Euro Akademie kannst du auch eine Basisqualifizierung für Helfer*innen von Betreuungs- und Entlastungsangeboten oder eine Weiterbildung zur Betreuungskraft absolvieren. Damit kannst du sowohl deine beruflichen Kompetenzen für beispielsweise Tagesstätten oder Pflegeeinrichtungen erweitern als auch eine Grundlage für ehrenamtliche Tätigkeiten schaffen.

Mythos Nr. 5: Man braucht keine besondere Ausbildung, um als Ergotherapeut*innen arbeiten zu können. Es reicht, wenn man kreativ ist.

Team Ergo: „Sicherlich kann man es mit Kreativität im Leben weit bringen. Um die Berufsbezeichnung Ergotherapeut*in führen zu dürfen, werden allerdings 2.700 Stunden Theoretischer Unterricht in Fächern wie Anatomie, Fachsprache, Krankheitslehren und Behandlungsverfahren sowie 1.700 Stunden Praktische Erfahrung in verschiedenen ergotherapeutischen Einrichtungen erwartet. Hat der*die Schüler*in ausgelernt, so steht er*sie dennoch erst am Anfang seiner*ihrer therapeutischen Karriere. Denn jetzt heißt es, die Grundlagen aus der Ausbildung exzessiv in Anwendung zu bringen und sich stets mit Kursen und Weiterbildungen auf dem aktuellen Stand zu halten.“

Mythos Nr. 6: Als Ergotherapeut*in verdient man wenig.

Team Ergo: „Wie in vielen anderen Unternehmen steigt auch bei Ergotherapeuten das Gehalt mit zusätzlichen Qualifikationen und Berufserfahrung. Viele Arbeitgeber unterstützen sehr großzügig bei Weiterbildungen, bieten flexible Arbeitszeiten oder andere Benefits.“

INFO: Was verdient man als Ergotherapeut*in?

Einen realistischen Orientierungswert liefert der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Das mittlere monatliche Bruttoentgelt (Median) für Ergotherapeut*innen lag 2025 bundesweit bei 3.695 Euro bei Vollzeitbeschäftigten. Das untere Quartil lag bei 3.086 Euro, das obere bei 4.336 Euro. In Sachsen beispielsweise betrug das Medianentgelt 3.355 Euro.

Dabei ist wichtig, die Zahlen richtig einzuordnen: Der Entgeltatlas weist keine individuellen Gehälter für einzelne Personen aus, sondern statistische Werte für Berufsgruppen. Der Median bedeutet, dass die eine Hälfte der erfassten Beschäftigten weniger und die andere Hälfte mehr verdient. Zudem handelt es sich um Bruttomonatsentgelte von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten der sogenannten Kerngruppe.

Wie der Beruf Ergotherapie wirklich aussieht

Es zeigt sich also: Kreativität brauchen Ergotherapeut*innen vor allem deshalb, weil sie ihre Klient*innen befähigen wollen, Tätigkeiten, die für diese wichtig sind, im Alltag (wieder) selbstständig auszuführen. Die angewandten Methoden dienen dabei nicht rein der Beschäftigung, sondern sie sind evidenzbasiert und verfolgen klar definierte Therapieziele. Ergotherapeut*innen benötigen also auch ein breites Fachwissen im medizinischen, psychosozialen und pädagogischen Bereich. Schließlich arbeiten sie mit Menschen aller Altersgruppen in vielfältigen Einsatzfeldern wie zum Beispiel Praxen, Kliniken, Sonderschulen oder Wiedereingliederungsprogrammen.

Du willst in einem zukunftssicheren sozialen Beruf einen positiven Einfluss auf das Leben anderer Menschen nehmen? Dann bewirb dich für die Ausbildung zum*r Ergotherapeut*in an der Euro Akademie.

Du möchtest noch mehr Einblicke in die Ausbildung erhalten? Hier kannst du einen Erfahrungsbericht einer unserer ehemaligen Schüler*innen der Ergotherapie lesen. 

Wir bedanken uns bei Petra Seidel, Raphael Rudolph und Sophie Hengst vom Team Ergo der Euro Akademie Chemnitz.

Beitragsbild: Svitlana Hulko / shutterstock.com

Ausbildung Beruf Ergotherapie
Dr. Melina Lieb

Wissensdurst und Kreativität gehen bei mir Hand in Hand. Daher freue ich mich, dass ich seit Herbst 2025 meine vielseitigen Interessen und Erfahrungen in Artikel für das Euro Akademie Magazin einfließen lassen kann.

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