Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz wirft die Frage auf, wie sich Sprachberufe wie Übersetzer*in, Dolmetscher*in oder Fremdsprachenkorrespondent*in künftig verändern werden. Welche Rolle werden sie in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt einnehmen? Wenn KI in Sekundenschnelle Texte schreiben, übersetzen und korrigieren kann, lohnt es sich dann überhaupt noch, sich in diesen Fähigkeiten ausbilden zu lassen?
Wir sagen: auf jeden Fall! Denn das Lernen von Sprachen trainiert dein Gehirn und macht dich flexibler und selbstbewusster. Außerdem lernst du in einer Ausbildung zum*r Fremdsprachenkorrespondent*in nicht nur, wie du Texte schreibst und übersetzt, sondern auch, wie du internationale Telefonate und Meetings führst oder Präsentationen hältst. Die KI mag Worte und Informationen übertragen können, doch es fehlt ihr an essentiell menschlichen Stärken: Empathie, Fingerspitzengefühl, Beziehungsfähigkeit, Spontanität und interkultureller Kompetenz.
All diese Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gefragt und lassen sich in vielfältigen Berufsfeldern einsetzen. In diesem Artikel wollen wir dir zeigen, welche Türen ausgebildeten Fremdsprachenkorrespondent*innen und Übersetzer*innen offenstehen, an die du vielleicht noch nicht gedacht hast. Dazu gehören der diplomatische Dienst, Anwalts- und Wirtschaftskanzleien sowie Großunternehmen mit internationalen Kontakten. Auch der Weg ins Lehramt ist eine Möglichkeit, wie wir bereits in einem vergangenen Artikel beleuchtet haben.
Internationale Karriere im Auswärtigen Amt
Du bist flexibel und abenteuerlustig, hast aber auch ein Gespür für Verwaltungsaufgaben? Dann könnte eine Karriere beim Auswärtigen Amt etwas für dich sein. Dort gibt es vielfältige Möglichkeiten: von klassischen Bürotätigkeiten über den Sprachendienst hin zum diplomatischen Dienst in Konsulaten und Botschaften auf der ganzen Welt. Du arbeitest also international und hast gleichzeitig die Absicherung eines deutschen Arbeitsvertrages.
Das Auswärtige Amt sucht gezielt nach Fremdsprachenkorrespondent*innen und ist regelmäßig für Informationsveranstaltungen an den Euro Akademien zu Besuch, zum Beispiel in Berlin. In der Fremdsprachenassistenz des Auswärtigen Amtes sind neben der Begeisterung für Sprachen und Kulturen vor allem Organisationstalent, Zuverlässigkeit und Flexibilität sowie gute IT-Kenntnisse gefragt. Auf den kaufmännischen Anteil dieser Tätigkeit bist du durch eine Ausbildung an der Euro Akademie gut vorbereitet, denn diese Aspekte sind auch bei uns Teil des Lehrplans.
Womöglich kommt nach der Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent*in auch ein Auswärtiger Dienst für dich in Frage. Dabei gibt es eine breite Palette von Arbeitsfeldern: vom Verwaltungs-, Rechts- und Konsularbereich über die Sachbearbeitung in den Bereichen Wirtschaft, entwicklungspolitische Zusammenarbeit, Presse, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Mitgestaltung deutscher Außenpolitik als Diplomat*in im höheren Dienst. Wie eine diplomatische Tätigkeit aussehen kann, erkundete zum Beispiel die Euro Akademie Aschaffenburg kürzlich in einem Planspiel zur Europäischen Union.
Sowohl im Auswärtigen Dienst als auch in der Fremdsprachenassistenz wechselst du alle drei bis vier Jahre den Dienstort – das nennt man Rotation. Dadurch ist dein Berufsleben sehr abwechslungsreich und du verfällst nicht in eine starre Routine. Auf der anderen Seite musst du – und dein*e Partner*in oder Familie – uneingeschränkt versetzungsbereit sein. Zum Teil gibt es jedoch auch die Möglichkeit, an einem Ort zu bleiben, zum Beispiel als Dolmetscher*in oder Übersetzer*in.
In jedem Fall kannst du bei einer Tätigkeit für das Auswärtige Amt all die Fähigkeiten einsetzen, über die KI nicht verfügt: Verständnis für kulturelle Zwischentöne, Fingerspitzengefühl in delikaten Situationen, Lesen von Mimik und Gestik, der Aufbau von Beziehungen sowie Respekt und Diskretion.
Sprachliche Präzision in Anwalts- und Wirtschaftskanzleien
Fingerspitzengefühl, Sorgfalt und Diskretion liegen auch dir, doch du möchtest lieber einen festen Arbeitsort haben? Dann könnte ein Job im juristischen Umfeld etwas für dich sein. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Naheliegend ist eine Tätigkeit als Übersetzer*in für Rechtstexte in einer globalen Wirtschaftskanzlei, wie zum Beispiel Linklaters. Deren internationale Ausrichtung macht viele Übersetzungen nötig. Da Rechtstexte oft vertraulich und komplex sind, sind diese bei einem*r menschlichen Übersetzer*in besser aufgehoben als bei einer anonymen KI. Besonders bei dringenden Aufträgen kommt ein weiterer Vorteil hinzu, den du als Mensch mitbringst: die Technik kann ausfallen, du aber bleibst einsatzbereit. Gerade in Kanzleien geht der Trend daher verstärkt dazu, Übersetzer*innen selbst anzustellen, so berichtet es Schulleiterin Simone Scharrer von der Würzburger Dolmetscherschule, einer Schwesterinstitution der Euro Akademie.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit für Fremdsprachenkorrespondent*innen im Rechtsbereich ist ein Job als Personal Assistant oder Rechtsanwaltsfachangestellte*r. In dieser Funktion bist du für eine reibungslose Büroorganisation zuständig. Das beinhaltet zum einen die Bearbeitung von Texten, Dokumenten und Geschäftskorrespondenz in mehreren Sprachen. Zum anderen sorgst du auch für die Planung sowie die Vor- und Nachbereitung von Terminen, Meetings und Geschäftsreisen. Bei diesen Tätigkeiten werden sehr gute Sprachkenntnisse sowie Sorgfalt und Selbstständigkeit geschätzt.
Einige Absolvent*innen der Euro Akademie wurden bereits erfolgreich als Personal Assistant bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller an ihrem Standort in Frankfurt am Main eingestellt. Viktoria Breunig zum Beispiel hat sich durch die Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin „optimal“ auf diesen Beruf vorbereitet gefühlt, insbesondere dank der „intensiven Einheiten im Business English, in denen wir Geschäftsbriefe verfasst, Business-Ausdrücke gelernt und professionelle Anschreiben erstellt haben“. Auch Samira Amrhein hat nach ihrer Ausbildung eineinhalb Jahre bei Hengeler Mueller gearbeitet, bevor sie in ein Investmentbanking-Unternehmen gewechselt ist.
Kommunikative Sprachtalente in Unternehmen
Samiras Weg zeigt, dass auch dir als Fremdsprachenkorrespondent*in in der freien Wirtschaft viele Wege offenstehen. Dort wird geschätzt, was du als Mensch im Gegensatz zur KI mitbringst: ein tiefes Verständnis für verschiedene Kulturen, Fingerspitzengefühl, Respekt und die Fähigkeit, wertschätzende Beziehungen aufzubauen.
Eine solche Beziehungsfähigkeit ist zum Beispiel im Human-Resources-Bereich entscheidend. Du kannst als Recruiter*in oder Personaler*in arbeiten, so wie Samir Debali, der an der Euro Akademie Bamberg seine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten gemacht hat. Dadurch war er bestens vorbereitet auf die schriftliche Korrespondenz und die mündlichen Vorstellungsgespräche, die er auch in Englisch und Französisch bei seiner Anstellung als HR-Recruiter bei der Personalvermittlung Aquitas führt.
Auch Cathrin Weinel, Absolventin der Euro Akademie Mainz, hat eine Zeitlang als Recruiterin gearbeitet, bevor sie Stellen im Vertrieb bei großen Firmen wie dem englischen Modeunternehmen Burberry und dem IT- und Logistik-Unternehmen Samsara annahm. Ein entscheidendes Merkmal ihrer Arbeit ist, dass sie dort ausschließlich auf Englisch kommuniziert – sie kann ihre Sprachkenntnisse also praxisnah im Alltag einsetzen.
Wie Cathrin hat auch Chidera Eze, Absolventin der Euro Akademie Trier, eine Ausbildung als International Administration Manager gemacht, bei der sowohl sprachliches als auch wirtschaftliches Wissen vermittelt wird. Dank ihrer Kommunikationsfähigkeit konnte Chidera anschließend als Executive Assistant beim luxemburgischen Dienstleistungsunternehmen PwC anfangen. Ähnliche Möglichkeiten stehen dir auch als Fremdsprachenkorrespondent*in in den Branchen Finanzen, Immobilien- und Vermögensverwaltung, Steuerberatung, Verwaltung und Personalmanagement offen.
Mit einer Ausbildung im Bereich Fremdsprachen & Internationales an der Euro Akademie bist du also gut gerüstet für vielfältige Karrieremöglichkeiten weltweit. Informiere dich hier und finde deine passende Ausbildung.
PS: Diplomatie, Recht und Wirtschaft sind nicht so ganz deine Interessengebiete? Dann verraten wir dir im zweiten Teil dieser Artikelreihe, welche weiteren kreativen Berufe du mit deiner Sprachausbildung ergreifen kannst – zum Beispiel in der Film- und Gamingbranche sowie im Marketing und der Content Creation.
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