Diva, Choleriker, idealer Chef – drei Cheftypen und der Umgang mit ihnen

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Wir verbringen jeden Tag jede Menge Zeit mit ihnen: mit unseren Chefs! Gerade im Tandem Chef und Assistenz braucht es viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl, um den richtigen Umgang mit dem Vorgesetzten zu finden. Jeder Mensch ist anders – so natürlich auch die Führungskräfte.

Nicht immer ist der Vorgesetzte so, wie man es sich selbst wünscht. Chefs können die besten aber auch die schwierigsten Menschen auf der Welt sein. Im Laufe meiner Berufskarriere, die immerhin schon 18 Jahre andauert, hatte ich das Vergnügen mit den unterschiedlichsten Cheftypen zusammen zu arbeiten. Es war nicht immer einfach, dennoch manchmal anstrengend und teilweise wirklich komisch. Der Umgang mit Vorgesetzten im Beruf ist mit jedem Chef eine neue Herausforderung. Das hat mich dazu veranlasst, heute rückblickend meine Erfahrungen mit drei unterschiedlichen Typen von Chefs wiederzugeben.

1) Typ Diva

Als Diva lässt sich einer meiner Vorgesetzten beschreiben, der wahnsinnig viel Aufmerksamkeit auf sein Äußeres legte. Er war immer bestens angezogen, manikürt und frisiert. Sein Gang war aufrecht und stolz. So wie es ihm wichtig war, sein Äußeres richtig in Szene zu setzen, war es ihm ebenfalls wichtig, dass alles im Büro seinen Platz hatte. Er war der geborene Ordnungsfanatiker. Natürlich erwartete er, dass mein Arbeitsstil genauso ordentlich und sauber war.

Ich gestehe, damals war ich noch sehr jung und dachte, dass ich der Typ „kreativer Chaot“ sei. Auf meinem Arbeitsplatz türmten sich Berge von Unterlagen und sonstiger Krimskrams. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: ich habe jeden erforderlichen Schnipsel immer direkt gefunden. War ja auch nicht schwer. In meinem großen Vorzimmerbüro thronte ein großer Wandaktenschrank, den ich mein Eigen nennen durfte.

Mit der Ablage hatte ich es nicht so. Als mich der „Typ Diva“ eines Tages unvermittelt fragte, ob er mal einen Blick in die Ablage werfen dürfte, fiel ihm damals vor Entsetzen und Ungläubigkeit die runde Brille von der Nase. Beim Öffnen des wunderbaren großen Wandschrankes sah er auf den ersten Blick nur drei Aktenordner. Ungläubig fragte er, wo denn die Ablage sei. Verwundert teilte ich ihm mit, dass diese genau dort im Schrank zu finden sei. Wieder fragte mein divenhafter Chef nach, nach welchem Ablageprinzip die Ablage denn geordnet sei. Ich erklärte es ihm ganz genau. Man müsse nur einen Ordner herausnehmen und blättern und könne so jede Menge Unterlagen – nach Datum geordnet – finden. O.k., heute gebe ich zu, dass dies wohl nicht der richtige Weg und auch nicht der richtige Umgang mit der Diva war.

Als ich einmal ein Telefonat in seinem Büro annahm, habe ich unbewusst einen Mont Blanc Kugelschreiber aus seiner obersten Schublade herausgeholt und eine Nachricht notiert. Achtlos habe ich wohl diesen Stift wieder in die Schublade gesteckt. Nachdem mein Chef dann selbst die Schublade öffnete, um einen Stift herauszuholen, und dabei erkannte, dass sein geliebtes Schreibwerkzeug nicht ordnungsgemäß abgelegt wurde, ermahnte er mich mit den Worten: „Frau Romanic …, mein Stift ist nicht in der Ritze“. Was soll man dazu noch sagen? Die Diva reagierte in diesem Moment beleidigt und war trug mir diese Situation noch jahrelang nach.

Wie geht man am besten mit dem Cheftyp Diva um?

Divas sollte man immer mit Samthandschuhen anfassen. Zunächst einmal ist Ordnung für diesen Typ Chef das A und O. Wenn Sie mit solch einem Vorgesetzten zusammenarbeiten, sollten Sie nach Möglichkeit nicht unangenehm auffallen, was Ordnung anbetrifft. Auch sollten Sie seinen perfektionistischen Arbeitsstil unterstützen und sehr ordentlich und genau arbeiten. Kritisieren Sie niemals eine Diva, denn das kann sie nur schwer ertragen.

2) Typ Choleriker

Im Laufe meiner Karriere als Management-Assistentin durfte ich auch den für mich schwierigsten Typ Chef kennenlernen – den Choleriker. Im Nachhinein habe ich verstanden, dass mangelndes Selbstwertgefühl die charakterlichen Defizite dieser dennoch charismatischen Führungspersönlichkeit verursacht hat. Jedoch zurück zu mir und meiner Arbeit mit diesem Cheftyp. Meistens war dieser Vorgesetzte rücksichtslos und respektlos mir und seinen Mitarbeitern gegenüber. Freundlich trat er in der Regel nur gegenüber Personen auf, die ihm übergeordnet waren – also Kunden und Geschäftspartner.

Er hat das ganze Team fortwährend kritisiert und kleinste Fehler aufgebauscht. Permanenter Leistungsdruck und Angstverbreitung waren an der Tagesordnung. Wenn ich morgens schon im Display seine Nummer sah, wusste ich nicht, was mich erwarten würde: eine einstündige Standpauke über alles und jeden, der nicht nach seinem Willen funktionierte oder eine nette Konversation mit viel privatem Geplänkel. „Wahnsinn“, habe ich immer gedacht, eine Person mit zwei Gesichtern und so unberechenbar, dass man nie weiß, wann welches Gesicht zum Vorschein tritt.

Solche Cheftypen glauben meistens, dass man dankbar dafür sein sollte, überhaupt einen Job in seinem Unternehmen zu haben. Seine Erwartungshaltung an eine immer perfekte Arbeit hatte oberste Priorität, ansonsten musste man mit „Strafen“ rechnen. Strafen sahen immer so aus, dass er einen entweder ignorierte oder Meetings für 22:00 Uhr einberufen wurden, so dass der Arbeitstag erst nach Mitternacht endete. Also reine Schikane und Erniedrigung. Die Frage, die ich mir heute stelle, ist, wie und warum ich es so lange mit dem Choleriker ausgehalten habe?!

Wie geht man mit einem Choleriker um?

Zunächst einmal ist es ganz wichtig, dem Choleriker kein Paroli zu bieten. Wiederspruch erhöht sein Wutpotential nur noch mehr. Wichtig ist es auch ihm nicht sofort sein Fehlverhalten aufzuzeigen, sondern den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch abzuwarten, am besten dann, wenn er sich wieder beruhigt hat. Sie dürfen sich nicht alles gefallen lassen. Denken Sie immer daran, Sie sind sich selbst etwas wert. Versuchen Sie bei diesem Cheftypen die Ruhe zu bewahren. Schreien Sie nicht zurück und versuchen Sie auch nicht in Tränen auszubrechen.

Am besten bin ich damit gefahren, dass ich vollkommen auf Durchzug geschaltet habe, und sein Schreien ignoriert habe. Meine Motivation zur Arbeit zu gehen, habe ich nur noch in der Arbeit selbst gefunden, die damals wirklich spannend war. Schlussendlich müssen Sie für sich abwägen und schauen, inwiefern Sie mit solch einem Typ zusammenarbeiten wollen. Ein Jobwechsel ist meistens besser, als jahrelang in solch einem Umfeld zu arbeiten. Das durfte ich selbst erfahren. Die Gefahr besteht nämlich darin, dass ihr eigenes Selbstwertgefühl auf Dauer geschwächt wird. Sie trauen sich selbst nichts mehr zu. Fehler passieren, gerade weil man Angst hat, welche zu machen. Aber auch die körperliche und psychische Gesundheit verschlechtert sich.

3) Der ideale Chef

Heute bin ich ein Glückspilz. Ich habe jetzt die Möglichkeit mit einem guten Vorgesetzten zusammenzuarbeiten. Ein idealer Chef ist für mich ein Chef, der angemessenes Vertrauen in das Können seiner Mitarbeiter hat. Mein Chef verlangt von seinen Angestellten viel, aber er lebt es auch vor. Er verlangt sich selbst noch viel mehr ab. Ein guter Chef fördert seine Mitarbeiter und gibt ihnen viel Eigenverantwortung bei der Leistung der Arbeit. Was mich immer wieder fasziniert ist, dass mein Chef wissen will, was man selbst mitdenkt. Er mag es, wenn man Dinge und Arbeitsabläufe nicht einfach hinnimmt, sondern immer wieder aufs Neue hinterfragt. Er ist offen dafür, dass man ihm auch seine eigene Arbeitsweise und den Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern spiegelt und ihm ein ehrliches Feedback gibt. Kritik übt er so, dass man diese angstfrei annehmen und daraus lernen kann.

Wie geht man mit einem guten Chef um?

Sich einfach zurücklehnen und genießen reicht nicht. Auch gute Chefs brauchen Bestätigung. Deshalb ist es aus meiner Sicht immer wichtig, dem Chef zu zeigen, dass man seinen Führungsstil und den Umgang miteinander schätzt. Gute Chefs möchten immer auf dem Laufenden gehalten werden. Auch mit einem guten Chef lässt sich in der Zusammenarbeit immer etwas verbessern. Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Chef zu behalten, mit ihm auch durch tiefe Gewässer zu gehen und für ihn ein Fels in der Brandung zu sein.

Erkennen Sie Ihren Chef bzw. Ihre Chefin einem der genannten Typen wieder?

Egal wie unterschiedlich manche Cheftypen sind, als Assistentin benötigt man ein gesunde Portion Selbstbewusstsein und Empathie, um sich immer wieder neu auf die unterschiedlichen Menschentypen einzustellen und mit ihnen zu arbeiten. Wichtig ist, dass Sie erkennen, mit welchem Typ Chef Sie zusammenarbeiten, um Ihre persönliche Strategie im Umgang mit ihm zu entwickeln. Wissen, wie der Chef tickt, ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor, damit Sie sich auf dessen Verhalten einstellen und so erfolgreich auf Ihre persönlichen Ziele hinarbeiten können.

Autor

Enisa Romanic ist Trainerin und bietet unter Bürotrainingplus Seminare zum Office Management. Parallel dazu ist sie täglich in der Praxis als Assistentin tätig. Sie spricht Englisch, Französisch, Spanisch, Serbisch und Kroatisch und blickt nebem ihrem Studium als "International Management Assistant" an der AMA (Euro Akademie Lippstadt) auf zahlreiche Aus- und Weiterbildungen zurück. Für das Euro Akademie Magazin schreibt sie Kolumnen aus ihrer 18-jährigen Berufspraxis als Assistentin in unterschiedlichsten Branchen und Unternehmensbereichen.