Merhaba! Herzenssprache Türkisch

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Hannover ist eine multikulturelle Stadt. Gut die Hälfte vor allem der jungen Menschen hat einen Migrationshintergrund, zu den eigentlichen Muttersprachen gehören zum Beispiel Türkisch, Polnisch und Arabisch. Seyda ist Schülerin in der Abiturientenausbildung International Business Communication und ein gutes Beispiel für Hannovers kulturelle und sprachliche Vielfalt. Sie spricht Deutsch, Türkisch, Englisch, Spanisch und Französisch. Ihre Muttersprache Türkisch ist eine sehr ausdrucksstarke Sprache und hat Weltliteratur hervorgebracht, die es verdient wiederentdeckt zu werden. Mit ihren Mitschülern*innen hat Seyda sich zu den Besonderheiten der türkischen Sprache ausgetauscht, die von 70 Millionen Menschen als Muttersprache und weiteren 20 Millionen als Zweitsprache gesprochen wird.

In welcher Sprache denkst du?

Seyda: Meistens in mehreren Sprachen gleichzeitig: Deutsch, Türkisch oder Englisch. Es hängt von den Freunden und dem Umfeld ab. Verschiedene Menschen rufen verschiedene Sprachen in mir ab. Beim Vater ist das eher Türkisch, bei meiner Mutter Deutsch. Ich sehe mich als Türkin, das ist die Kultur, mit der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin eine moderne junge Frau, meine Eltern sind typische Europäer und leben seit Jahrzehnten in Deutschland.

Welche Übersetzungsrichtung fällt dir leichter?

Seyda: Bei politischen Themen eher vom Türkischen ins Deutsche, bei allgemeinen Themen ist das egal. Ich kann beide Sprachen gleich gut.

Ist Türkisch eine schwierige Sprache? Gibt es viele Dialekte?

Seyda: Türkisch ist keine einfache Sprache und hat zum Beispiel keine Artikel. Die Aussprache ist kompliziert, bestimmte Buchstaben gibt es im lateinischen Alphabet nicht. Die Sprache folgt einem anderen System. In der Grundschule gab es eine Türkisch-AG, aber keinen systematischen Unterricht. Es wäre toll, wenn sich das ändert. Und es gibt viele Dialekte, mit großen Unterschieden in Aussprache oder Wortwahl. Vergleichbar ist das mit Hochdeutsch und Bayrisch.

Zwischen zwei Kulturen

Wie förmlich ist die türkische Sprache?

Seyda: Es gibt verschiedene Titel, zum Beispiel für ältere Schwestern. Aus Respekt spricht man ältere Personen mit Titeln an. Man küsst zur Begrüßung die Hand, legt diese dann an die Stirn und spricht die Person mit „Großmutter“ an. Trotzdem ist die Begrüßung nicht förmlich, sondern persönlich und herzlich. Es gibt außerdem zwei Begriffe für Tante und Onkel, je nachdem ob väterlicher- oder mütterlicherseits.

Wieso haben die Türkinnen und Türken eigentlich eine so enge Verbindung zu ihrer Herkunftsstadt?

Seyda: Jede Stadt hat eine Zahl. In Deutschland gibt es ja Buchstaben.

Gibt es irgendetwas an der türkischen Kultur, was du nicht magst?

Seyda: Eigentlich nicht. Aber es gibt viele Fleischgerichte, und ich bin Vegetariern. Das würde ich ändern, wenn ich könnte. Einige Regionen haben den Brauch, auf Hochzeiten oder anderen Feiern Schüsse abzugeben, wobei es durchaus zu Unfällen kommen kann. Das würde ich abschaffen.

Was nervt dich an der deutschen Kultur so richtig?

Seyda: Viele Menschen verstehen zu wenig Spaß, manches wird schnell persönlich genommen. In der deutschen Kultur ist man sehr distanziert, zum Beispiel auch zwischen Eltern und Kind.

Was ist gut an der deutschen Kultur?

Seyda: Pünktlichkeit. Ich liebe das. Manchmal finde ich auch die distanzierte Art wiederum ganz gut. Es gibt sinnvolle Regeln, die generell auch ernsthaft befolgt werden.

Wo möchtest du einmal leben?

Seyda: Ich würde schon gern später mal in der Türkei leben. Was viele nicht wissen: Lebensmittel, Hausgeräte, Dinge des täglichen Bedarfs sind in der Türkei viel teurer. Wegen des Klimas gibt es viele Aktivitäten erst ab 22 Uhr, also ein tolles Nachtleben. Mein Hauptproblem: In der Türkei bin ich Deutsche, hier Türkin. Ich bin immer die Ausländerin.

Wenn du daran etwas ändern könntest, was wäre das?

Seyda: Die doppelte Staatsbürgerschaft wäre toll!

Bildquelle Beitragsbild: © NINA IMAGES/shutterstock.com

Autor

Schüler der Euro Akademie

In dieser Rubrik schildern Schüler der Euro Akademien ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Ausbildung, berichten über Projekte, Praktika oder Veranstaltungen und geben anderen Lernenden wertvolle Tipps. Sie gehen dabei auf Fragen ein, auf die sie vor und in ihrer Ausbildungszeit selbst gern Antworten gehabt hätten.